Quer durch Lappland

Wir befinden uns im nördlichsten Teil von finnisch Lappland, ca. 60 Kilometer von der norwegischen Grenze entfernt. Schon letzte Nacht ging die Sonne nicht unter – die permanente Helligkeit bringt unseren Biorhythmus ganz schön durcheinander. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mit einer Schlafbrille geschlafen. Ich habe mir sagen lassen, die Einheimischen machen das genauso.

350 Kilometer sind wir heute gefahren. Den ganzen Tag über hatte es 11 Grad. Hochsommer also in Lappland. Kurz vor Sodankylä sind wir in einem schnuckeligen Café mit Einheimischen ins Gespräch gekommen, die uns versichert haben, dass Temperaturen von 30 Grad möglich sind. Wir werden das hier wohl nicht erleben. Das Café befand sich im Wohnhaus der Betreiberin – genauer gesagt in ihrem Wohnzimmer. Durch eine Tür konnte man einen Blick ins Schlafzimmer erhaschen. Ein Gästeklo gab es nicht, man benutzte das Badezimmer der Familie. Ein unvorstellbares Leben jeden Tag sein Haus mit Fremden zu teilen.

Insgesamt kann ich mir das Leben hier nicht vorstellen. Die wenigen Städte, die uns auf der Strecke begegneten, waren winzig. Auf den vielen Kilometern dazwischen stand ab und an ein Haus. Was arbeiten die Leute? Wie funktioniert die Versorgung? Im Winter kann man aufgrund der Kälte sein Haus nicht verlassen, im Sommer aufgrund der Moskitos. Indoor-Gemütlichkeit in der Angeschiedenheit, das ganze Jahr. Ob das Spaß macht?

Ansonsten ist Lappland traumhaft. Die Landschaft, die Seen, die Wälder und die Farben sind der Hammer. Es ist noch schöner als ich es mir vorgestellt habe. Alle Straßenschilder sind mittlerweile zweisprachig, Finnisch und vermutlich samisch. Und auch einen samischen Radiosender gibt es, der total schöne Musik spielt. Ansonsten haben wir von den Samen hier aber so gut wie gar nichts gesehen. Wir fragen uns, ob es überhaupt noch jemanden gibt, der der ursprünglichen Lebensweise treu geblieben ist. Die wenigen Städte verströmen eine seltsame Art von Einsamkeit und Tristesse, die uns an Fotos von Grönland oder Spitzbergen erinnert.

Wetter:
Regenwolken am Himmel, aber zum Glück kein Regen. Kurzzeitig blauer Himmel und Sonnenschein mit einer Höchsttemperatur vor 16 Grad.

Highlight des Tages:
Die Rentiere! Es gibt so viele davon, die über die Straße rennen, dass man echt aufpassen muss, dass man keinen Unfall baut.

Bestätigtes Stereotyp des Tages:
Die Moskitos.
Haben wir gestern irgendwas von Moskitos erwähnt? Das können wir heute nur milde belächeln. Das gestern war GAR NICHTS. Wir konnten uns heute auf 350 Kilometern quasi keinen Schritt draußen aufhalten. In der Natur aufs Klo zu gehen ist aussichtslos. Der Lars hats einmal versucht und kam mit ungefähr 40 Moskitostichen in Gesicht & Co. zurück. (Seltsamerweise sind die Stiche jedoch nur von kurzer Dauer und nach ein paar Stunden wieder abgeschwollen).

Übernachtung:
Die Moskitos machen das Zelten unmöglich. Eigentlich machen sie alles unmöglich. Wir haben uns auf einem Campingplatz eine Sleeping Cabin gemietet, eine kleine Hütte mit 2 Betten drin, direkt am See. Aber selbst hier drin sind die Moskitos zu hunderten – das wird eine interessante Nacht. Im Zelt schläft hier übrigens niemand – die Zeltplatzinhaberin hat auch etwas komisch geschaut angesichts der Idee dass wir hier eigentlich zelten wollten.

Insgesamt zurückgelegte Strecke ab Kuusamo:
502 Kilometer

Verbleibende Strecke zum Nordkap:
Ca. 350 km. Die wollen wir morgen schaffen. Und hoffen, dass wir dort dann eine Nacht im Zelt verbringen können.

[Internet gibt’s nur draußen – diesen Beitrag hochzuladen ist aufgrund der Moskitos der Horror!]

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