Zeitreise: Vor 8 Jahren in Peru

Kurz zur Erinnerung: 2005, 2006 und 2007 habe ich mich bereits in Südamerika aufgehalten und auch damals fleißig Reiseberichte geschrieben. Diese habe ich nun wieder ausgegraben und mit Staunen gelesen. In einer kleinen Serie präsentiere ich Euch die lustigsten und interessanten Stellen meiner damaligen Aufzeichnungen, füge meine heutige Meinung darüber hinzu und präsentiere Euch Vergleichsfotos “damals vs. heute”. Viel Spaß beim Lesen!

Bllick von Saqsaywaman auf Cusco, 2006

Blick von Saqsaywaman auf Cusco, 2014

18. Juni 2006 Über die Kriminalität in Lima

“Nach unserer Ankunft am Flughafen in Lima wurden wir zu einem Taxi begleitet. Wir mussten unseren Koffer in den Kofferraum legen und mit einer Decke zudecken, damit das Gepäck niemand sieht. Die Rucksäcke mussten wir auf den Boden hinter die Sitze stellen, damit sie ebenfalls nicht gesehen werden, und dann wurden die Türen fünffach verriegelt. Dabei hat uns der Taxifahrer so wertvolle Tipps gegeben wie “Lauft ja nicht mit dem Handy in der Hand durch die Straßen”. Ich hab mir nur gedacht “Oh Gott, wo bin ich hier gelandet”. Die Kriminalität in Lima scheint die Vorstellungskraft des Durchschnittsdeutschen zu übersteigen.”

[Es ist sehr interessant, das jetzt zu lesen! Diesmal gab es sichere Touristen-Taxis, so eine Art schwarze Limousinen. Da hat kein Mensch ein Trara um die Gepäcksicherheit gemacht. Aber ich vermute, dass diese Autos deutlich einbruchsicherer sind als die Klapperkisten von vor acht Jahren.]

18. Juni 2006 Über die Jugendherberge in Lima

“Die Jugendherberge war ein Schock. Wir schlafen in einem Zimmer, in dem drei Stockbetten stehen und in dem es sonst nichts gibt. Im einzigen Schrank liegen ungefähr 100 Bretter, also haben wir die restlichen vier Betten als Ablagen in Beschlag genommen. An der Decke befinden sich vier Neonröhren von denen drei nicht mehr gehen. Ich hatte außerdem den Eindruck dass die Hostelfrau, die uns das Zimmer gezeigt hat, erwartend zur Decke geschaut hat, als sie das Licht eingeschaltet hat, und sich gefreut hat, als es tatsächlich Licht gab. Ich befürchte, hier gibt es nicht immer Strom.

Saqsaywaman 2006

Saqsaywaman 2014

Dann das Bad. Sowas könnt ihr euch nicht vorstellen. Die Dusche hier ist ein Loch im Boden. Man muss ca. 1 Meter tief hinunterklettern (es gibt keine Stufen) und steht dann halb im Boden versunken in diesem brunnenartigen Loch. Der Duschkopf befindet sich dann meterweit über einem. Es ist im ganzen Land verboten, Klopapier ins Klo zu werfen (Klopapier hat allerdings sowieso Seltenheitswert). Man muss es in einen Eimer neben dem Klo werfen, sehr hygienisch. Ich also, gewohnheitsmässig, wollte mir gleich die Hände waschen, dreh den Hahn auf… und nichts passiert. Ich stand erstmal ewig vor dem Waschbecken, mit einem riesen Fragezeichen über dem Kopf, bis zufällig die Hostelfrau kam und so ganz beiläufig gesagt hat “übrigens, wir haben ein Problem mit dem Wasser”. Fazit: Es gab kein Wasser.”

[Auch wenn wir diesmal in Lima nicht diese Probleme hatten, so richtig viel verändert zu haben scheint sich in diesen Ländern ja nicht. Interessant finde ich meine Anmerkungen zum Klopapiereimer. Anscheinend habe ich die Existenz solcher Eimer sowas von verdrängt, dass ich diesmal erneut von ihrem Anblick überrascht war.]

22. Juni 2006 Über das Leben in Cusco

“Ich habe vergessen, zu erwähnen, dass die Läden hier keine Kühlschränke haben. Hier gibt es keine Supermärkte sondern nur Minimarkets und da steht die Butter neben allen anderen Produkten in einem ungekühlten Regal. Wurst und Käse gibt es überhaupt nicht. (…) Gestern haben wir eine Frau auf der Straße gesehen, die einen Eimer dabei hatte, in dem irgendein dunkelrotes Getränk war. Dann kam ein Man und wollte das Getränk kaufen. Die Frau hat daraufhin ein Glas aus ihrer Rocktasche gezaubert. Ich bin 100% sicher, dass das das einzige Glas war, das die Frau besitzt, und dass jeder Kunde das selbe Glas benutzen muss, ungeputzt.”

