Im Dschungel (Puerto Iguazú, Argentinien)

Ich bin ganz von den Socken: Wir sind in den Tropen. Im Dschungel. Im Regenwald! Bei unserer Reiseplanung habe ich immer nur die berühmten Wasserfälle von Iguazú vor mir gesehen, und den wahnsinns Regenwald gedanklich links liegenlassen. Was für ein Fehler!

Nach einem kompletten Reisetag (zwei Flüge und drei Stunden Aufenthalt in Buenos Aires) sind wir gestern gegen 18 Uhr in Puerto Iguazú, ganz im Norden Argentiniens, gelandet. Das erste, was auffält, wenn man das Flughafengebäude verlässt, ist der Geruch nach Feuchtigkeit, Wald, und Tropen. Genauso riecht es im Tropenhaus im Tiergarten, aber dieser Geruch hier ist echt! Danach bemerkt man das Vogelgekrächze, das von allen Seiten aus den Bäumen schallt. Dann steigt man ins Taxi und fährt rund 20 Kilometer durch den Dschungel. Links und rechts nichts als Dickicht, Gebüsch und Gewucher. Und am Straßenrand gelbe Warnschilder, denn Tiere können die Fahrbahn kreuzen. Die Tiere, die auf den Schilden abgebildet sind, hatten wir allesamt noch nie gesehen… Wir wurden gleich ganz aufgeregt – dieser Aufenthalt versprach, spannend zu werden! Heute Nacht dann ein wahnsinns Tropenregen, der bis zum Morgen anhielt, und seltsames, gruseliges Tiergeschrei.

Heute konnten wir es verständlicherweise kaum erwarten, endlich gen Dschungel aufzubrechen. Unser erstes Ziel war der Nationalpark mit den berühmten Wasserfällen. Man muss horrenden Eintritt blechen, und der ganze Park ist dann schon ziemlich touristisch. Es gibt eine Menge Fast-Food-Lokale und Souvenirshops, und auf den Wegen zum und vom Wasserfall muss man ein unangenehmes Gedrängel und Geschiebe auf sich nehmen. Aber, und das macht alles wett, wo man geht und steht sieht man wahnsinns Tiere!

Zunächst aber ein paar Worte zu den Wasserfällen: Diese sind um Welten größer als ich sie mir je hätte vorstellen können. Bis zu 7.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rauschen hier in die Tiefe, es gibt 20 große und 255 kleinere Wasserfälle, und diese erstrecken sich über eine Breite von 2,7 Kilometern. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn man da davorsteht und sich von der Gischt ein bisschen abkühlen lässt. Aber wir haben uns von dem Anblick auch ziemlich schnell sattgesehen. Viel Wasser, das einen Hang hinunterstürzt. Mehr auch wieder nicht. Viel beeindruckender war da schon der Blick über den Urwald, mit tollen Nebelwolken darüber, so wie man sich das vorstellt. Tukane fliegen herum (!!!!), Adler kreisen über den Bäumen und bunte Schmetterlinge setzen sich frech auf Rucksäcke und Handtaschen. Genial! Wir haben deshalb – zum Entsetzen von einigen Amerikanern – die beiden Wanderwege entlang der Wasserfälle nicht abgearbeitet, sonderen unseren Fokus auf Tierbeobachtung gerichtet. (Die Tatsache, dass es hier ungefähr 2cm große Moskitos gibt, und überall Dengue-Fieber-Informationstafeln herumhängen, ignorieren wir übrigens. Vermutlich wegen den Moskitos wird hier überall permanent großzügigst mit Insektenspray herumgesprüht; im Restaurant z.B. auch auf die schon mit Tellern und Gläsern gedeckten Tische! ).

Neben vielen bunten Vögeln sind die Nasenbären das Highlight schlechthin. Sie laufen in Rudeln über die Wege und versuchen, den Touristen ihre Sandwiches zu stibitzen (teilweise auch mit Erfolg). Die etwa hundgroßen Tiere sind sowas von goldig, dass man am liebsten auf der Stelle eins mitnehmen möchte. Sie laufen ganz lustig, mit der Nase am Boden und dem gestreiften Schwanz nach oben – absolut knuffig!!!!

Nach dem Nationalpark hat ein weiterer Höhepunkt auf uns gewartet: Güirá Oga, ein Krankenhaus für verletzte Urwaldtiere. Wer ein krankes oder verwundetes Tier findet, kann es in Güirá Oga abgeben, wo es wieder aufgepeppelt und dann, falls möglich, in Freiheit entlassen wird. Von den Tieren, die nicht mehr freigelassen werden können, wird zumindest auf Nachwuchs gehofft, so dass dieser später wiederum ausgewildert werden kann. Eine wirklich tolle Sache! Mit einem Traktor ging es hier zunächst tief hinein in den Urwald, vorbei an Kolibris, handgroßen Schmetterlingen und überdimensional riesigem Bambus. Anschließend folgte ein knapp zweistündiger Spaziergang vorbei an den Tiergehegen. Sooooooo toll!! Hier gab es alles, vom Gürteltier über Papageien bis hin zum Puma. Wir hätten Tage dort verbringen können!

Leider ging der Tag viel zu schnell vorbei. Mit dem lokalen Linienbus haben wir uns schließlich zurück nach Puerto Iguazú begeben. Überraschend haben wir auf diese Weise eine kleine Stadtrundfahrt bekommen und konnten live sehen, unter welch ärmlichen Bedingungen die einheimische Bevölkerung hier lebt. Die Gebäude haben uns teilweise an Kuba erinnert. Auf den Straßen laufen eine Menge schmutziger Kinder herum, die irgendetwas verkaufen wollen. Leider scheinen auch hier, ähnlich wie in Peru und Bolivien, die Bettler und Armen ausschließlich Indios zu sein.

