Kanada/Nova Scotia (10): Wolfville und Shubenacadie Wildlife Park

Das nächste Ziel unserer Reise hatte den lustigen Namen Wolfville. Eine nette Studentenstadt mit einer kleinen schönen Innenstadt. Die Inhaber unserer dortigen Unterkunft waren zwei supernette Schweizer, die 2009 nach Calgary ausgewandert sind und erst kürzlich das Bed & Breakfast in Wolfville übernommen haben. Die beiden erzählten uns allerhand Überraschendes über das Leben in Kanada – zum Beispiel, dass jedes Jahr ab dem ersten Schneefall das große Verkehrschaos ausbricht und man von da an jeden Tag Autos im Straßengraben liegen sieht.

Auch Bildung und Ausbildung sind laut ihren Aussagen eher mäßig. Angestellte kommen und gehen wann sie wollen und machen oft nur das, was sie sollen, wenn man ihnen vorher eine Checkliste hinlegt. Und auch für Handwerker scheinen Termine eher unverbindliche Zeitangaben zu sein. All diese Erzählungen haben erneut mein Kanada-Bild ziemlich ins Wanken gebracht. Mich hat natürlich auch interessiert, was sie von kanadischen Zahnärzten halten. Dazu konnten sie nichts sagen – Arztbesuche werden anscheinend während Heimaturlauben in der Schweiz in Anspruch genommen. Das sagt schon einiges…

Wanderung zum Cape Split

Diese Plumpsklos sind nach etwa 30 Minuten Fußmarsch mitten im Wald aufgetaucht.

Um Wolfville herum gibt es (angeblich) viele Weißkopfseeadler, von denen wir leider nur vereinzelte Exemplare hoch oben in der Luft zu Gesicht bekamen. Außerdem wird eine Wanderung zum Cape Split angepriesen, einer Landzunge, die in die Bay of Fundy hineinragt. Laut Reiseführer genießt man dort “atemberaubende, unvergessliche Blicke (…) auf einzigartige Felsgebilde”.

Ich fasse unsere Wanderung wie folgt zusammen: Da der Trail one-way ist, wie leider so viele Wanderwege in Nova Scotia, läuft man sechs Kilometer in die eine Richtung und sechs Kilometer in die andere. Da man sich ständig im superdichten Wald befindet, hat man nie auch nur den Hauch eines Blickes. Statt schönen Blicken begegnet man aber unheimlich vielen übergewichtigen Kanadiern in kurzen Hosen, die mit nichts anderem als einem Kaffeebecher bewaffnet diese dreistündige Wanderung auf sich nehmen. Flipflops sind ein beliebtes Schuhwerk, das man auf einem solchen Unterfangen trägt. Wir haben, als wir die zwölf Kilometer schon hinter uns hatten, einem Neuankömmling noch den Tipp gegeben, doch etwas Wasser mitzunehmen. “Ich habe keinen Rucksack”, war die Antwort, und er ist losmarschiert.

Hat man das Ende des Wanderweges erreicht, hört der Wald urplötzlich auf, so dass der Wind mit voller Wucht über die Ebene fegen kann. Mir blieben die vom Reiseführer angekündigten “atemberaubenden,  unvergesslichen Blicke” deshalb leider verborgen, weil der Wind selbst nämlich atemberaubend und unvergesslich war. Ich konnte mich keinen Meter bewegen ohne Angst zu haben, über die Klippe geweht zu werden. Also bin ich lieber schnell zurück in den Wald und habe mich von den herzallerliebsten Streifenhörnchen, die überall herumwuseln, mit Eicheln bewerfen lassen. Der Lars hat sich zwar bis zur Klippe vorgewagt, fand den Blick aber nicht atemberaubend.

Shubenacadie Wildlife Park

Da wir eigentlich davon ausgegangen sind, dass wir während unseres Urlaubs deutlich mehr Wildlife als nur Eichhörnchen, Streifenhörnchen und tote Tiere am Straßenrand zu Gesicht bekommen würden, haben wir uns für den Besuch des Shubenacadie Wildlife Park entschieden. Wir mögen keine Tiere in Gefangenschaft und boykottieren seit unserem Besuch des Tiergartens in Buenos Aires Zoos aller Art. Aber wieder abreisen ohne wenigstens einmal ein lebendes Stachelschwein oder ein lebendes Stinktier gesehen zu haben, wollten wir dann auch nicht.

Leider entsprach der Wildlife Park bei weitem keinen westlichen Standards. Die Tiere – die angeblich (!) schon in Gefangenschaft geboren wurden oder nicht mehr rehabilitiert werden können – wurden in viel zu kleinen Käfigen gehalten; manche, wie das supergoldige Stachelschwein, hatten schon merklich einen Koller. Es war zwar interessant, Tiere, die wir noch nie gesehen haben, zu betrachten, aber insgesamt war der Wildlife Park eher ein trauriges Erlebnis. Besonders schlimm finde ich Vögel in Käfigen, egal ob Wellensittich oder Weißkopfseeadler. Und in diesem Wildpark gab es zu allem Überfluss auch noch eine (kleine) Voliere mit Elstern. Ich kenne Elstern nur als Tiere in Freiheit. Deswegen haben mich diese eingesperrten schönen Vögel besonders bedrückt. Gerade in einem Land, in dem Platz keine Rolle spielt, muss es doch möglich sein, Wildparks mit natürlichereren Umgebungen für Tiere zu schaffen!

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