In der Nussschale über den Ozean (Galápagos-Kreuzfahrt)


Nach acht Tagen der Internet-Abstinenz melden wir uns glücklich und zufrieden zurück; gerade sind wir auf dem Weg nach Lima in Peru (zu erreichen über drei Flüge: Galápagos – Guayaquil, Guayaquil – Quito, Quito – Lima. Die Reise wird also den ganzen Tag dauern, die ersten beiden Flüge haben wir schon hinter uns).

Unsere supergeniale Galápagos-Kreuzfahrt ist leider schon vorbei – ich vergebe 10 von 10 möglichen Punkten.

Bei dem Wort Kreuzfahrt denkt man normalerweise an Hurtigruten, ans Traumschiff oder an die Queen Mary. Unsere Kreuzfahrt war eine etwas andere Kategorie. Eher so die Kategorie Nusschale: klein und schaukelig, aber fein. Unser Schiff „Eden“ hatte 8 Kabinen für Passagiere (jeweils mit eigenem Bad), die nicht nur alle unterschiedlich, sondern auch mit verschiedenen Vor- und Nachteilen gesegnet waren. Ebenso gab es einen Gemeinschaftsraum, zwei Sonnendecks und natürlich die Unterkünfte für die Crew (6 ecuadorianische Männer). Wir haben eine Kabine unten (also tatsächlich unter Wasser) bekommen, mit zwei Einzelbetten (andere mussten sich zu zweit ein 1,20m Bett teilen oder im Stockbett schlafen) und einem großen Schrank (andere hatten gar nichts, um ihr Hab und Gut zu verstauen). Der Preis für Schlafkomfort und Stauraum war die Tatsache, dass unsere Kabine nur zwei Fensterschlitze hatte, die sich natürlich nicht öffnen ließen (die Klimaanlage sorgte dafür für Gefrierschrank-Feeling), und sie zudem noch neben dem Maschinenraum lag, was für atemberaubende Lautstärke gesorgt hat. Selbst wenn der Schiffsmotor nicht lief, lief ständig der Stromgenerator, so dass wir uns im Bad nur schreiend verständigen konnten. Nachts war das dann ungefähr so, als würde man neben einem Presslufthammer schlafen.

Ein weiterer Vorteil unserer Unterwasserkabine allerdings war, dass das Schwanken des Schiffes dort etwas erträglicher war, als auf den beiden höheren Etagen – und das Schwanken war wirklich enorm. Unsere Fortbewegung glich teilweise einer Achterbahnfahrt durch den Ozean, die ich anfangs nur in Fahrtrichtung liegend überstanden habe. Bei mir hat es volle vier Tage gedauert, bis ich mich an das Gewackle gewöhnt habe, und in diesen vier Tagen habe ich nicht selten zum Anti-Seekrankheitskaugummi gegriffen (das Zeug heißt Superpep und ist der absolute Geheimtipp – wirkt innerhalb von 5 Sekunden. Kann ich echt empfehlen). Das Schlimmste in dieser Zeit war aber, dass man an Land auch permanent das Gefühl hatte, dass es schwankt, so dass es über mehrere Tage überhaupt keinen Ort gab, an dem man mal festen Boden unter den Füßen hatte. Hat man sich dann aber mal an das Geschaukel gewöhnt, ist das Rumschippern einfach nur noch genial und selbst ein abendliches Bier ist kein Problem mehr. Insgesamt hat mir das Leben an Bord wirklich mega gut gefallen. Sehr gemütlich und man konnte immer schön rausschauen und die vorbeiziehende Landschaft sowie die vielen Vögel, die unser Schiff stets begleitet haben, bewundern. Nervig war lediglich die Tatsache, dass wir nur einmal, nach zwei Tagen, frische Handtücher bekommen haben und von dem salzigen Wasser immer alles ganz furchtbar geklebt hat. Geduscht wurde sich übrigens mit aufbereitetem Meerwasser, das Schiff hatte eine Entsalzungslage an Bord. Das Wasser wurde einem auch als Trinkwasser vorgesetzt. Ich fand, es hat eklig gerochen, war aber total geschmacksneutral.

