Viili & Sisu, oder: Helsinki, damals und heute ein Erlebnis

Ich drücke es auf meine gewohnt flapsige Art aus: Irgendwie hat anscheinend jedes Land eklige Milchprodukte. Ganz vorne dran natürlich die Mongolei mit ihrem gesalzenen Milchtee und den komischen “Kaubonbons” aus getrockneter Milch. In Island gibt es schier kein Entkommen vor Skyr, einer seltsamen Art von dickflüssigem Joghurt. [Neuerdings läuft auch im deutschen Fernsehen Werbung für Skyr. Ich bin gespannt, ob sich das durchsetzt oder in ein paar Wochen wieder aus den Supermarktregalen verschwindet.] Tja, und in Finnland gibt es Viili. Das ist Sauermilch, deren Konsistenz jegliche Belehrungen à la “Mit Essen spielt man nicht” zunichte macht. Mit dem schleimigen Zeug lange Fäden zu ziehen war 2005 schon cool. Zeit also, ein altes Foto auszugraben.

Bei dem einen alten Foto ist es nicht geblieben. Ich hab noch mehr entdeckt. Und zwar beispielsweise ein Bild von mir in der Kabine der “Superfast-Ferry”, mit der ich 2005 von Rostock nach Helsinki gefahren bin. Anscheinend hatte ich im Supermarkt an Bord “Sisu” entdeckt, jene Salmiak-Pastillen mit großem Suchtfaktor. Die Schachtel Sisu-Salmiakki halte ich auf dem Foto in die Höhe. Auch Sisu ist zehn Jahre später immer noch genauso genial wie 2005. Was allerdings weniger genial ist – man sehe selbst – ist die Kabine auf dem Schiff. 2005: Spiegel an der Wand, roter Teppichboden, halbwegs ansehnliche Möbel. 2015: Gefängnisszellen-Flair. Klar, das war nicht das gleiche Schiff, aber die Superfast-Ferry war damals mehr eine Fähre für LKW-Fahrer und weniger für Touristen. Vielleicht wollte man den LKW-Fahrern einfach mal ein bisschen wohnliches Ambiente gönnen, wenn sie doch ihr halbes Leben in einer ungemütlichen Fahrzeugkabine verbringen müssen.

Interessant ist auch ein Foto von meinem ersten Blick auf den Hafen in Helsinki. Der war damals (Ende März 2005) nämlich zugefroren.

Und, ich habe noch etwas entdeckt: Lars hat einen Schnappschuss von einer Verkäuferin gemacht, die auf einem Boot im Hafen von Helsinki Fische verkauft. “Moment mal”, dachte ich, “die Dame kenn ich doch!”. Und tatsächlich: 2009 habe ich ein ähnliches Foto gemacht. Darauf ist eben jene Fischverkäuferin. Was das wohl für ein Leben ist, tagein tagaus im Hafen von Helsinki Fisch zu verkaufen?

Die folgenden Fotos sind von unserer aktuellen Reise. Acht schöne Impressionen, die gleich Lust draufmachen, sich wieder in ein großes Schiff zu setzen und nach Helsinki zu fahren. So eine schöne Stadt. Seufz.

P.S. Irgendlink ist am Nordkap angekommen. Nach 4.463 Kilometern Radfahrt. Lars und ich haben (in Gedanken) mitgefeiert. Was für eine Leistung!

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