Grenzübertritt mit Extras (Länder-Hopping Nr. 2: Brasilien – Paraguay)

Das Abenteuer hat uns wieder, aber gewaltig. Deshalb gibt es diesmal ein Novum: Einen Blogeintrag ohne Bilder. Paraguay hat uns wider Erwarten doch etwas eingschüchtert, so dass wir es heute noch nicht gewagt haben, fröhlich mit unseren Fotokameras herumzuwedeln. Auch sind wir etwas geschafft von der Einreise, der Anreise und den ersten Bildern des Landes, die wir zu Gesicht bekommen haben.

Aber wie immer schön der Reihe nach: Pünktlich um 08:30 sind wir zu unserem Chauffeur David ins Auto eingestiegen. Dieser sollte uns von Brasilien über die Grenze nach Paraguay bringen. Problematisch ist, dass David sich einbildet, er würde supergut Englisch sprechen, was er aber nicht tut. Aufgrund seines vermeintlich guten Englisches möchte er kein Spanisch mit uns sprechen. Die Verständigung mit ihm ist also leicht gestört. Von den Instruktionen, die er uns unterwegs gegeben hat, ist deshalb nur das Wort “dangerous” bei uns hängen geblieben. Was genau gefährlich sein soll, blieb unklar.

Ziemlich bald sind wir mit dem Auto auf die “Brücke der Freundschaft” zugeschossen, die über den Fluss Paraná führt und Brasilien und Paraguay voneinander trennt. Ist man erstmal auf der Brücke, hat man Brasilien verlassen. Und in unserem Fall sollte man dann einen Ausreisestempel im Pass haben. Den wir aber nicht hatten. Lautstark haben wir versucht, David zum Anhalten zu bringen, aber dieser hat stur weiter auf die Brücke zugehalten und behauptet, wir bräuchten keinen Ausreisestempel. Innerlich haben wir uns schon als Grenzbetrüger im Knast sitzen sehen.

Ohne den Ausreisestempel ergattert zu haben sind wir also auf der Brücke gelandet, und zugleich in einem wahnsinns Chaos aus Autos, Bussen und unzähligen “Moto-Taxis”. In Paraguay sind die Taxis nämlich Motorräder! Die Moto-Taxifahrer haben sogar jeweils einen Helm für einen Fahrgast dabei – natürlich setzt jeder den gleichen Helm auf, egal wie eklig der ist und egal welche Größe man braucht.

Die Brücke hat den Ruf, vor allem für Fußgänger absolut gefährlich zu sein. Man könnte dort leicht Opfer eines Raubüberfalles werden und sollte deshalb unbedingt einen Bus oder ein Taxi zum anderen Ufer nehmen. Wir konnten das mal wieder nicht nachvollziehen. Straße und Gehweg sind durch ein zwei-Meter-hohes Gitter voneinander getrennt, so dass niemand mit dem Motorrad jemandem z.B. die Handtasche wegreißen kann, und die Fußgängerwege sind absolut eng. Zugleich waren Massen an Fußgängern (teilweise mit Kindern) auf der Brücke unterwegs, die anscheinend alle nicht wussten, wie “furchtbar gefährlich” die Brücke ist. Und Polizisten waren auch vor Ort – die wussten wohl auch nicht, dass es auf der Brücke angeblich gar keine Polizeipräsenz gibt… Ich habe keine Ahnung, wie man da jemanden ausrauben können soll; man hätte nie und nimmer wegrennen können.

Am anderen Ende der Brücke sind wir auf paraguayischem Boden angekommen. Eine andere Welt – Straßenhändler überall, ein Gewimmel und Gewusel, heruntergekommene Gebäude. Durch das Chaos haben wir uns zur Migrationsbehörde geschoben. Gestern habe ich gelesen, dass Paraguay das einzige Land in Südamerika ist, das immer noch halb als Diktatur gilt und nicht wirklich frei ist. In dieser Grenzbehörde war das irgendwie zu spüren, echt unangenehm. Natürlich hat die unfreundliche Grenzbeamtin gleich wissen wollen, wo unserer Ausreisetempel von Brasilien ist. Wie die letzten Deppen standen wir also da und haben alles auf David geschoben. Uns wurde natürlich trotzdem eiskalt die Einreise verweigert und man hat uns nach Brasilien zurückgeschickt. David musste sich also zähneknirschend durch das Chaos zurück zur Brücke manövrieren und uns erneut durch den Stau bugsieren. Zum Glück war der Rest unkompliziert. Die Ausreise aus Brasilien hat ungefähr 30 Sekunden gedauert, und der zweite Versuch, nach Paraguay einzureisen hat dann auch funktioniert. Unser Gepäck hat wie immer niemanden interessiert.

