(Un)sicherheit in der höchsten Hauptstadt der Welt (Quito)

Von Ecuador liest man nur Horrorstories über Kriminalität, Entführungen und Raubüberfälle. Nach allen Warnungen, die diverse Websites und unser Lonely Planet Guide verbreiten, erschien es uns quasi unmöglich, sich mehrere Tage im Land aufzuhalten ohne Opfer einer groß angelegten Diebestour zu werden. Ziemlich eingeschüchtert namen wir also unsere ersten Schritte durch Quito in Angriff.

Ähnlich wie in Bogotá den Cerro Monserrate gibt es auch hier gleich zwei Hügel, vor denen eindrücklich gewarnt wird: Der Panecillo, inmitten der Stadt, und der Pichincha, auf den eine Seilbahn bis auf 4.100m Höhe führt. Wir geben zu: Die Kriminalitätsmythen, die sich um den (harmlos wirkenden) Panecillo ranken, sind tatsächlich zu krass, so dass wir bislang einen Bogen um ihn gemacht haben (im Rahmen der Hop-On-Hop-Off City Tour wird er allerdings angefahren, so das wir ihn wohl doch noch zu Gesicht bekommen werden…). Aber Pichincha war das erste, was wir hier in Ecuador gewagt haben.

Schon während der ersten Meter im Taxi wurde deutlich: Quito ist wesentlich ärmer als Bogotá. Die ganze Stadt ist  heruntergekommen, neue Gebäude sucht man vergeblich. Es gibt viele Indios, die ihre Babys in Tüchern auf dem Rücken tragen und in den Straßen alles mögliche versuchen zu verkaufen. Leider gibt es auch sehr viele Kinder, die mit kleinen Bauchläden durch die Cafés ziehen und einem Schokoriegel und Zigaretten andrehen. Auch die Supermärkte wirken ärmlich: Der Eingang ist jeweils sehr eng (man muss am Sicherheitspersonal vorbei und dann quasi zwischen den Kassen hindurch um den Markt betreten zu können); Drogerieartikel befinden sich hinter Glas. Insgesamt sind Supermärkte rar gesät. Ich vermute, dass die meisten Menschen ihre Waren in den Millionen von Mini-Märkten oder an den Ständen am Straßenrand kaufen.

Das Polizeiaufgebot ist im Vergleich zu Bogotá gefühlt geringer, aber die Polizisten tragen hier schusssichere Westen. An den größeren Plätzen gibt es eine Touristenpolizei, an die man sich wenden kann, wenn man Hilfe braucht. Diese Touristenpolizei stattet allen Hotels und sonstigen Unterkünften jeweils morgens und abends einen Besuch ab, kontrolliert die Rechnungen (ob die korrekten Preise berechnet oder ob die Touristen irgendwie abgezockt wurden) und fragt nach Diebstählen und sonstigen Belästigungen, die die Touristen erleiden mussten. Heute morgen haben wir eine Bankfiliale aufgesucht; als wir wieder rauskamen standen außen mehrere Wachmänner mit großen Gewehren in der Hand, den Finger am Abzug.

Ca. die Hälfte der Taxis hier ist mit jeweils zwei Kameras ausgestattet, die eine vor dem Beifahrersitz, die andere hinten, die die Rückbank filmt (alles mit Ton und Bild). Neben dem Beifahrersitz gibt es außerdem noch einen Alarmknopf – wenn man den länger als 2 Sekunden drückt, rückt sofort die Polizei an. “Niemals ein Taxi auf der Straße anhalten” – diese Warnung zu befolgen ist nahezu unmöglich – wie soll man sich sonst hier fortbewegen? Natürlich hatte gleich das zweite Taxi, das wir angehalten haben, keine Kameras. Man hatte ich Panik. Es ist aber (natürlich) nichts passiert. Ganz im Gegenteil, der Taxifahrer war total nett und hat sich – wie alle anderen Ecuatorianer anscheinend auch – total gefreut, dass Deutschland die Weltmeisterschaft gewonnen hat.

Im Taxi gibt es Taxameter, aber es ist besser, vor dem Einsteigen gleich einen Preis auszuhandeln. Eine durchschnittliche Fahrt durch die Stadt kostet ungefähr 3 Dollar (hier ist der US-Dollar die Währung). Man fragt also, wie viel es kostet, dann sagt der Taxifahrer 8 Dollar, dann lacht man und sagt nie im Leben, dann sagt er 5, dann sagt man 3, dann sagt er ok, und alles ist bestens. Abgezockt oder beschissen wurden wir bisher nicht. Insgesamt würde ich sagen, dass man zwar (sehr) wachsam sein sollte, aber es ist nicht so, dass man völlig in Panik durch die Straßen läuft. Man kann sich hier wider Erwarten halbwegs normal bewegen. Das Schlimmste an Quito ist eigentlich der Abgasgestank, der einem permanent den Atem raubt.

