Der große Wurstschmuggel – oder: Ohne Visum bitte draußen bleiben! (26. Juni)

Wir sind zurück in der faszinierenden Stadt Peking – von der ländlichen Ruhe mitten ins pulsierende Leben. Größer könnte der Unterschied fast nicht sein!
Mit dem Bus ging es gestern Vormittag zunächst in 45 Minuten zum Flughafen von Ulan-Bator. Dort gab es nur einen Ausgang zum Flugzeug, und sämtliche auf dem Monitor angezeigten Flüge gingen in Städte, von denen ich noch nie gehört hatte. Das Mittagessen im Air-China Flugzeug war abenteuerlich: es gab tatsächlich Tintenfisch… (mir hats geschmeckt, meine Mitreisenden blieben hungrig).

Nachdem Shopping-Brigitte tatsächlich die Hotelangestellten dazu gebracht hatte, eine Waage zu organisieren, und daraufhin erfreut feststellen konnte, dass ihr Koffer mehrere hundert Gramm unter dem zulässigen Höchstgewicht wog, waren in dieser Hinsicht schon mal keine Probleme zu erwarten. Probleme traten dafür in anderer Hinsicht auf: Bei der Einreise nach China.

Wir hatten zwar ein Visum für China, das aber durch unsere erste Einreise vor zwei Wochen ungültig und sogar von Hand durchgestrichen worden war. Ich hatte vor Wochen schon beim Visums-Service angerufen und wegen der zweiten Einreise nachgefragt. Dort wurde mir gesagt, dass man, wenn man sich weniger 72 Stunden in China aufhält, kein Visum braucht, weil das “Transit” ist. Schon damals habe ich mich gefragt, wie man bitte beweisen soll, dass man innerhalb von 72 Stunden wieder ausreist – im Zeitalter von e-Tickets hat man ja tendenziell eher alles im PC anstatt schwarz auf weiß in der Hand. Es kam also wie es kommen musste: Wir stellen uns in die ewig lange Schlange bei der Immigration, die Grenzerin fängt uns ab und sagt uns erstmal, dass wir eine Einreisekarte ausfüllen müssen.

Das ist auch so ein Mysterium: Normalerweise wird die Einreisekarte ja im Flugzeug verteilt. Bei Air China nicht. Man muss also aus der Schlange bei der Immigration wieder raus, sich irgendwo diese Karte organisieren und sich erneut anstellen. Das Pendant zur Einreisekarte ist eine Ausreisekarte, die aber bei der Ausreise in die Mongolei kein Mensch sehen wollte. Wir haben also die komische Karte ausgefüllt und uns erneut angestellt. Dann riesen Diskussionen mit der Grenzerin über unseren “Transit-Status”. Ich weiß nicht, wie wir es am Ende geschafft haben, ins Land gelassen zu werden. Meine Mitreisenden waren ziemlich mit den Nerven fertig. Nach gefühlten Stunden kamen wir beim Kofferband an. Einzig und allein mein Rucksack rotierte auf ihm herum, ich schnappe ihn mir, danach bleibt das Band stehen. Die Koffer der anderen waren nicht zu sehen. Ich habe sofort vermutet, dass “der große Wurstschmuggel” aufgeflogen ist: Meine Mitreisende Doris hatte in Ulan-Bator mehrere Hartwürste gekauft, die sie als Souvenir in Deutschland verschenken wollte. Merke: “Die Einfuhr von Fleischprodukten nach China ist nicht gestattet”. Wir sind dann Koffer-suchend in der Halle herumgeirrt, bis wir die fehlenden Koffer einsam und verlassen vor dem Lost&Found-Office von Air China fanden. Den Würsten schien es gut zu gehen. Und dann kam das richtig wahnwitzige: Der Zoll. Mit einer erneuten (wenn auch stichprobenartigen) Durchleuchtung des Gepäcks. Prompt wurde Wurst-Schmugglerin Doris aus der Schlange gezogen und musste ihr Gepäck durchleuchten lassen. Und NICHTS ist passiert!!!! Ganz ehrlich, diese ganzen Sicherheitskontrollen sind doch eine Farce, wenn nicht mal 5kg Hartwürste im Gepäck entdeckt werden!!!!

