Länder-Hopping Nr. 3: Paraguay – Brasilien

Wir sitzen gerade in unserem Hotel in Foz do Iguacu, Brasilien, und bereiten uns auf den nächsten Grenzübertritt – nach Argentinien – vor. Ich fühle mich gerade ganz wahnsinnig sauber, denn dieses Hotel hier (das 30. auf unserer Reise), ist das einzige, dessen Handtücher bei 90 Grad waschbar sind. In allen anderen Hotels war es 30 Grad oder gar nur Handwäsche. Hier kann man also auch mal seine Brille mit dem Handtuch saubermachen ohne danach eine so dicke Fettschicht auf den Gläsern zu haben, dass man sie zwei Wochen lang nicht mehr los wird.

Natürlich gibt es wieder einige interessante Dinge zu berichten, weshalb wir uns schon jetzt zu Wort melden. Wie geplant haben wir gestern noch dem Friedhof in Asunción einen Besuch abgestattet. Auch dort liegen die Toten in kleinen Mausoleen. Diese unterscheiden sich aber von denen, die wir im restlichen Südamerika zu Gesicht bekommen haben. In Asunción sind die Mausoleen eher kleinen Reihenhäuschen nachempfunden, mit einer Eingangstür und einem Fenster. Informationen über den Toten wie Name, Geburtsdatum usw. sucht man vergeblich. Der ganze Friedhof ist in einem desolaten Zustand, quasi eine einzige Bruchbude, mit herumliegenden Scherben, Müll, Mauerstücken und Grusel-Flair.

Nachdem wir ausgiebig fotografiert hatten, kam auf einmal ein (selbst ernannter?) Aufseher zu uns her und hat uns gefragt, ob wir denn Fotos machen wollen. Pflichtbewusst haben wir diese Frage bejaht, woraufhin er behauptet hat, dass wir am Eingang eine Fotolizenz kaufen müssen, dann würde uns jemand begleiten und wir dürften von ausgewählten Gräbern Fotos machen. Uns war völlig klar, dass der Typ nur darauf aus war, irgendwie Geld in seine eigenen Taschen zu stopfen. Leider wurden wir ihn aber auch nicht mehr los. In Erwartung auf gutes Geld hat er uns wachhundartig bis zum Ausgang begleitet, wo wir fluchtartig den Friedhof verlassen haben – aber nur, um uns in einem Slum wiederzufinden. Es war einfach ein ganzer Straßenzug neben dem Friedhof mit Holzhütten besetzt worden, diesmal allerdings ohne Dixieklos. Nur wenige Meter weiter stand dann aber wieder ein Prachtbau mit BMW davor. Vermutlich bedingt durch’s Wochende waren in diesem Slum sehr viele Menschen zugange, was uns nicht geheuer war. Wir haben lieber schnell die Flucht ergriffen, in Richtung Innenstadt.

Dort hat sich der Lars erstmal in einem Adidas-Laden neue Schuhe gekauft, da seine alten, aber noch guten, Schuhe irgendwie gedrückt haben. 200 Meter weiter befand sich der Slum vor dem Regierungsgebäude. Ich weiß nicht, wie andere Menschen denken, aber ich bin unfähig, gute Schuhe einfach in den Müll zu werfen, wenn 200 Meter weiter Menschen nichts zu essen haben. Wir also mit den Schuhen in der Hand auf zum Slum. Dann blieb nur die Frage, wie wir jetzt eigentlich die Schuhe an den Mann bringen. Unschlüssig sind wir also mit den Schuhen um die Hütten herumgetänzelt, als auf einmal drei Polizisten in einem Pickup angerauscht kamen und mit einem halben Herzinfarkt aus dem Auto sprangen. Was wir denn da machen, wir sind ja wahnsinnig. (Zur Erinnerung: Wir standen ungefähr 30 Meter und gut sichtbar vom Regierungspalast entfernt!). Wir haben also die Schuh-Thematik erklärt, was auch bei den Polizisten zunächst für Ratlosigkeit gesorgt hat. Man sollte genau überlegen, wem man was gibt, weil die meisten Slumbewohner alles einfach nur gegen Drogen eintauschen würden. (Wir vermuten, das sind die mit den Satellitenschüsseln auf der Hütte. Der Slumbewohner, mit dem wir uns unterhalten hatten, hatte garantiert nichts, das er irgendwie gegen Drogen hätte eintauschen können). Selbst in Polizeibegleitung tiefer in den Slum reinzugehen stand anscheinend außer Frage, man würde uns in nullkommanichts ausrauben. (Ich schiebe diesen Hinweis in die Kategorie “Allgemeine Sicherheitswarnungen von Fremden”. Ihr wisst Bescheid!). Am Ende haben wir uns drauf geeinigt, dass die Polizisten die Schuhe in eine Kleiderkammer bringen. Ich hoffe, das haben sie auch wirklich getan.

