Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten (Nachtrag vom 16. Juni)

Mit Bestürzung stelle ich fest dass der moderne Viehzüchter von heute seine Herde nicht mehr mit dem Pferd umkreist, sondern mit dem Motorrad. Jeder Nomade scheint eines zu besitzen. Es sieht schon etwas seltsam aus, wie sie da in ihrer Tracht draufsitzen, teilweise sogar zu viert: Mutter, Vater, dazwischen zwei Kinder. Mit ebensoviel Bestürzung habe ich vernommen dass der moderne Nomade von heute seinen Müll in der Pampa entsorgt. So wie die meisten anderen Mongolen auch. Es liegt überall im Land Müll rum, was einem den Genuss der Landschaft schon etwas vermiest. Wenn ich näher drüber nachdenke ist das entsetzlich traurig. Es geht nicht in meinen Kopf rein, dass solche Naturvölker so mit ihrer Landschaft umgehen.
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Zu Besuch bei den Nomaden (17. Juni, mongolische Steppe)

Interessante Selbsterfahrung, wirklich. Ich bin für das Leben in der Steppe nicht geschaffen. Heute Nacht, als der Eiswind um meine Jurte pfeifte, ich mir sämtliche Wolldecken aus dem zweiten Bett geholt habe und meine Zehen trotzdem die ganze Nacht nicht warm wurden, hatte ich einen kleinen Mongolei-Koller. Es hatte 11 Grad in der Jurte, das Camp lag auf über 2000 Meter. Ich könnte hier niemals überleben. Mit den Decken über mir wars zwar auf mir schon warm, aber der Wind zog unter dem Bett durch und hat meine Unterseite tiefgefroren. Dazu die Panik; womöglich aufs Klo zu müssen. Niemals wäre ich da raus…! An Schlaf war also nicht zu denken. Trotzdem ist das Aufstehen dann immer besonders hart: sich bei 11 Grad umziehen, in Badelatschen durch die Kälte zum Dusch-Haus laufen und mit nassen Haaren durch die Kälte zurück. Um halb 8 ist immer Frühstück (das wird zugeteilt, es gibt immer Spiegelei), um 8 Abfahrt. Weiterlesen

Hagelsturm im Niemandsland (16. Juni, mongolische Steppe)

3. Tag im Jurtencamp. Wir sind in the middle of nowhere, es gibt keinen Handyempfang, aber exzellente Wassermelonen als Nachspeise. Es ist mir ein Rätsel wie die hier das mit der Logistik machen. Zwar gibt es hier um die Ecke eine Mini-Stadt (vielleicht 1000 Einwohner), aber die ist nur über eine quasi nicht-passierbare “Straße” zu erreichen. Vielleicht wirft man die Wassermelonen mit dem Flugzeug ab. Ich sitze in meiner Jurte, der Ofen ist leider ausgegangen, und stelle fest dass 0,5 Liter Bier eine schlechte Idee ist wenn das Klo weit entfernt ist und außen ein eisiger Wind weht. Aber es muss in jedem Fall vermieden werden, nachts da raus zu gehen. Also lieber jetzt noch 5x laufen.  Weiterlesen

Mongolische Kuriositäten (15. Juni)

(Hallelujah!!!! Wir sind zurück in Ulan-Bator, zurück in der Zivilisation und zurück in der Welt des Internets. Während unserer 11-tägigen Jurten-Camp-Odyssee quer durch die Mongolei habe ich Tagebuch geführt. Meine Leidensberichte 🙂 poste ich nach und nach hier. Viele Fotos gibts im Nachgang wenn ich wieder daheim bin; in den Posts findet ihr nur einige ausgewählte. Los geht’s mit dem 15. Juni:)

Heute ziehe ich den Erstickungs- dem Erfrierungstod vor und habe mir den Ofen in der Jurte anschüren lassen. Ich verstehe jetzt, warum die Leute früher mit 40 gestorben sind. Morgen ist mein gesamtes Hab und Gut geräuchert. Ich bilde mir ein, das Handy-Display ist von Ascheflocken bedeckt. Und irgendwie ists jetzt fast zu warm zum Schlafen. Weiterlesen

Willkommen in der Mongolei!

Heute ist der 2. Tag im mittlerweile 2. Jurtencamp. Ich sitze in meiner eigenen, bunten Jurte, außen scheint endlich wieder (nach Dauerregen gestern und einer Nacht bei 13,5 Grad in der Jurte) die Sonne, aber es pfeift ein eisiger Wind. Gerade habe ich 2x eine Hornisse aus meiner Jurte befördert, während meine Nachbarin in ihrer zwei Erdhörnchen entdeckt hat.
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Transsib Teil 3

Es ist 21 Uhr abends (14. Juni) und ich sitze eingekuschelt in einer mongolischen Jurte. Außen pfeift der Wind, die Toilette befindet sich (gefühlt) einen Gewaltmarsch entfernt, und mir tun von der heutigen 300 km Jeep-Fahrt über nichtvorhandene Straßen alle Knochen weh. Aber weiter in der Chronologie und zurück zur Transsibirischen Eisenbahn.  Weiterlesen