Antibiotikum rezeptfrei (Krank in Cusco)

Heute haben wir zur Abwechslung mal peruanische Soles-Scheine mit beiden Händen zum Fenster rausgeworfen. Im übertragenen Sinne, nicht wortwörtlich. Wir hatten für heute eine Tagestour ins Heilige Tal der Inkas gebucht – und natürlich bezahlt – und haben aufgrund von Fieber/Schüttelfrost/Husten usw. heute Nacht um 4 beschlossen, diese Tour nicht anzutreten. Wir wollten uns lieber schonen, damit Machu Picchu nicht auch noch ins Wasser fällt. Eine gute Entscheidung, aber ich bin dennoch ein bisschen enttäuscht. Die Tour ins Heilige Tal war 2006 DAS Highlight des Cusco-Besuchs schlechthin, das ich sehr gerne nochmal erlebt hätte. Aber immerhin haben wir gestern in einer halbtages-Tour wenigstens einen kleinen Eindruck von der grandiosen Umgebung Cuscos bekommen.

Statt Inkaruinen gab’s heute also stundenlang Tee im lokalen Starbucks. Das ist nämlich anscheinend die einzige Location hier, die über eine Heizung verfügt. Wir hätten gerne einem der zahlreichen “einheimischen” Cafés einen Besuch abgestattet, aber die Gefahr in einem Gefrierschrank zu landen ist einfach zu groß. Außerdem haben wir unser Sortiment an warmen Klamotten gestern und heute vervollständigt. Unter anderem bin ich jetzt im Besitz von mit Lamas bestickten Kniestrümpfen aus Alpaka-Wolle, die mich 2,50 Euro gekostet haben.

Und dann kam das, was anscheinend obligatorisch ist, wenn ich Cuscoer Boden betrete: Ein Gang in die Apotheke. 2006 aufgrund von Durchfall, diesmal aufgrund von Lars’ schlimmem Husten. Immer wieder ein Erlebnis. Die Apotheke, die wir aufgesucht haben, hieß – wie passend! – Inka Farma und sah von außen aus wie ein Drogeriemarkt. Meine erste Frage also: “Ist das hier eine Apotheke?”. Ja, hier waren wir richtig. Nach ausführlicher Schilderung der Symptome wurden uns vier verschiedene Medikamente ausgehändigt – die Tabletten genau abgezählt, ohne Schachel oder Packungsbeilage. Dazu gab es einen handgeschriebenen Wisch, dem zu entnehmen ist, wann was genommen werden soll. Das tolle: Genau 3 Tabletten starkes Antibiotikum waren auch dabei. Rezeptfrei, versteht sich. Ich überlege gerade schon, was ich schnell noch alles an Medikamenten brauchen könnte – so problemlos bekommt man das Zeug nie wieder…

Ansonsten haben wir uns heute noch einen Spaß daraus gemacht, uns auf die Plaza de Armas zu setzen, auf die Uhr zu schauen, und zu zählen wie viele Händler uns in einer bestimmten Zeitspanne anquatschen. Fazit: In 35 Minuten wird man 16 Mal angequatscht. Von DVDs über Machu Picchu, Schmuck, Popcorn und Regenponchos bis hin zu Schals, Mützen und Kuchen könnte man dort alles erstehen, ohne sich einen Zentimeter von der Stelle zu bewegen. Auch warme Maiskolben, Obstsalat und überreife Bananen sind des öfteren im Sortiment. Leider hatten wir heute keinen Bedarf an dieser Produktpalette.

Jetzt heißt es aber schnell das Licht ausmachen und schlafen. Morgen um 4:30 ist die Nacht vorbei und es geht mit dem “Vistadome”-Zug auf zu Machu Picchu. Spannend: Auf der hochoffiziellen ministerialen Eintrittskarte ist mein Name komplett falsch geschrieben. Hoffentlich gibt das nicht noch Ärger…

3 Kommentare

  1. Das mit den Medikamenten klingt spannen, in jedem Fall gute Besserung!

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