Kaum waren wir dann offiziell in Paraguay, hat David irgendwas von Straßenmaut erzählt, die man nur in der Landeswährung Guaraní bezahlen kann. Wir hatten aber logischerweise noch keine Guaraní (so eine Währung mit Millionensummen, die aber nichts wert ist). David hat uns daraufhin unverzüglich zu irgendeinem zwielichtigen Typen am Straßenrand gefahren, bei dem wir Geld wechseln sollten. Wir haben uns geweigert. David ist daraufhin ein bisschen laut geworden. Uns hat das alles maßlos geärgert. Mittlerweile haben wir die Abholung durch David bei unserem Rückflug sowie die weitere Übernachtung im Hostel seines goldkettchenbehängten Vaters storniert.

Irgendwie haben wir es dann doch noch zum Flughafen geschafft. Die Landschaft unterwegs hat uns sehr an Kuba erinnert: Viel Grün, viel Leere, kaum Bevölkerung, sehr ärmlich. Ins Flughafengebäude hat es an mehreren Stellen reingeregnet; der einzige Geldautomat hat unsere Karten nicht angenommen. Und dann hatte unser Flug auch noch zwei Stunden Verspätung. Als wir dann endlich in Asunción gelandet sind, waren wir ziemlich gerädert. Doch Paraguay hat gleich mal mit der nächsten Überraschung aufgewartet: Bevor wir unser Gepäck abholen durften, mussten wir erstmal einen unendlich langen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und so Fragen wie “Hatten Sie heute schon Durchfall?” beantworten. Am Gepäckband standen dann eine Menge zwielichtiger Typen herum, die einem unnötigerweise dabei helfen wollten, das Gepäck auf ein Wägelchen zu laden. Diese Typen waren wahnsinnig aufdringlich und wollten Geld. Sie wussten ja nicht, dass wir noch kein Geld hatten…

Laut der Dame an der Flughafeninformation sind Taxis in Paraguay sicher, weshalb wir uns mit selbigem zum Hotel fahren ließen. Unser erster Eindruck, nämlich dass halb Paraguay neue Mercedes, Audis und BMWs fährt, hat sich sofort bestätigt. Wir haben zwei Personen gefragt, wie die Menschen sich das denn leisten können, aber niemand scheint es zu wissen. (Das Durchschnittseinkommen pro Jahr beträgt hier angeblich 2.900 Dollar!). Es gibt viele schöne Gebäude im Kolonialstil, aber alles ziemlich heruntergekommen. Außerdem fallen die vielen riesigen, tollen Einfamilienhäuser im deutschen Baustil auf. Bei uns stehen solche Häuser allenfalls am Starnberger See, und auch nicht in einer solchen Dichte. Unglaublich bombastisch. Und dann, ein paar Meter weiter stehen dicht an dicht Hütten aus Spanplatten mit aufgesprühten Hausnummern, dazwischen Dixiklos. Das, was wir da heute gesehen haben, waren unsere ersten richtigen Slums. Wir waren schon ein wenig schockiert. Selbst im Park stehen diese Hütten, und auf der Straße davor rauscht der Nobelmercedes vorbei. Ansonsten fällt noch auf, dass die Verständigung hier ziemlich schwierig ist. Theoretisch sprechen die Paraguayer Spanisch. Aber die Leute hier haben einen ganz seltsamen Dialekt und mehr als einmal hatten wir den Eindruck, dass sie überhaupt kein Spanisch, sondern eine andere Sprache mit uns sprechen.

Den restlichen Tag haben wir in einer Mall verbracht, die von Sicherheitsleuten mit Maschinengewehren bewacht wurde. Alle Welt sagt, Asunción sei sicher – vielleicht muss man Sicherheitshinweise einfach stets ins Gegenteil umkehren…

Morgen werden wir die Stadt nun genauer unter die Lupe nehmen. Aber jetzt fallen wir erstmal tot ins Bett. Gute Nacht!

Ein Kommentar

  1. Laut Wikipedia ist das Regierungssystem in Paraguay eine “Präsidentielle Demokratie” wenn man wiederum nachschlägt was das genau ist – achtung Zitat – “… nach US-amerikanischem Vorbild …” – no more words 😀

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