Zelten? Machs mal ohne! (Finnland)

Nach den paar Übungsnächten im Zelt wagen wir uns heute an eine neue Stufe der Outdoor-Erfahrung. Wir übernachten draußen OHNE Zelt. Nach langer (sehr langer!) Suche haben wir einen Sami-Unterstand direkt am Fluss gefunden. Zugegebenermaßen steht auf dem Gepinselt nebenan ein Wohnhaus und wir sind auch nicht sicher ob man den Unterstand wirklich einfach so benutzen darf. Aber kein Schild besagt dass die Stelle hier privat wäre, Holz für ein Feuerchen gibt es im Überfluss und auf die Liegefläche des halboffenen Unterstandes passen wir zu zweit. Die Zelte bleiben also im Auto, die Mücken hoffentlich im Wald und wir freuen uns auf eine Nacht ohne nervige Artgenossen. Und: auf eine kostengünstige Nacht. Denn gestern haben wir uns mal so richtig was gegönnt.

Gestern haben wir einen total versteckten Campingplatz am Inari-See entdeckt. Und zwar mitten im Wald. Die Hütten dort standen mit riesigem Abstand zueinander mitten in den Bäumen. Das war absolutes Rentiergebiet, man konnte sich vor den Tieren schier nicht retten (auch wenn ich nicht verstehe wie die sich in den dichten Wäldern bewegen können ohne mit ihrem Geweih in den Bäumen hängen zu bleiben). Da wir mittlerweile gewiefte Camper sind steht am Anfang eines jeden Campingplatzbesuchs zunächst eine Besichtigung. Wenn man Glück hat bekommt man am Empfang die Schlüssel für mehrere Hütten (bei uns waren es immer mindestens drei), die man dann in Ruhe begutachten kann. (Wir haben das sogar gemacht wenn wir schon vorher wussten dass wir keine Hütte mieten sondern im Zelt schlafen, hihi). Ich liebe diese Besichtigungstouren!!!! Tja, und gestern, auf dem Campingplatz im Wald, ist uns diese wahnsinns Hütte mit Kamin und Sauna über den Weg gelaufen. Sogar eine winzige Küchenzeile und einen Esstisch gab es (aber selbstverständlich weder Klo noch Dusche), und der Blick ging direkt auf den See. Da haben wir zugeschlagen. So muss Finnland-Urlaub sein!!!!

Der Lars hat gleich mal die Sauna beheizt, wo wir in ungekannter Schnelle unsere handgewaschenen Klamotten getrocknet haben. Den ganzen Abend sind wir (den Moskitos zum Trotz) außen gesessen und haben der Sonne beim nicht-Untergehen zugeschaut. Und kurz vorm Ins-Bett-Gehen haben wir selbst noch der Sauna einen Besuch abgestattet. Extrem cool!

Weniger cool war, dass die Hütte über keinerlei Fliegengitter verfügt hat und wir erstmal stundenlang auf Moskitojagd gehen mussten bevor wir uns schlafen legen konnten (es hat natürlich trotzdem weiter um uns rumgesummt, was echt Nerven kostet). Und auch nicht cool ist (merke!) dass sich die Türen der Hütten normalerweise zusperren sobald man sie zuzieht. Blöd, wenn dann der Schlüssel innen liegt… Zum Glück war der Empfang noch besetzt und es gab einen Ersatzschlüssel.

Heute Morgen dann: sintflutartiger Regen. So heftig, dass wir die ungelogen 500m entfernen Duschen nur mit dem Auto aufsuchen konnten. Und der Regen hat den ganzen Tag nicht nachgelassen. Bei 9 Grad Außentempetatur. Wir haben deshalb beschlossen nochmal einen kleinen 200-km-Abstecher zu machen und nach Rovaniemi zu fahren.

Rovaniemi ist eine finnische Großstadt, die direkt am Polarkreis liegt und von sich behauptet, dass dort der Weihnachtsmann wohnt. Es gibt da so ein Santa-Claus-Dorf wo ich schon immer mal hin wollte. Für alle, die nach uns kommen: Erspart Euch das! Man hört direkt auf, an den Weihnachtsmann zu glauben, wenn man dort war. Ein Ramsch-Shop neben dem anderen, dazu penetrantes Weihnachtsmusik-Gedudel, und wer zum Weihnachtsmann vorgelassen werden will taucht im Live-Stream im Internet auf und muss sich kostenpflichtig fotografieren lassen. Und sämtliche Restaurants schließen (im Sommer) um 16 Uhr.

Zwei coole Sachen hat uns Santa Village dann aber doch geboten: 1.: Der auf den Boden aufgemalte Polarkreis. Und 2.: Ein Burger-Lokal, das dann irgendwie doch noch geöffnet hatte und vom einzigen echten Sami betrieben wurde, den wir auf unserer Reise bisher getroffen haben. Es gab Rentier aus seiner eigenen Zucht und dazu Glühwein – genial!

Und als wir wieder im Auto saßen ist plötzlich der Himmel aufgerissen, der Regen hat aufgehört, es hatte schlagartig 16 Grad und alle Finnen sind  sofort kurzärmlig rumgelaufen.

Hier, in unserem Sami-Unterstand, regnet es mittlerweile wieder. 150 Kilometer sind es noch bis Kuusamo, von wo aus wir am Mittwoch unseren Flug nach Helsinki nehmen. Ein weiteres Highlight – neben der heutigen Nacht, grins – wollen wir uns noch gönnen. Es gibt hier einen Bärenpark, wo man angeblich wilde Braunbären sehen kann. Wie immer sind wir sehr gespannt!

[Nicht dass ihr denkt der Sami-Unterstand verfügt über WLan! Ich hab heute mal ein Datenpaket gekauft].

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