Unsere Gruppe war ebenfalls ziemlich cool – außer uns waren 6 Holländer an Bord, zwei schwule Franzosen, ein Paar aus Singapur, eines aus Irland und zwei supernette Österreicher, mit denen wir ziemlich viel Zeit verbrachten (Grüße, falls ihr das jetzt lest!). Interessant ist, dass sich trotzdem nicht so sehr das „Reisegruppen-Feeling“ eingestellt hat. Obwohl das Schiff klein war, konnte man sich gut aus dem Weg gehen und man hatte viel Zeit für sich, fernab der Gruppe. Lediglich am dritten Tag, als die Crew gewechselt hat und damit auch ein neuer Koch an Bord kam, kam es zur Solidarisierung pur: der Koch hatte schlecht disponiert und sowohl beim Mittag- als auch beim Abendessen hat das Essen nicht ausgereicht! Und wenn’s um’s Essen geht, das haben wir schnell gemerkt, da hört der Spaß auf: Einer Meuterei gleich haben wir uns zusammengrottet und Beschwerde eingelegt. Von da an wurden wir mit Essen nur so überschüttet – mit schwankender Qualität. Als ich den Koch dabei beobachtet habe, wie er eine Maggi-Tütensuppe zubereitet und uns zum Mittagessen vorgesetzt hat war ich allerdings leicht desillusioniert.

Normalerweise gab es zwischen 6 (!) und 7 Uhr Frühstück; dann folgte der erste Landgang. Es ist streng reguliert wie viele Personen pro Tag/Woche/Monat auf die Inseln dürfen und auch wie lange sie sich dort aufhalten können, so dass wir die wunderbare Inselwelt meist für uns hatten. Nach dem Landgang (jeweils 2 Stunden) war schnorcheln angesagt (was wir leider nicht wussten, sonst hätte ich Kontaktlinsen mitgenommen – so bin ich halt immer an Deck geblieben und habe die Vögel beobachtet), dann gab es Mittagessen und dann den nächsten Landgang. Jeder Landgang und jede Insel war anders – von atemberaubenden Lavafeldern über fast wüstenartige Inseln mit Kakteen bis hin zu den grünen Highlands war echt alles dabei, gespickt mit vielen total zutraulichen Tieren. Es ist unglaublich, dass man sich einem Vogel bis auf ein paar Zentimeter nähern kann und er schaut einen nur an, anstatt die Flucht zu ergreifen. Und unser Guide Rubén war dabei der Hammer. Mit großer Freude hat er uns Interessantes über die Pflanzen- und Tierwelt erzählt und hat sich selbst für den 500. Leguan, der des Weges kam, noch begeistern können.

Highlights waren:
– Riesenschildkröten in freier Wildbahn (sehen aus wie Felsen, wenn sie im Gras liegen)
– Schwimmende Riesenleguane (sooo goldig, wie sie ihren Kopf beim Schwimmen aus dem Wasser recken)
– Das Auftauchen von Buckelwalen während wir im motorisierten Schlauchboot saßen
– Galapagos-Pinguine (mit Abstand die goldigsten Tiere von allen)
– Hunderte von Meeresschildkröten, die sich im Wasser treiben lassen
– Die wirklich Millionen von Land- und Seeleguanen sowie Eidechsen aller Art, Farbe und Größe

Aber auch die wunderbaren schwarzen Möwen sind toll, die neugierigen Seehunde, die Pelikane, die schönen bunten Fische, die bunten Seesterne im Wasser, und die kleinen schwarz-weißen Vögel, die über das Wasser laufen, um Fliegen zu fangen.

Mit geschriebenen Details wollen wir Euch hier aber gar nicht länger langweilen. Unser Fazit: Absolut empfehlenswert! Wir haben natürlich tausende von Fotos gemacht und daraus die tollsten für Euch ausgewählt, damit ihr an der Schönheit von Galapagos teilhaben könnt. Nur die Internetverbindung hier am Quitoer Flughafen gibt leider einen Upload der Fotos nicht her. Morgen findet ihr hier auf dem Blog dann die Galerie mit den Fotos.

Und jetzt: Auf nach Peru!

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