Zurück in Ulan-Bator (25. Juni)

Wir sind zurück in der Zivilisation, hurrah! Die letzte Nacht im Jurtencamp war leider Dank des ganzen Ungeziefers auch die schrecklichste. Jedes Camp wird von einer mongolischen Familie geführt, und da hilft echt jeder tatkräftig mit. Meist wohnt die Familie selbst in Jurten auf dem Gelände (deren Jurten haben dann aber Satellitenschüsseln…). Bislang waren ausnahmslos alle Familien überaus bemüht, den Aufenthalt für uns so angenehm wie möglich zu machen, aber das letzte Camp hat echt versagt. Leider gab es irgendwo im Camp auch einen Dauerschnarcher, was unheimlich nervig war. Ich hab irgendwann aufgegeben und versucht, an meine Ohrenstöpsel zu kommen. Angesichts des Käfer- und Spinnenmeeres auf dem Jurtenboden war das gar nicht so einfach. Interessante Knacklaute geben diese Viecher von sich wenn man drauftritt. Meine Jurte (und leider auch das Bett) sah am nächsten Tag vielleicht aus… Widerlich.

Wir waren alle ziemlich froh als wir gegen 8 Uhr morgens ein letztes Mal in unsere Jeeps gestiegen und Richtung Ulan-Bator aufgebrochen sind. Wieder ist uns dabei die neue “Autobahn” begegnet, die irgendwann Dalanzadgad mit Ulan-Bator verbinden soll. Und wieder war darauf außer uns und hunderten von Tieren niemand darauf unterwegs. Ca. 50 Kilometer vor Ulan-Bator, mitten in der Pampa, kam plötzlich auf dieser Autobahn ein Schild – Schilder haben im ganzen Land Seltenheitswert -, und zwar “Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20km/h”. Wir fragen uns noch “Hä? Warum das?” als die Autobahn einfach so, ohne Vorwarnung in eine immens schlechte Sandpiste übergeht. Anscheinend hat man hier, mitten im Nichts, einfach aufgehört zu bauen. Ich kann nur staunen.

Unter einem grandiosen Himmel mit Wattewölkchen haben wir schließlich, nach 6 Stunden Fahrt, die grünen Hügel von Ulan-Bator erreicht. Eine Shopping-Mall, ein Internat, ein Kraftwerk – die Großstadt hatte uns wieder. Wir wurden in ein superstylishes Lokal zum Mittagessen gebracht. Als ich mir dort die Hände waschen ging hat es mich richtig übermannt – fließendes Wasser, so viel man braucht, Seife, Papierhandtücher… Das Paradies. Ich kann verstehen, dass viele ihre nomadische Freiheit zugunsten des westlichen “Luxuses” aufgeben. (Wobei die Freiheit, die wir so ja gar nicht kennen, vermutlich das wertvollere Gut ist).

Wir wurden anschließend noch durch einen Kaschmirshop geschleust (die Mongolei ist einer der Haupt-Produzenten von Kaschmirwolle) wo es endlich zu dem kam, was man auf Reisen in exotische Länder erwartet: Unser kulturloser und weltfremder Amerikaner bekam mitten im Shop eine Durchfallattacke. (Ich war zum Glück nicht anwesend). Es muss eine riesige Sauerei gewesen sein. Inklusive frische Klamotten aus dem Koffer holen usw. Zusammen mit Raimund, der seit vorgestern Fieber und Schüttelfrost hat, lag der Ami den restlichen Tag flach.

Und einen neuerlichen Supermarktbesuch habe ich mir noch gegeben. Es gibt alles – davon unheimlich viele deutsche Produkte – und alles ist unglaublich billig. Bei einem Durchschnittsverdienst von 200 Euro im Monat ist das aber auch kein Wunder.

Interessant: Unser Tourguide fährt am Freitag mit ihrer Tochter nach Peking. Bis zur Grenze mit dem Zug, dann weiter mit dem Bus. Ihre Tochter hat ein Stipendium für ein Studienjahr in Schweden bekommen und braucht nun ein Visum. Da es in der Mongolei nur wenige Auslandsvertretungen anderer Länder gibt müssen die Mongolen für solche Zwecke immer bis nach Peking – und zwar 2x: Einmal zur Beantragung des Visums, einmal zur Abholung.

In einer Stunde fahren wir zum Flughafen – es geht zurück nach Peking. Es wartet ja schließlich noch die chinesische Mauer auf uns.

2 Kommentare

  1. Oh Suzy, das sind too much Details. Das will man doch als Leser gar nicht so genau mit Konsistenz und Farbe wissen 🙁

    • Ich hätte da noch ganz andere Stories auf Lager… Der Ami hatte sowas mehrmals drauf. Aber das erspare ich meinen Lesern lieber…!

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