Dann hieß es leider schon “Byebye Asunción”. Mit dem Flugzeug ging’s zurück nach Ciudad del Este (immer noch Paraguay), von wo aus wir mit dem Taxi nach Brasilien rüberfahren wollten. Es ist seltsam – während mich daheim permanent alles stresst und ich mir non stop über Gott und die Welt Sorgen machen, fehlt mir hier das Angst- und Stress-Gen ja komplett. Nur gestern, da war ich eines der wenigen Male auf dieser Reise total aufgeregt. Es fing schon damit an, dass wir nicht wussten, wie viel die Taxifahrt kosten sollte. Wir hatten zwar alle möglichen Währungen (Euro, Dollar, Pesos, Guaraní), aber nichts in ausreichender Menge. Zweitens hatten wir beobachtet, dass andere Reisende für Paraguay eine Einreisekarte bekommen hatten, wir aber nicht. Wir hatten deshalb Angst, dass die Grenzer uns absichtlich keine gegeben hatten, um uns bei der Ausreise eine Strafgebühr abzuknöpfen. Drittens soll Autofahren nachts in Ciudad del Este gefährlich sein. Viertens hatten wir Angst, dass wir überhaupt kein Taxi bekommen, weil ja nur ungefähr ein Flugzeug pro Tag in Ciudad del Este landet und dann halt nicht hunderte von Taxis außen warten. Nachdem sich der Flughafen 30km außerhalb von Ciudad del Este in der Pampa befindet, ist es nicht schön nachts dort zu stranden. Und fünftens hatten wir ein bisschen Panik dass der Taxifahrer, während wir uns an der Grenze um Aus- und Einreise kümmern, einfach mit unserem gesamten Gepäck davonfährt. Lauter Unwägbarkeiten also. Ich war gestresst.

Irgendjemand hatte uns gesagt, dass wir bereits am Flughafen in Ciudad del Este aus Paraguay ausreisen könnten, was uns später auf der Taxifahrt Zeit und Stress ersparen würde. Also haben wir uns dort erstmal an eine Polizistin gewandt, die gleich nach der Einreisekarte gefragt hat. Die wir ja nicht hatten. Mitleidig hat sie uns mitgeteilt, dass wir dann wohl oder übel eine Strafe bezahlen müssten. Wir waren echt sauer. Wir haben dann verlangt, mit jemandem von der Migrationsbehörde zu sprechen, was bedeutet hat, dass wir zurück zur Gepäckausgabe mussten. Unter Polizeibegleitung durften wir da wieder rein. Der Typ von der Migrationsbehörde hat uns dann erklärt, dass wir nur eine Einreisekarte bräuchten, wenn wir mit dem Flugzeug das Land betreten hätten, aber wir kamen ja über Land. Das soll mal einer verstehen!!!! Die Ausreise konnten wir trotzdem nicht machen, sondern erst an der “richtigen” Grenze.

Wir sind dann also zum Taxistand, haben mit dem Taxifahrer ausgemacht, dass wir in Guaraní und Dollars bezahlen und sind aufgebrochen in Richtung Brasilien. Im Taxi hat es brutal nach Haschisch gerochen, aber immerhin ist der Taxifahrer für einen Paraguayer recht anständig gefahren. (Kleiner Exkurs: Die Autofahrer in Paraguay toppen die aus Bolivien noch bei Weitem! Bei einer Kamikaze-Taxifahrt in Asunción hat der Lars glatt mit seinen Fäusten gegen den Fahrersitz getrommelt und den Taxifahrer angebrüllt. Sich dort in ein Auto zu setzen ist wirklich lebensgefährlich, zumal die Taxis alle in einem abenteuerlichen Zustand sind und man sich natürlich nie anschnallen kann). Die Ausreise aus Paraguay war unkompliziert (und der Taxifahrer ist auch nicht mit unserem Gepäck abgehauen), danach ging’s zur Brasilianischen Grenzbehörde. Nur die hatte leider zu. Zumindest auf dieser Straßenseite. Wir mussten dann auf die andere Straßenseite der viersspurigen “Brücke der Freundschaft”, und eine dunkle Treppe hinunter auf der allerhand seltsame Gestalten rumstanden (die ebenfalls Haschisch geraucht haben). Da wurde einem schon ein bisschen anders. Aber auch hier haben wir unseren Stempel in den Pass bekommen.

Unmittelbar hinter der Grenze ist der Taxifahrer dann auf einmal in eine komische, dunkle Seitenstraße mit Kopfsteinpflaster eingebogen, in der schon ein anderes paraguayisches Auto stand. Ich hab mich innerlich schon darauf vorbereitet, jetzt meinen Rucksack zu nehmen, aus dem Auto zu springen und zu rennen… Zum Glück hat sich aber rausgestellt, dass der Taxifahrer sich einfach in Foz do Iguacu überhaupt nicht auskannte und sich komplett verfahren hatte!!! Wir haben dann Passanten gefragt und ich habe zusätzlich mit meinem Handy gelotst (Google Maps funktioniert neuerdings auch offline mit GPS!) und am Ende sind wir hier in unserem Hotel angekommen. Was für eine Erleichterung!

Heute Nachmittag geht’s dann mit dem Taxi noch über die Grenze nach Argentinien zum Flughafen und dann weiter nach Buenos Aires. Dort werden wir dann unsere letze Reise-in-der-Reise planen: Wir wollen noch Montevideo in Uruguay einen Besuch abstatten…

 

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