Am Titicacasee (Puno, Peru)

Inzwischen haben wir uns nach Puno, auf der peruanischen Seite des Titicacasees, vorgearbeitet. Von hier aus werden wir übermorgen per Landweg nach Bolivien einreisen (wie aufregend!!!!). Eine unerwartet angenehme 11-stündige Busfahrt, in der wir sage und schreibe 400km zurückgelegt haben, hat uns hierher gebracht (ok, es gab auch einige Sightseeing-Stops). Der Eindruck, den wir vom Busfenster aus vom dörflichen Leben in Peru bekommen haben, hat uns allerdings ziemlich geschockt.

Die Menschen wohnen in Lehmbaracken, teilweise mit Wellblächdächern. Die Dörfer, in denen überall blaue Plumpsklos an den Rändern der ungeteerten Straßen stehen, scheinen noch die besseren zu sein, andere haben vermutlich überhaupt keinen Zugang zu Toiletten. Die Landschaft ist kalt, staubig und trocken, Autos gibt es so gut wie keine, und es scheint nichts ungewöhnliches zu sein, seine Kleidung im Fluss zu waschen. Negativer Höhepunkt dieser Demonstration von Armut war schließlich die 220.000-Einwohner-Stadt Juliaca, in der sich unser Bus ruckelnd und schaukelnd durch lehmige, mit Schlaglöchern gespickte Straßen gequält hat, vorbei an Baracken und Ruinen. Wir konnten kaum glauben, dass es in der Touristenhochburg Peru solche Städte gibt.

Puno selbst hat 118.000 Einwohner, liegt auf 3.800 Metern und ist irgendwie total verrückt. Die engen Straßen quellen über vor Menschen, Händlern, Marktständen, Autos, Fahrrad-Rikschas und lustigen, dreirädrigen Taxis, und überall ist Panflötenmusik zu hören. Da wir nun nicht mehr im Quechua-, sondern im Aymara-Land sind, sehen die Menschen anders aus. Noch dunkler, mit runderen Gesichtern. Und die Armut ist hier, im Vergleich zu den Städten, die wir bislang besucht haben, viel deutlicher spürbar. Alle Gebäude sind schäbig und heruntergekommen, die Kabel über den Straßen haben Hochkonjunktur, es sind viele Bettler unterwegs und ein Großteil der Bevölkerung scheint nichts zu tun zu haben und den Tag irgendwie in den Straßen zu verbringen. Ich hatte erwartet, dass Puno viel touristischer ist, und bin über dieses “ursprüngliche” angenehm überrascht.

Nicht überrascht hat uns die Tatsache, dass es heute nach dem Frühstück auf einmal kein (Leitungs-)Wasser mehr gab. Dieses Phänomen begleitet uns seit einigen Tagen und ist mal mehr und mal weniger nervig. An unserem letzten Tag in Cusco fiel das Wasser aus, als ich gerade unter die Dusche steigen wollte – lästig, aber auszuhalten. Schlimmer war es gestern auf der Bustour als wir, zeitgleich mit mindestens 5 anderen Bussen, zum Mittagessen gekarrt wurden und dort das Wasser alle war. Die Klospülungen funktionieren dann nämlich logischerweise auch nicht mehr. Hier in Puno ist das Wasserproblem laut Zimmermädchen an der Tagesordnung. Naja, wir haben genug Feuchttücher dabei um zumindest für eine Hand-Hygiene sorgen zu können.

Den Tag heute haben wir damit verbracht, Puno zu erkunden. Neben dem Leben in den Straßen war ein abgefahrener Großmarkt der Höhepunkt – vor allem die Abteilung Fleisch, das wiedermal ungekühlt bergeweise dargeboten wurde. Beim mittäglichen Alpaca-Steak, medium gebraten, habe ich gehofft, dass es vorher nicht schon ein paar Stunden auf diesem Markt vor sich hingegammelt hatte.

Interessant war außerdem das Ufer des Titicacasees (der übrigens fast 16x so groß ist wie der Bodensee!). Man darf nämlich nicht davon ausgehen, dass das Stadtzentrum direkt am See liegt. Nein, ein ungefähr 20-minütiger Fußmarsch, den anscheinend kaum andere Touristen auf sich nehmen, ist nötig, bis man ans Ufer gelangt. Dabei sieht man immer wieder Menschen, die ohne Scheu einfach in die Straße pinkeln (oder andere Geschäfte verrichten…) was extrem befremdlich ist. Seltsam sind beim Laufen übrigens stets auch die extrem hohen Bordsteinkanten (ca. 40cm), ein einziges Hoch- und Runtergehüpfe. Auf der Straße zum See ist die lokale Kloake am Straßenrand entlang geflossen und wurde dann direkt in den See geleitet, weshalb die (hässliche) Uferpromenade geruchstechnisch schier nicht zu ertragen war. Neben einem halbwegs schönen Seepanorama weit weg hinter der Kloake gab es an dieser Uferpromenade rein gar nichts zu sehen. Schon ein bisschen enttäuschend, dass so eine Stadt gar nichts aus ihrer fantastischen Lage am See macht.

Morgen werden wir uns dann auf den See begeben und die “Islas Flotantes”, die schwimmenden Inseln von Uros, besuchen. Das Ganze soll ein riesiger Touristen-Nepp sein, aber ich wollte diese Inseln schon immer mal sehen. Gerade liegen wir eingekuschelt unter 4 Wolldecken im Bett (auch dieses Hotel hat keine Heizung und außen hat es nachts Minusgrade) und freuen uns auf diesen neuen spannenden Tag!!!

 

3 Kommentare

  1. Seit mal nicht so spießig, wer braucht schon ne Kühlkette – geht doch auch so 😀
    Die Frage ob ihr im See schwimmen wart hat sich glaube ich erübrigt… ;P

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