Ein erster Gruß aus Bolivien (Copacabana am Titicacasee)

Das ist doch mal ein Luxus: Links neben mir ein knisternder Ofen, rechts neben mir eine goldige Katze, vor mir ein Milchkaffee und von ferne ganze leise spanische Arien. Nein, wir haben nicht umgebucht und sitzen gerade in einem Barceloner Café – wir sind heute mit dem Bus nach Bolivien eingereist und befinden uns im wirklich exzellenten Hotel La Cúpula.

Die Einreise in das nach Paraguay ärmste Land Südamerikas (Durchschnittseinkommen: 170 US-Dollar pro Monat) war überraschend problemlos. Los ging’s in aller Herrgottsfrühe am großen Busterminal in Puno, das bei Weitem nicht so hektisch und schlimm war, wie es uns die Reiseführer weismachen wollten. Über eine Art “Gate” gelangte man zu den Bussen; in marktschreierischer Weise wurde auf die Reiseziele aufmerksam gemacht. Copacabana, die Stadt in Bolivien, in der wir uns gerade befinden, wurde zwar überhaupt nicht ausgerufen, und auf unserem Bus stand bis zuletzt als Destination Cusco, aber wie immer hat sich alles trotzdem in Wohlgefallen aufgelöst.

Nach ca. 2,5 Stunden Fahrt kamen wir an die Grenze, eine Art Straße, links und rechts gesäumt mit unzähligen Marktständen. Zunächst mussten wir uns auf der peruanischen Seite zwei Stempel holen, natürlich in zwei verschiedenen Gebäuden. Cool war, dass in Gebäude Nummer 1 ein furchtbar wichtiger Typ mit Sonnenbrille auf dem Käppi hinter einem riesigen Schreibtisch saß, hinter ihm schlecht gerahmte Fotografien der peruanischen Präsidenten, und vor ihm ein offensichtlich nicht angeschlossener (!) PC mit einem Uralt-Monitor.

Hatte man beide Stempel ergattert musste man zu Fuß 300m die Straße entlang gehen, wo sich die bolivianische Grenze befand. Dort hat man dann nur einen Stempel gebraucht. Die Grenzer dort hatten wahrscheinlich auch schon vom Fake-PC und der Pseudo-Wichtigkeit ihres peruanischen Kollegen gehört, und hatten es sich daraufhin nicht nehmen lassen, ihre eigene Grenze ein bisschen aufzupeppen. Die bolivianischen Grenzer saßen hinter Flachbildschirmen, vor jedem Schalter gab es ordentliche Hinweisschilder und jeder Schalter hat auch über eine eigene Kamera verfügt (ähnlich wie bei der Einreise in die USA). Und auch das Foto von Evo Morales, dem bolivianischen Präsidenten, der einen von der Wand her anlachte, hat irgendwie mehr hergemacht als die seltsamen gerahmten peruanischen Gestalten.

Nach insgesamt 3,5 Stunden sind wir dann in Copacabana angekommen, einer idyllischen 6.000-Einwohner-Stadt direkt am Ufer des Titicacasees. Der Unterschied zu Puno ist kaum zu glauben. Hier ist eine Ruhe in den Straßen – keine nervigen Händler, kaum Autos, kein Smog, keine Musiker, dafür aber ein paar schöne Gebäude und Grünflächen. Wahnsinn.

Hier in Bolivien haben wir uns einen ganz besonderen Luxus gegönnt: In den 11 Tagen, die wir hier verbringen, lassen wir uns quasi rund um die Uhr von einem Einheimischen begleiten. Man hört SEHR viel über die Kriminalität hier, über Straßensperren, Demonstrationen und andere Unannehmlichkeiten, so dass wir von Anfang an der Ansicht waren, dass es stressfreier ist, dieses Land mit einem Guide zu bereisen. Unser momentaner Guide heißt Eric, ist 34 und halb so groß wie der Lars (die Leute hier sind alle unglaublich winzig). Er spricht (für jemanden, der angeblich an der Universität Tourismus studiert hat) unglaublich schlecht Englisch, hat 2 Kinder, 11 und 1, und sagt, dass das Geld nie reicht um seine Familie zu versorgen, so viel er auch arbeitet. Bei dieser Aussage habe ich gleich mal wieder das Gefühl bekommen, dass wir schrecklich reich sind, und er schrecklich arm. Nicht gerade angenehm, wenn man dann seine teure Kamera und sein Samsung-Galaxy-Handy auspackt, während er auf einem vorsintflutlichem, total kaputten Handy herumhackt und versucht, mit einer Uralt-Kamera gute Fotos zu machen. Vorhin wollte Eric uns umgerechnet sechs Euro für ein Abendessen geben, weil dies in unserem Tour-Paket mit drin ist. Wir haben das Geld nicht angenommen und haben gesagt, das ist für ihn – er konnte es kaum glauben.

Jetzt ruft uns gleich das Abendessen und morgen geht es dann in einer zweistündigen Bootsfahrt auf die Isla del Sol im Titicacasee. Dort werden wir morgen auch die Nacht verbringen.

4 Kommentare

  1. Von den schwimmenden Inseln hab ich noch nie gehört, aber sieht cool aus – nur Internetanbindung ist vermutlich schlecht?! Und da geht nie eine unter oder so?

  2. Es ist so toll ihre Reiseberichte zu lesen. Respekt sich so eine Reise zu trauen, mit so vielen Hürden zu überwinden. Geniesst eure schöne Zeit.
    Liebe Grüße
    Barbara umd Wolfgang

    • Vielen lieben Dank und liebe Grüße aus Bolivien! 🙂 Wir genießen jede Sekunde, auch wenns manchmal anstrengend ist (wie z.B. hier in La Paz etwas zum Essen aufzutreiben das nicht von einem Stand am Straßenrand kommt…)

  3. Die Inseln gehen wohl nicht untern, das Schilf wird mitsamt der Wurzeln “geerntet”. Auf den Block Schilfwurzeln wird dann Schicht für Schicht Schilf gelegt. Dadurch schwimmen sie wohl ganz gut.

    Dankschön. La Paz – wo wir heute angekommen sind – topt allerdings alles bisher gesehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.