[Tja. Supermärkte gibt es in Cusco immer noch nicht. Aber Kühlschränke haben sich durchgesetzt, ebenso wie eine Sorte Käse (Gouda), abgepackt in Scheiben. Das Glas der Getränkeverkäuferin wurde durch Plastikbecher ersetzt, wobei wir auch hier vermutet haben, dass der ein oder andere Becher durchaus mehrmals verwendet wird. Wie damals natürlich: ungeputzt.]

Machu Picchu 2006

23. Juni 2006 Über den Zug nach Machu Picchu

“Um von Cusco nach Machu Picchu zu kommen, muss man einen Zug nehmen, da die Stadt 100 km entfernt im wahrsten Sinne des Wortes im Nichts liegt. Wir mussten schon um 5:20 aufstehen und haben den Zug nur noch auf den letzten Drücker erwischt. Der Zug war ungefähr von 1880, die einzelnen Waggons waren nicht miteinander verbunden, so dass man, wenn man den Waggon wechseln wollte außen über einen halben Meter Nichts hinweg von Waggon zu Waggon springen musste. In dem Zug gab es logischerweise keine Heizung und alles war zugig und undicht. Ich musste komischerweise die ganze Zeit an den Film “Titanic” und an die Bilder der “Armenklasse” dort denken, denn genauso hab ich mich gefühlt. Die Beinfreiheit war gleich null und der Zug hat geruckelt und gezuckelt und gequietscht so dass an Entspannung nicht zu denken war. […]

Machu Picchu 2014

Die Zugfahrt zurück war endlos… Eine Mexikanerin, die neben mir saß, hat erzählt, dass sie vor 7 Jahren schon mal in Machu Picchu war und da beim Lokwechsel ein Arbeiter zerquetscht wurde. Der Zug konnte daraufhin nicht mehr benutzt werden. Es gab aber nur zwei Züge, so dass sich alle Menschen in den einen verbliebenen Zug gedrängt haben. Laut der Mexikanerin sind die Menschen sogar durch die Fenster geklettert, so dass diese zerbrochen sind. Es hat in Strömen geregnet, und durch die zerbrochenen Fenster drang natürlich die ganze Zeit Wasser in die überfüllten Abteile. Es muss ein Alptraum gewesen sein…”

[Hier wurde mit dem unbezahlbar teuren Luxuszug jetzt natürlich Abhilfe geschaffen. Die Züge fahren mittlerweile auch ziemlich oft am Tag. Interessanterweise sahen die Züge damals von außen genauso aus. Ich frage mich, ob die nur innen auf Komfort getrimmt wurden, oder ob einfach neue Züge im gleichen Look angeschafft wurden.]

24. Juni 2006 Ohne Worte

“Ich muss gestehen, dass ich mittlerweile ziemlich genervt bin von Peru und dass ich mich echt drauf freue, bald wieder im geordneten Leben zu sein. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich in dieser einen Woche Deutschland zu schätzen gelernt habe. Sich essen kaufen zu können, egal wo, das Leitungswasser trinken zu können, nicht dauernd von Händlern auf der Straße genervt zu werden und nicht dauernd seine Handtasche festhalten zu müssen ist echt Luxus! So interessant die letzte Woche auch war und so gut mir Cusco auch gefallen hat, es wird Zeit dass wir abreisen. Obwohl ich heute schon 500x gesagt habe, dass das garantiert mein erster und letzter Peru-Aufenthalt war, ist das doch eine kleine Lüge, weil ich wohl nochmal herkommen werde, irgendwann, um mir die Linien von Nazca anzuschauen. Das muss einfach noch drin sein.”

[Ich bin maßlos überrascht. Wirklich, maßlos. Und gleichzeitig auch bestürzt. Entgegen meiner anscheinend 500-maligen Aussage (ich bin entsetzt über mich selbst – Peru hat mir total gut gefallen!) bin ich wiedergekommen. Und was habe ich nicht gesehen? Die Linien von Nazca…*]

 

* Ich hatte mich dagegen entschieden, dieses Highlight auf unserer Reise einzubauen, weil ich gelesen habe, dass die Flugzeuge, die über diese Linien fliegen, regelmäßig abstürzen und es ständig Tote gibt. Und auch grundsätzlich, auch wenn man es mir nicht glaubt: Ich fliege sehr, sehr ungern und vermeide es, sofern es möglich ist.

 

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