Bisher sind wir also mit der Seilbahn auf den Pichincha gefahren (entgegen der Reiseführerwarnungen war das wirklich nicht gefährlich), sind ein paar Stunden durch die Stadt gelaufen und haben den Äquator, also den 0. Breitengrad, besichtigt. Eine Mordsgaudi war gestern unser Mittagessen. Cuy (Meerschweinchen). Siehe Fotos! Insgesamt muss ich allerdings sagen, dass ich mit dieser Stadt (noch) nicht so richtig warm geworden bin, aber ich habe noch nicht herausgefunden, woran das liegt.

Viel Zeit und Nerven kostet uns die Planung der Weiterreise. Wir wollten morgen in Richtung Guayaquil aufbrechen, wo am 23. unser Flug nach Galapagos startet. Dass wir die Fahrt mit den öffentlichen Bussen machen, scheint für unsere Hostelbesitzer nicht in Frage zu kommen. Und auch vor Guayaquil haben sie uns eindringlich gewarnt: Wir sollen am besten das Hostel dort nicht verlassen und uns für die Strecke zum Flughafen ein sicheres Taxi nehmen. Oh man… Also haben wir jetzt einen Flug von Quito nach Guayaquil gebucht und versuchen, die Zeit bis dahin mit zweitägigen Guided Tours durch die nähere Umgebung zu füllen. Während wir gerne genau wüssten, wann wir morgen aufbrechen, wohin wir fahren und wie viel das kostet, sind unsere Hostelbesitzer aber mehr auf dem Trip “Hablamos después… Wir sprechen später darüber”. Hier treffen Mentalitätsunterschiede aufeinander, da muss ich mich schon sehr zusammenreißen, damit das meine Nerven nicht überstrapaziert…

3 Kommentare

  1. Hui, das klingt schon “spannender” und nicht ganz so schön wie der Start.

  2. Haha, so war es!!!

  3. Däne, alleine, 70 jahre aus Kopenhagen und einen monat in Quito. Die herzlichkeit der Einwohner, die preiswerten DVDs und Restos und vor allem La Casa de Cultura und parque Ejido und Av. Amazonas haben mir sehr gefallen. Hatte grosses zm incl. frühstück für 7.50 USD. Diesel-Gestank kommt von den übernommenen DDR-ausrangierten bussen, und ist grässlich. Nahm busse und ging zu fuss, auch abends. Nie unangenehmes erlebt, ich bin über 70 J. und mit geschlissenem Jeans, alter jacke und cap sehe ich nicht gerade wie ein tourist (reich) aus. Aber ich bin gross und sportlich. Understatement ist SEHR empfehlenswert in süd-am. städten und etwas spanish soll man reden. Mit humor kommt man in Quito gut aus. In einem total überfüllten bus fragte ich was Schneckenhaus auf spanisch heisst. CARACOL. An der nächsten haltestelle, als die Leute reinströmten, bot ich sie laut willkommen. BIENVENIDOS EN EL CARACOL. Ich kann manchmal ein wenig “loco” sein, aber das gefällt sowohl Spanier wie Südamerikaner. In der alten DDR wäre ich wohl verhaftet. Aber Spanier und Südamerikaner haben humor.
    Der ganze bus hat laut gelacht und sich gefreut, dass jeman den mut hatte – denn der bus fuhr fast langsamer als eine schnecke sich bewegen kann. So hatte ich auch gleich im bus guten kontakt!!!
    Kontakt zu den wunderhübschen Frauen in Ecuador soll aber angeblich riskant sein, denn die Männer sollen SEHR eifersüchtig sein, die Frauen wie in ganz Süd-am aber nicht abgeneigt und oft
    ganz ausserord. hübsch. Auf einem Mercado in Ambato wurde nachmittag zu life-music getanzt. Ich ging alleine auf die Tanzfläche und wurde schnell von Frauen kontaktiert (einige mit whiskyflaschen in der Hand), – aber vorsicht, die Ehemänner beobachten alles, wurde mir mitgeteilt und es könnte arg ausgehen, wenn man intim wird. Prostitution ist nicht gängig wie in Thailand, eig. ist mansehr religiös u katholisch in Ecuador – fast wie hier in Österreich :-o) – wo viele männer eig auch ungewöhnlich
    eifersüchtig sind. Wir Skandinavier sind wohl da etwas lockerer.
    Also sich lieber eine feste Freundin mitbringen oder vorher eine Acuatorianerin kennenlernen, dann kann eine Ecuadorreise ein wunderbares erlebnis werden. Das Klima ist viel schöner in AMBATO, südlicher und etwas weiter unten an 1.500 meter – Ambato ist die Stadt der Mercados – hat mir auch sehr gut gefallen: Quito liegt 2.800 meter oben und die ersten tage ist man ungemein müde. Am gefährlichsten ist der verkehr – sie fahren wie die wahnsinnigen – auch um die Strassenecken. Aber wenn man sich
    an dem verkehr gewöhnt hat kann ich nur sagen:
    Ausserdem soll das fahrrad-fahren im kommen sein, und was kann mich mehr freuen als Kopenhagener mit Amsterdam als referenz. Also BUEN SUERTE.

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