Oh je, oh je: Vier um die Welt – Mit Kindern um den Globus

Klick führt zu Amazon

Nein, dieser Blog ist nicht dazu da, um irgendetwas niederzumachen. Aber manchmal muss es einfach sein. Zum Beispiel dann, wenn es um von Spiegel Online gehypte Schrottbücher geht. “Vier um die Welt – Vom Abenteuer, mit Kindern rund um den Globus zu reisen” heißt ein Buch von Alexandra Frank. Sie ist Journalistin und schreibt – ihr habt es erraten – für Spiegel Online. Ihr Buch ist mir so dermaßen oft über den Weg gelaufen, dass ich es mir am Ende gekauft habe. Tja. Reingefallen halt.

“Vier um die Welt” handelt von eine Weltreise mit zwei kleinen Kindern, vier Jahre und sechs Monate alt. Ein halbes Jahr Zeit nimmt sich Alexandra Franks Familie um von Südamerika über Neuseeland nach Australien und Singapur zu reisen. Ganz “hervorragend” würde das gehen (Spiegel Online), “ganz wunderbar” hätte diese Reise geklappt (Klappentext auf Buchrücken).

Schon ungefähr auf Seite 4 wundert man sich, warum Ehemann und Kinder denn keine Namen haben. Es gibt nur “mein Mann”, “das Kind”, “das Baby” – und das hält die Autorin tatsächlich bis zur letzten Seite durch. Vielleicht lustig gemeint, aber befremdlich für den Leser. Und dann folgt auf 250 Seiten die, nun ja, ich drücke es mal vorsichtig aus, geballte Abschreckung. Mantraartig wiederholt die Autorin, dass die Familie 24 Stunden täglich aufeinanderhockt, die Zweisamkeit der Eltern gegen minus unendlich geht und die beste Lösung für dieses Dilemma ist, sich möglichst ebenfalls 24 Stunden täglich mit Familien mit anderen Kindern zu umgeben. Untermauert wird das ganze durch die häufige Erwähnung der nicht verschwinden wollenden Schwangerschaftskilos der Autorin. Warum genau Alexandra Frank sich eigentlich auf diese Reise begeben hat, und was eigentlich der Mehrwert der ganzen Aktion war, wird bis zu letzten Seite nicht klar.

Der Gipfel war für mich erreicht, als Alexandra Frank schreibt, dass ihrem Mann in Buenos Aires hinten die Hosentaschen aufgeschlitzt wurden. Der Dieb ging aber leer aus, da “mein Mann” selbstverständlich nicht so blöd ist, wichtige Dokumente in der Hosentasche aufzubewahren. Wo die Familie die wichtigen Dokumente untergebracht hat, erfährt der Leser einige Seiten später. Nämlich nicht sicher am Körper, sondern im Rucksack. Und der wird an einer Tankstelle in Chile geklaut. Wobei – und das macht die ganze Sache gleich nochmal schlimmer – Alexandra Frank und ihr Mann sich nach dem Diebstahl zunächst nicht einmal sicher sind, ob die Dokumente tatsächlich in dem Rucksack waren, oder ob sie sie nicht woanders hingepackt haben. Dass man mit zwei kleinen Kindern in Südamerika rumgurkt und a) keinen festen Platz für die Dokumente hat, b) keine Ahnung hat, wo sich die Dokumente gerade befinden und c) die Dokumente nicht am Körper trägt, bringt mich regelrecht zur Weißglut.

Schon fast schade eigentlich, dass ich überhaupt darüber berichte. Schlechte Presse sorgt ja bekanntlich auch für Aufmerksamkeit. Deshalb höre ich jetzt auch auf und sage: Es gibt wahrlich bessere Bücher. Eigentlich so ziemlich alle.

Alexandra Frank / Vier um die Welt: Vom Abenteuer, mit Kindern rund um den Globus zu reisen
Goldmann Verlag /Erscheinungsdatum: 16. Februar 2015 / 256 Seiten / ISBN: 978-3442158362 / 8,99 Euro

4 Kommentare

  1. Das ist mal eine schöne Buchkritik! Da ich mit meinen Sohn Patrick schon seit 4 Jahren reise und mittlerweile in Nanjing (China) angekommen sind, kann ich über so viel Naivität, wie in diesem Buch geschrieben, wirklich nur noch den Kopf schütteln. Ich freue mich, dass ich Deinen Artikel gelesen habe, sonst hätte ich das Buch womöglich allein wegen des Titels auch gekauft und mich nachher geärgert. Weiter so, Euer Blog ist Klasse!

    • Hey Dirk,
      vielen Dank für Dein Feedback, das hat mich sehr gefreut!
      Dass Du mir Deinem Sohn reist, finde ich klasse, hab schon öfter einen Blick auf Deinen Blog geworfen!
      Ich wünsche Euch weiterhin mega viel Spaß – vielleicht gibt’s von Dir ja auch irgendwann ein Buch…
      Liebe Grüße,
      Suzy

  2. Auf der Suche nach Meinungen über das Buch bin ich auf deinen Kommentar gestoßen. Sehr ehrlich und hilfreich. Danke dafür. Ich denke, dass ich mir lieber ein anderes Buch kaufe. LG aus Obermais und freue mich weiter durchzustöbern 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.