Länder-Hopping Nr. 1: Argentinien – Brasilien

Diese Zeilen schreiben wir Euch aus Brasilien. Hier angekommen zu sein fühlt sich an wie ein kleiner Meilenstein. Irgendwie konnten wir die ganze bisherige Reise über nicht so richtig glauben, dass wir dieses Land tatsächlich betreten würden. Und jetzt sitzen wir hier, mit brasilianischem Dosenbier namens “Colonia” und schauen Fernsehen auf portugiesisch. Der Wahnsinn.

Mit den supernetten Inhabern unseres letzten Hotels hatten wir ausgemacht, dass sie uns für umgerechnet 25 Euro über die Grenze bringen würden. In Echt sah das dann so aus, dass sich die 150-kg-wiegende 25-jährige Ehefrau unseres über 60-jährigen, goldkettchenbehängten Hostelinhabers in ihren Stretchrock geschnallt und ihre Stöckel-Plateauschühchen angezogen hat. Anschließend hat sie sich auf den Fahrersitz eines Ford-SUV mit Schaltgetriebe gezwängt. Ich konnte kaum glauben, dass sie mit diesen Schuhen tatsächlich Auto fährt, und schon gar nicht eins mit Schaltgetriebe! Aber die Straßen in Argentinien sind ja viel breiter als sie aussehen; jedenfalls macht jeder Autofahrer seine eigene Spur auf, so dass am Ende dort vier Autos nebeneinander fahren, wo nur zwei hinpassen. Interessante Überholmanöver gibt es gratis dazu. An der argentinischen Grenze gab es tatsächlich Drive-Through-Passabstempel-Schalter, an der brasilianischen Grenze ist unsere Chauffeurin mitsamt unseren Pässen ausgestiegen und als sie wiederkam waren alle Grenzformalitäten erledigt. Weder uns noch unser Gepäck hat irgendein Grenzer zu Gesicht bekommen. Das nenne ich mal komfortabel.

Brasilien und Argentinien trennt an dieser Stelle nur ein Fluss, der Río Iguazú. Eine Brücke führt von einem Land zum anderen, und gleichzeitig auch von einer Welt zur anderen. Der Fairness halber muss man sagen, dass Foz do Iguacu in Brasilien mit 256.000 Einwohnern ungleich viel größer ist als das kleine argentinische Iguazú mit 32.000 Einwohnern. Dennoch kann nicht nur die Größe der beiden Städte ausschlaggebend dafür sein, dass hier in Brasilien alles ein bisschen hochwertiger wirkt. Ein bisschen geordneter, ein bisschen reicher. Hier sind Straßen und Gehwege anständig, der Supermarkt hier war einer der besten auf unserer bisherigen Reise, das Internet ist schneller und die Klospülung spült besser (der bekannte Klopapiereimer ist allerdings auch weiterhin zu benutzen).

Unsere Chauffeurin hat uns die halbe Fahrt über mantraartig davor gewarnt, wie gefährlich Foz do Iguacu ist. Dass wir auf keinen Fall nach 17:30 Uhr noch auf die Straße gehen sollen, dass die Stadt zu einem Großteil aus Slum besteht und dass es überhaupt viel besser gewesen wäre, in Argentinien zu bleiben und Tagesausflüge nach Brasilien zu machen. Im Hotel angekommen habe ich dem Rezeptionsmitarbeiter natürlich gleich mal von diesen Warnungen erzählt. Der Typ war regelrecht sprachlos. Er hat uns nur ungläubig angeschaut, so als würden wir Witze machen. Nein, nein, woanders vielleicht, aber hier sei es nicht unsicher… Wir werden uns wohl, wie immer, selbst ein Bild der Sicherheitslage machen.

Aber jetzt noch kurz zum heutigen Tag (vor dem Grenzübertritt), denn der war wieder einmal ganz toll. Nachdem wir das Kuchen-und-Törtchen-Frühstück überstanden hatten, sind wir aufgebrochen zum “Kolibri-Garten” am anderen Ende der Stadt. Ein 30-minütiger Fußmarsch war dafür nötig. Während diesem haben wir festgestellt, dass Argentinier anscheinend sonntags sehr gerne auf Plastikstühlchen auf der Straße vor ihren Häusern sitzen, Mate-Tee trinken, ganze Hühner grillen und Touristen anquatschen. Zum Thema Mate-Tee muss man wissen, dass das hier der absolute Kult und ein gesellschaftliches Ereignis zu sein scheint. Zubehör ist jeweils eine Thermoskanne, ein (und wirklich nur ein) Becher sowie ein (und wirklich nur ein!) metallener Strohhalm mit Sieb unten dran, durch den man den Tee trinkt. Alle Anwesenden trinken aus diesem einen Becher bzw. Strohhalm, der reihum gereicht wird. Selbst Familien mit kleinen Kindern zelebrieren schon dieses Ritual, anscheinend wird einem schon als Baby der Strohhalm in den Mund geschoben. Da es uns leider den Magen bei dem Gedanken umdreht, den angesabberten Strohhalm fremder Menschen im Mund zu haben, wurden wir bislang nicht Bestandteil dieses Rituals. Dann prompt heute, auf der Straße, quatscht uns ein Typ auf einem Plastikstühlchen an, stellt sich als Ramón vor, und hält uns schon den Mate-Tee-Becher unter die Nase. Auch hier haben wir, wohl wissend, ihm total vor den Kopf zu stoßen, dankend abgelehnt. Später haben wir im allergrößten Tropengewitter, das man sich nur vorstellen kann (noch niemals in meinem Leben habe ich so lauten Donner gehört), einen Typen beobachtet, der sich im Regenponcho in die Sintfluten gewagt hat, zu seinem Auto gegangen ist und wenig später klatschnass, aber glücklich mit seiner Mate-Tee-Thermoskanne zurückkam. Ein bisschen verrückt sind sie schon, die Argentinier!

Der Kolibri-Garten war dann der absolute Hammer. Das war ein winziger, windgeschützter Garten, in dem kleine, mit Zuckerwasser gefüllte Behälter aufgehängt waren, an denen die Kolibris trinken können. Die Kolibris selbst sind “wild” und werden alleine durch diese Nahrungsquelle angelockt. Ein Gezwitscher und Geschwirre war dort, man stand quasi mittendrin und um einen herum flatterten diese supergoldigen und wunderschönen Vögelchen. Einfach nur genial. Nur vier Gramm wiegt so ein Kolibri übrigens. Und sie können wirklich so toll in der Luft stehen bleiben wie man das immer hört. Ich glaube, Kolibris sind neben Nasenbären meine neuen Lieblingstiere!

Anschließend ging’s noch zum “Monument der drei Grenzen”, was auch ziemlich cool war. Denn dort fließen zwei Flüsse zusammen. Am Ufer des einen Flusses liegt Paraguay, am Ufer des zweiten Flusses liegt Brasilien, und man selbst befindet sich in Argentinien. Spektakulär, so von einem Land auf zwei andere zu schauen.

Mit der Hoffnung, ab morgen wieder ein bisschen mehr kulinarisch verwöhnt zu werden, als es in Argentinien der Fall war, gehen wir jetzt ins Bett. Heute Mittag haben wir uns, in einem letzten Versuch, uns gesund zu ernähren, Hähnchen mit gegrilltem Gemüse bestellt. Was wir bekamen, seht ihr auf dem Foto oben. Ob es wirklich Hähnchen war, werden wir wohl nie herausfinden… Gute Nacht!

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