Peking rockt!

Ich mache gerade eine Wissenschaft daraus in welcher Zeit welches Kleidungsstück trocknet, nachdem ich es gewaschen habe. Vor dem Hintergrund dass ich nur für ungefähr 5 Tage Klamotten dabei habe, ist dieses Wissen essenziell. Nasse Kleidung in meinen Rucksack stopfen zu müssen wäre fatal.

Der Tag heute hat mit einem riesigen Frühstücksbuffet begonnen, an dem jedoch zunächst nichts Essbares zu finden war. Jedenfalls nichts, was ich unter dem Begriff “Frühstück” eingeordnet hätte. Es gab Dim Sum aller Art, gebratenen Reis, gedünstetes Gemüse und diverse Suppen. Von Wurst, Käse und Brot keine Spur. Mit diesen Seltsamkeiten gestärkt (und um einige Schauermärchen vom Nebentisch reicher, der gerade mit der Transsib aus Ulan-Bator angekommen war) ging es dann auf zum Sightseeing bzw. zur nächsten Comedy-Einlage unserer Chaos-Truppe. Brigitte, die Frau aus Krefeld (“Wir haben mehrere Flaschen Schnaps im Gepäck”), verfällt in jedem Ramschladen dem Shopping-Wahn während die Kimono-Amis (“This is so fantastic! Wonderful!”) permanent verlorengehen und bei nichts wirklich durchblicken. Das liegt vielleicht daran dass unsere momentane Reiseleiterin Xiying (von uns Verena genannt) kein Englisch spricht. Wie der Rest der Chinesen halt auch.

Wir waren am Platz des Himmlischen Friedens, haben den Kaiserpalast besichtigt, beim Mittagessen eine Toilette vorgefunden, die denen in der Transsib wahrscheinlich in nichts nachsteht (ein ganz besonderes Erlebnis für Sandalenträger wie mich), und haben bei sintflutartigen Regenfällen einen Lama-Tempel bestaunt. Das hat mich besonders beeindruckt: Die vielen (Buddha)-Figuren, eine davon 23 Meter hoch, und die Leute, teilweise auch sehr junge, die diese Figuren anbeten und ihnen Weihrauch opfern. Erst da wurde mir bewusst wie befremdlich auf jemanden aus unserem Kulturkreis eine solche “Götzenbildverehrung” (ich meine diesen Begriff nicht negativ) wirkt.

Zuletzt wurden wir noch durch einen riesigen Perlenladen geschleust. Die chinesische Regierung schreibt vor, dass jeder Tourist eine “staatliche Produktionsstätte” besichtigen muss. Bei uns warens halt Perlen, Millionen an der Zahl, und gefühlt ebensoviele aufdringliche Chinesinnen, die uns versucht haben die Dinger (Ketten, Ohrringe, Armbänder) anzudrehen. Shopping-Brigitte hat sich dort als echter Profi erwiesen und den Laden mit einer Halskette für 300 Euro verlassen, die ein paar Minuten vorher noch 660 Euro gekostet hatte. Die will sie jetzt in der Mongolei tragen. Wir anderen haben lieber den Mund gehalten.

Bestürzendste Info des Tages: Der normale Chinese hat null Tage Urlaub im Jahr. Nur die höheren Schichten, wie Beamte, bekommen Urlaubstage.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich nun in Richtung Mongolei. Morgen um 08.05 fährt unser Zug los. Sofern es in Ulan-Bator Internet gibt melde ich mich übermorgen Abend wieder und hoffe, dass die heute gehörten Transsib-Schauergeschichten nicht der Wahrheit entsprechen…

5 Kommentare

  1. Ok, und die Perlenkäuferin hätte den Kram hier sicher für 2,95€ bekommen?

  2. Die Fotos sind verzerrt, da muss wohl mal einer ran und schauen, ob das nicht auch anders geht 😉

  3. … und wie viele Winke-Katzen hast du schon gekauft ;P

    So lange du auf den Bildern so grinst, kanns gar nicht so schlimm sein 🙂

  4. hehe somebody, ich weiß wer Du bist, aber ich gebe dir Recht. So schlimm kann es nicht sein!

  5. hihi ich hätte fast gewettet wie lange es dauert bis zum ersten Toilettenkommentar. 😉 Aber die Reisegruppe hört sich interessant an, zumindest hast du was zum Lachen. Verstehe nur nicht wie eine Reiseleiterin bei einer internationalen Gruppe kein Englisch kann.

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