Wie alles begann… (Noch 3 Tage)

Lieblingsland Island

Ich habe ein Backup meines Handys gemacht. Ich habe meine blaue Windjacke eingepackt, sorgfältig noch einmal jeden Gegenstand meines Handgepäcks überprüft und schließlich die Klappe meines Rucksacks einrasten lassen. 16 kg Gepäck, aufgeteilt auf Rucksack, Daypack und Handtasche. Es kann losgehen. Bepackt wie ein mongolisches Kamel werde ich gen Osten aufbrechen. Die Aufregung der letzten Tage hat sich gelegt. An ihre Stelle ist ein bisschen Wehmut getreten, ein Gefühl der Unfassbarkeit, dass das, was man so lange herbeigesehnt hat, nun unmittelbar bevorsteht.

Es ist bestimmt 1,5 Jahre her, da saßen Lars und ich in seiner Münchner Wohnung bei einem unserer endlosen Frühstücke, die ich so gerne mag. Unvermittelt erzählte ich ihm von meinem Traum (Wunsch, Notwendigkeit?), den ich seit meiner Rückkehr aus Chile im Jahr 2006 mit mir herumtrug: Noch einmal mehrere Monate Auszeit. Durch die Welt reisen, den Horizont erweitern. Frei sein. Lars sagte unumwunden ja. Wir gaben uns die Hand und schlugen ein. Die Sache war besiegelt. Irgendwann würden wir das machen, zusammen.

Letzten Herbst fing diese Idee (unser Pakt!) plötzlich an zu wachsen, bis sie nicht mehr wegzuschieben war aus unseren Köpfen. Wir standen stundenlang vor meiner riesigen Weltkarte, dachten uns Reiseziele aus, überprüften Routen und Klima und sinnierten über das Was-wäre-wenn. Am Silvesterabend schließlich, in Paris, als das Jahr 2014 eingeläutet wurde, wusste ich definitiv, dass wir es machen würden. Dass wir 2014 mit Abenteuern, Stärke, Erfahrungen und Erlebnissen füllen und uns 24 Stunden am Tag lebendig fühlen würden. Ich erinnere mich, wie wir im Bett lagen und diskutierten, Tage und Geld zählten, und überlegten wie wir mit unseren Arbeitgebern verhandeln würden. Wie ich endlich mein nebenberufliches BWL-Studium beendete und damit eine weitere Tür öffnete in Richtung Auszeit. Und wie ich schließlich den ganz großen Schritt ging und meinen Job an den Nagel hängte. Und danach in mich hineinhorchte, ob dieser Schritt wohl falsch war. Keine Sekunde lang hat es sich bisher falsch angefühlt. Es folgten Wochen, in denen unsere Route immer mehr Gestalt annahm, in denen wir uns täglich stundenlang mit Flugzeiten, Busverbindungen, Unterkünften und unserem Reisebudget beschäftigten. In denen wir Ausrüstungsgegenstände kauften und uns mit den Reaktionen unserer Umwelt auseinandersetzten. Es scheint nur zwei Arten von Reaktionen zu geben: Die einen können unsere Sehnsucht nachempfinden, sie sind begeistert, möchten mehr wissen, und am liebsten mitkommen. Die anderen halten unsere Reise für unangemessen, und betrachten sie als hinderlich für das, was sie Zukunft nennen. Die Zukunft aber ist längst da! Das Leben spielt sich jetzt ab, und nicht eines fernen Tages, während das Heute unbeachtet vorbeizieht.

Es steckt wahnsinnig viel Arbeit in einer solchen Reise, bevor es endlich losgehen kann. Aber jetzt gibt es auf einmal nichts mehr zu tun. Jetzt heißt es warten. Auf Sonntag.

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