Die Sache mit der Sicherheit… (Erkenntnisse einer Reise, Teil 3)

Wenn man abends in Paraguay am Flughafen steht und solche Plakate wie das hier auf der linken Seite betrachtet, da wird einem schon ein bisschen anders. Es sind führende Drogenbosse, die hier gesucht werden. Noch “anderster” wird einem allerdings, wenn man an anderen Stellen ganze Wände voller verzweifelter Suchanzeigen sieht, für Familienangehörige, die verschwunden sind. Es sind vor allem Jugendliche, Frauen, Kinder, Jungs, manchmal auch gleich mehrere Geschwister, die einfach weg sind. Am Flughafen von Iguazú in Argentinien hingen vor dem Boarding-Gate ungefähr hundert DinA4-Ausdrucke mit Name, Foto, Alter und sonstigen Informationen über die verschwundene Person. Man fängt unwillkürlich an, sich zu fragen, was wohl passiert ist. Wohin diese Menschen verschwunden sind. Ob sie noch leben.

Gleichzeitig sieht man in allen Ländern Südamerikas “Stopp-dem-Menschenhandel”-Plakate. Und in den Toiletten am Flughafen sind überall Notrufnummern angebracht, falls man sich gerade in einer solchen Situation befindet und Hilfe braucht.

Wie kann es also sein, dass wir in einem Auto mit rundum verdunkelten Scheiben durch den Drive-Through-Passabstempel-Schalter fahren und niemand kontrolliert, wer wirklich im Auto sitzt? Es war der Taxifahrer, der unsere Pässe ausgehändigt hat und zwei Minuten später waren wir nicht mehr in Argentinien, sondern in Brasilien. Niemand konnte sehen, wer hinten auf der Rückbank sitzt, ob unsere Pässe wirklich uns gehören und ob wir nicht im Kofferaum auch noch andere Menschen dabei haben. Ähnlich war es bei allen anderen Grenzübergängen. Wie kann es sein, dass zwischen Peru und Bolivien zwar unsere Pässe, aber nicht der Bus kontrolliert wurde? Und auch zwischen Bolivien und Chile wäre es ein Leichtes gewesen, noch den ein oder anderen zusätzlichen Passagier mit rüberzuschmuggeln. Der absurde Wahnsinn Südamerikas: Lassen wir die Grenzkontrollen wie sie sind, aber investieren wir mal ein bisschen in Plakate.

Das gleiche Feeling von Absurdität hatte ich bei jedem einzelnen Security-Check an südamerikanischen Flughäfen. Egal ob auf Inlands- oder Auslandsflügen, man konnte Flüssigkeiten in Unmengen mitnehmen. Man musste beim “Durchleuchten” seine Jacke nicht ausziehen, Elektrogeräte nicht auspacken, und irgendwann habe ich mir nicht mal mehr die Mühe gemacht, den Geldgürtel abzunehmen. Gepiepst habe ich sowieso nie, auf keinem einzigen unserer 20 Flüge!!! Interessant war, dass mich der Security-Mensch in Buenos Aires bei unserem allerletzten Flug, zurück nach Deutschland, gefragt hat, was ich ganz unten im Rucksack habe. Ich hatte mir eine DVD gekauft; auf diese hatte er angespielt. Ich sage also wahrheitsgemäß “eine DVD”, er sagt “OK” und winkt mich durch. Ich hatte das Gefühl, er hätte das besser abchecken sollen. Was, wenn ich gelogen hätte?

Während unserer Reise empfand ich die “Sicherheitsvorkehrungen” an Flughäfen und Grenzen zu einem großen Teil als Farce. Man gaukelte uns Sicherheit vor, die in Wahrheit jedoch kaum vorhanden war. Für uns waren diese Art von Grenz- und Sicherheitskontrollen natürlich praktisch. Wir kamen unproblematisch von A nach B, und am Flughafen ist es heutzutage echter Luxus wenn man mit der Wasserflasche in der Hand, dem Laptop im Rucksack und dem Kosmektikbeutel im Handgepäck einfach durch den Security-Check latscht. Aber auf der anderen Seite fragt man sich schon, ob irgendwer überhaupt ein Interesse daran hat, bei diesen Kontrollen irgendwas zu finden. Oder irgendwen zu finden!

 

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