Verreißen oder verreisen? – Das Dilemma eines Rezensenten

Klar, logisch. Ich verreise natürlich auch lieber als dass ich (jemanden) verreiße. Trotzdem stehe ich gerade vor einem moralischen Dilemma. Ein wesentlicher Bestandteil auf diesem Blog ist ja die Vorstellung von Reisebüchern, die mir gut gefallen haben oder in besonderer Weise erwähnenswert sind. Tatsächlich lese ich jedoch viel mehr Reiseberichte als die, die ich hier auf diesem Blog vorstelle. Und jedes Mal, wenn ich ein Buch NICHT erwähne, frage ich mich, ob das so in Ordnung ist.

Zum einen empfinde ich mich als unglaubwürdig, wenn ich nahezu jedes Buch hier in den höchsten Tönen lobe. Zum anderen macht einen guten Rezensenten vermutlich aus, dass er auch mal eine negative Kritik schreibt.

Manchmal sind Bücher (oder auch Filme/Vorträge) so schlecht, dass ich mich schier persönlich angegriffen fühle. Dann fällt es mir nicht schwer, auch mal eine etwas ärgerliche Kritik zu schreiben (ich erinnere an den grauenhaften Reisebericht Vier um die Welt). Aber, es gibt eben auch das oben erwähnte moralische Dilemma: Manchmal, da hat sich jemand wirklich viel Mühe gegeben, und liebevoll ein Buch/einen Film/einen Vortrag auf die Beine gestellt – und es war meiner Meinung nach trotzdem ein Griff ins Klo.

Wie geht man damit um? Ich möchte hier natürlich niemanden verreißen oder für negative Publicity sorgen. Über Bücher/Filme/Vorträge, die mir nicht gefallen, trotzdem eine gute Rezension zu schreiben, kommt natürlich auf keinen Fall in Frage. Aber “Missgriffe” einfach unerwähnt zu lassen erscheint mir auch nicht richtig. Ich möchte objektiv berichten – und dazu gehört auch mal ein negatives Wort. Und letztenendes geben die Rezensionen auf diesem Blog ja auch nur meine Meinung wider – eine unter vielen. Deshalb wird’s hier zukünftig mehr “Nicht-Empfehlungen” geben als bisher. Ein ganzer Stapel davon liegt schon neben mir.

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