Eindrücke aus unbekanntem Terrain:
Markus Huth mit “Ohne Plan durch Kirgisistan”

Fast wäre ich auch schon mal in Kirgisistan gelandet. Als ich meine Mongolei-Reise gebucht hatte, hieß es zunächst, dass die Reise aufgrund zu geringem Interesse nicht zustandekommen würde. Stattdessen stünde Kirgisistan auf dem Programm – ein Land, von dem ich echt gar nichts wusste. Eigentlich war es mir nur durch den abgefahrenen Kurzfilm “The Road to Karakol” bekannt, den ich auf der European Outdoor Film Tour gesehen hatte*. Kurz bevor es dann tatsächlich nach Kirgisistan gehen sollte, hatten sich plötzlich doch genug Leute für die Mongolei gefunden. Seitdem ist Bishkek einer meiner Sehnsuchtsorte. Irgendwann fahr ich da hin.

*Der Macher dieses coolen Filmchens, Kyle Dempster, ist letztes Jahr beim Bergsteigen in Pakistan tödlich verunglückt. Er war 33 Jahre alt.

Kirgisistan: Da muss man hin!

Markus Huth war da schneller als ich. Zusammen mit seinem österreichischen Kumpel Franz ist der 35-jährige Journalist für vier Wochen in das Land gefahren, das man schon aufgrund seiner Flagge einfach mögen muss: Sie zeigt eine als Sonne stilisierte Jurte auf rotem Hintergrund, mit 40 Strahlen, für die 40 Stämme Kirgisistans.

Ohne Plan, ohne Handy und ohne Internet bereisen Markus und Franz das Land – ein kurioser Roadtrip durch unbekanntes Terrain. Genial sind die geschilderten Begegnungen mit den Kirgisen, die Berichte über deren Lebensweise, die Beschreibung der traumhaften Landschaft und die Infos über die aufregende Geschichte des Landes. Jetzt weiß ich: Es gibt Kirgisen, die kein Kirgisisch sprechen. Die Bishkeker finden ihr eigenes Land, mit seinen Nomaden, den Jurten und den Tieren quasi genauso exotisch wie wir aus dem fernen Deutschland. Und: Es gibt in Kirgisistan noch Nachfahren von Deutschen, die vor Hunderten von Jahren ausgewandert sind, und die nicht sonderlich scharf auf Besuch sind.

Das Buch: Ein Volltreffer!

Während Ihrer Reise geraten Markus und sein Kumpel in die Fänge selbsterannter Reiseführer im Taliban-Look, werden von einem Taxifahrer an einen überfüllten Kleinbus weiterverkauft, und auch noch im hintersten Winkel des Landes von der tatsächlich existierenden kirgisischen Tourismusbehörde in Empfang genommen. Das Ganze garniert mit Markus Huths megalustigem und scharfsinnigem Schreibstil – ich konnte das Buch schier nicht mehr weglegen.

Kurzgesagt also: Dieser Debutroman ist ein Volltreffer, und wenn es nach mir geht, darf Markus Huth gerne bald wieder ohne Plan auf Reisen gehen. Und wer nach dieser Lektüre immer noch nicht das Gefühl hat, dass er ganz dringend nach Kirgistan muss, der sollte sich nochmal gewissenhaft die absolut atemberaubenden Fotos im Mittelteil des Buches ansehen. Bishkek, ich komme!

(Kleine Nebeninfo, um das richtigzustellen: Unsere nächste Reise geht (leider?) nicht nach Kirgisistan, sondern nach Nova Scotia in Kanada. Unser Russisch ist derzeit zu schlecht, um Kirgisistan auf eigene Faust tatsächlich zu wagen. Da hat uns Markus Huth etwas voraus!).

Hier geht’s zur Website von Markus Huth


Markus Huth
Ohne Plan durch Kirgisistan – Auf der Suche nach dem wilden Ende der Welt
Penguin Verlag
10. April 2017
224 Seiten
ISBN: 978-3328100478
13 Euro

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