Kreuzfahrt, Volume 2: Wiedersehen mit der Mein Schiff 2

Dass Kreuzfahrten moralisch verwerflich sind, habe ich in diesem Beitrag schon dargestellt. Mehr noch als die Arbeitsbedingungen an Bord belastet mich dabei die Ökobilanz, die jeder live und in (schwarzer) Farbe bestaunen kann, der während der Fahrt des Schiffes mal seinen Blick gen Himmel richtet. Es gibt also nichts zu rechtfertigen, zu beschönigen oder zu entschuldigen, schon gar nicht für den Öko-Apostel und Biomarktkäufer, der ich im wahren Leben bin. Und doch habe ich es – nach einigem Ringen –  getan: Ich habe wieder eine Kreuzfahrt gemacht. Wieder mit der Mein Schiff 2 von Tuicruises. Wieder ins Mittelmeer. Und sogar in der gleichen Kabine. Und: Es war schön! Sehr schön sogar.

Die Route: Malta – Piräus (Athen) – Mykonos – Bodrum (Türkei) – Catania (Sizilien) – Malta

Ausgangspunkt unserer Schiffsreise war wieder Malta. Ich hatte zuvor mit anderen Häfen geliebäugelt, konnte mich aber mit keinem so recht anfreunden. Nach Malta kommt man gut hin, und von unserem schönen Hotel Osbourne mitten in der Altstadt ist der Hafen fußläufig erreichbar. Da können Städte wie Piräus, La Spezia oder Triest nicht mithalten.

Nach einem Tag in Malta, das sich genauso schnuckelig präsentierte wie beim letzten Mal, ging es dann auch schon aufs Schiff. Wir sind ja jetzt Profis, deshalb konnten wir das alles optimieren: Die Kabinen werden nämlich erst ab 15 Uhr freigegeben; ab morgens darf man aber schon die öffentlichen Bereiche des Schiffs nutzen. Anstatt den Tag also an Land zu verdaddeln, haben wir gleich unser geliebtes Buffetrestaurant Anckelmannsplatz gestürmt, anschließend einen Kaffee in der gemütlichen TUI-Bar getrunken und auch noch gleich das bordeigene Fitnessstudio unsicher gemacht. Urlaub ab der ersten Minute! So gehört sich das. Optimiert haben wir auch das Herumhantieren mit der Bordkarte. So ziemlich unser erster Akt an Bord war, eines dieser peinlichen Schlüsselbänder zum Um-den-Hals-hängen zu kaufen. Wer sich daran erinnert, wie sehr ich beim letzten Mal über die mitreisenden Schlüsselbandträger abgelästert habe, darf jetzt einmal laut aufstöhnen.

Überraschend: Mitreisende Veganer?

Beim Abendessen sind uns gleich zwei Besonderheiten aufgefallen: Erstens war auffällig, dass ein komplett anderes Publikum an Bord war, als beim letzten Mal im September. Wir, die selbsternannten Schlüsselbandträger, waren auf einmal in der Minderheit – im September hatte jeder so ein peinliches Ding um den Hals. Außerdem gab es nur wenige Männer, die versucht haben, in kurzen Hosen die Restaurants zu stürmen. Und auch das Klientel, das um 10 Uhr schon oben ohne vor Burger + Weizenglas am Pooldeck zu beobachten war, hielt sich in Grenzen. Zweite Besonderheit: Es gab zum Abendessen ein veganes Menü. Nicht schlecht, da hat wohl ein findiger Innovationsmanager bei Tuicruises für ein neues Alleinstellungsmerkmal gesorgt. Ich hoffe, es wird angenommen.

Immer wieder lustig: Die Seenotrettungsübung

Nach dem ersten Abendessen mussten wir dann noch die lästige Seenotrettungsübung hinter uns bringen. Auch hier waren wir nun Profis genug, um schon 30 Minuten vorher vor Ort zu sein, um einen Sitzplatz zu ergattern. Interessant war, dass mitten während der Übung eine Dame (die einzige, die in Schwimmweste angerückt war) nach vorne brüllte, dass sie im Fernsehen gesehen hätte, dass es nicht für alle Passagiere Rettungsbote gäbe, da diese zugunsten von Balkonen und Veranden wegrationalisiert würden. Leider wurde die Dame sofort mundtot gemacht. Ich muss mal googlen, was da dran ist.

Punkt 22 Uhr sind wir dann bei Sekt, grandiosem Vollmond und der Tuicruises-Hymne “Große Freiheit” ausgelaufen. Ein toller Blick auf die dahinschwindende Ökobilanz inklusive (Bild rechts). Da hat man sich doch lieber wieder den glitzernden Lichtern Maltas zugewandt – und war gespannt auf die nächsten Tage!

Athen, wir kommen!

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