Mittlerweile sind wir also wieder in Peking. Unser neuer Reiseleiter, ein ca. 40-jähriger Chinese namens Mung, der nicht lächeln zu können scheint, der stur und unflexibel seine Programmpunkte durchzieht, ständig “die Partei” lobt, die so viel gutes für das chinesische Volk tut, und auch noch keinen Hehl daraus macht, dass er es unmöglich findet, dass wir in die Mongolei gereist sind, anstatt mehr über sein tolles China zu erfahren, hat uns dann erstmal zur Shopping-Meile von Peking gebracht wo wir ultimative 40 (!) Minuten Zeit hatten zu shoppen. Unfähiger Reiseleiter hin oder her: Ich komme leider nicht umhin Peking erneut grandios zu finden. Die Stadt ist einfach der Hammer!!!! Ich bedauere sehr, keine Zeit zu haben, sie näher zu erkunden. Aber vielleicht ist das ganz gut für meine Gesundheit – der Smog ist so dick, man kann die Luft schneiden.

Highlight: lebende, zappelnde Skorpione am Spieß, die als Snack verkauft werden.

Enttäuschung: die Chinesische Mauer. Nichts als Stufen, sehr schmal, tausend Mal auf Fotos gesehen und überfüllt mit nervigen Chinesen, die total scharf drauf sind, sich mit einer “Langnase” fotografieren zu lassen. Aber, bleiben wir objektiv: Bei 90% Luftfeuchtigkeit, 35 Grad Außentemperatur und Smog-sei-Dank eine Sichtweite von gefühlt 50 Metern hätte man mich wahrscheinlich mit keinem Bauwerk auf der Welt beeindrucken können.

Sehr interessant war dann noch eine chinesische Teezeremonie sowie ein echtes Peking-Ente-Essen. Ich wussste nicht, dass in China die Peking-Ente labbrig statt knusprig ist und in einen ebenso labbrigen runden Teigfladen eingewickelt wird. So unglaublich lecker das chinesische Essen auch ist: die Peking-Ente war absolut nicht mein Geschmack.

Morgen geht es zurück nach Hause… Dann bleiben 12 Tage um alles vorzubereiten für den nächsten Trip: 100 Tage Südamerika…!

4 Kommentare

  1. Da sind wir doch mal alle froh, dass Ihr euch an der Grenzerin vorbeigeschmuggelt habt. Aber eins noch, die Würste hätte ich jetzt auch hier erwartet. 😉

    • Wenn ich gewusst hätte, dass so ein Wurst-Schmuggel so einfach ist hätte ich halb Ulan-Bator leergekauft. Aber ich bin ja anständig. Und mit chinesischen Grenzern Probleme zu kriegen ist bestimmt nicht so angenehm…

  2. Bei der Immigration Zollkontrolle habe ich seit eh und jeh den Eindruck das eher die lieben chineischen Landsleute als die Touristen kontrolliert und ggfs. abkassiert werden. Man will die Touristen ja nicht verärgern. Anders sieht es bei den Kontrollen in Bahnhöfen (Zug und U-bahn) aus. Da wird jedes Gepäckstück und Rucksack nach Waffen durchleuchtet. Etwas ganz besonderes ist uns beim Besuch des Platz des Himmlischen Friedens in Peking passiert. Den Platz kann man nur an 4 Kontrollpunkten betreten und jeder wird durchsucht und jedes Gepäckstück wird durchleuchtet. Ich war mit Patrick im Buggy schon durch und meine Frau mit dem Rucksack mit Milch, Ersatzklamotten und Windeln wurde untersucht und der Rucksack durchleutet. Prompt musste der Rucksack geöffnet werden. Die Polizisten hielten die Windeln für Flugblätter! Meine Frau fühlte sich mit ihren 30 Jahren gebauchpinselt weil die Polizisten wohl meinten sie sei noch Studentin….

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