Morgen werden wir noch einen Kolibri-Park besichtigen und evtl. einen weiteren Tierpark. Um 16 Uhr startet dann unser Transfer nach Brasilien. Drei Nächte werden wir dort verbringen, um auch die brasilianische Seite der Wasserfälle sowie den dortigen Dschungel näher zu begutachten. Wir freuen uns!!!

Und für alle, die noch weiterlesen wollen, hier noch ein paar Infos außer der Reihe:

1. Wir sind mit Aerolíneas Argentinas hierhergeflogen, was in anderen Worten bedeutet, dass das Flugzeug voller Argentinier waren. Und Argentinier sind irgendwie anders. Sie sind immens gut drauf, scheinen sich alle untereinander zu kennen, nehmen auch während einem 3,5-Stunden-Flug ihre Sonnenbrillen nicht ab und haben keine Scheu, sich über zehn Sitzreihen hinweg den ganzen Flug über zu unterhalten. Während man beim Anblick einer Gruppe Argentinier also tendenziell sofort gute Laune bekommt, bekommt man bei Benutzung der landeseigenen Airline eher einen Agressionsanfall: Man musste rigoros nach Reihen in das “Flugzeug” steigen; Reihen 12 bis 22 zuerst, dann 1 bis 11. Wir wurden sogar aus der Schlange verwiesen, weil wir mit unserem Sitzplatz in Reihe 6 noch nicht dran waren. Am Ende des Einsteigeganges hat aber nicht das Flugzeug gewartet, sondern ein Bus!!! Dort haben sich also alle Sitzreihen wieder schön vermischt und wir waren schließlich die ersten, die das Flugzeug betreten durften. Das soll mal einer verstehen!!! Nach einer furchtbaren Landung, hat das Flugzeug schließlich, als alle schon standen und nach ihrem Gepäck gegriffen haben, eine Vollbremsung gemacht, so dass sämtlich Insassen incl. Gepäck quer durchs Flugzeug geflogen sind. Man kann von Glück sagen, dass sich niemand verletzt hat.

2. Bei besagtem 3,5-Stunden-Flug (über Mittag!) hat man dann nur einen Schokoriegel bekommen, und zwar mal wieder den mit den Extra-Kalorien (d.h. Karamellfüllung – Karamell ist der Renner in ganz Südamerika. Es gibt quasi keine Süßigkeit ohne Karamell, sogar von Milka gibt’s ein ganzes Sortiment in dieser Geschmacksrichtung). Gewichtsprobleme kann man ja an so ziemlich allen Südamerikanern feststellen, aber hier in Argentinien ist das Essen die größte Katastrophe. Zum Frühstück gibt es ausschließlich Kuchen und Törtchen, Sandwiches existieren quasi nicht, stattdessen gibt es fette Empanadas (gebackene Teigtaschen mit Fleischfüllung), und wenn man doch mal ein Sandwich ergattert befindet sich darauf nur Käse und/oder Schinken, Salatblätter und Tomaten werden anscheinend überbewertet. Obstsalat kann man auch nicht essen, da darüber stets eine Tonne Zucker gekippt wurde, und in JEDEM Cappuccino befindet sich zu einem Drittel flüssige Schokolade. Gestern Abend haben wir uns eine Pizza bestellt – da war ungefähr ein Zentimeter dick Käse drauf. Also kein Wunder, dass die Hostelbesitzerin hier gefühlt 150 kg wiegt, aber stets in einem Stretch-Minirock herumläuft. Sollte ich zukünftig auch diesen Kleidungsstil wählen – Argentinien und die neugewonnenen Pfunde sind schuld daran!

3. Wir haben heute unsere Wäsche zum Waschen gegeben – und sie nass wiederbekommen. In dieser dampfigen Feuchtigkeit hier trocknet einfach gar nichts. Das wird lustig, wenn wir morgen alles in die Rucksäcke stopfen müssen…

Ein Kommentar

  1. Hallo, ich muß doch mal etwas ergänzen und bitte versteht das jetzt nicht als Kritik.
    Die Bettler in Puerto Iguazu sind fast alles Bolivianer, den Eintrittspreis auf der argentinischen Seite von rund 15-18 Euro finde ich nicht teuer wenn man bedenkt, daß dafür der Park gepflegt wird und die Fahrt mit der kleinen Eisenbahn im Preis inbegriffen ist. Die vielen Kioske, an der Zahl 5, sind auch nötig weil es zur Hochsaison sehr voll werden kann und man ansonsten sehr lange auf ein Getränk warten müßte.
    Puerto Iguazu ist eigentlich ein schönes kleines Städtchen, abends durch die Straßen zu bummeln ist sehr schön und ich bin dort noch nie irgendwie angebettelt worden, sicherlich wollen Straßenhändler einem irgendwas verkaufen, das machen sie aber nicht aggressiv wie in vielen anderen Ländern.
    Die Flugzeit von Puerto Iguazu nach Buenos Aires beträgt rund 2 Stunden, da ist es doch nicht so tragisch, wenn man keine ausgiebige Mahlzeit bekommt, ich persönlich fliege sehr gern mit Aerolineas und die merkwürdig anmutende Praxis des Einsteigens ist in Südamerika fast überall so geregelt um im Flieger ein wenig Ordnung zu halten was allerdings nicht immer so richtig funktioniert.
    Ich war und bin sehr oft in Argentinien und irgendwie finde ich die geordnete Unordnung wie auch die Menschen in diesem Land sehr symphatisch.

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