Willkommen in der Mongolei!

Heute ist der 2. Tag im mittlerweile 2. Jurtencamp. Ich sitze in meiner eigenen, bunten Jurte, außen scheint endlich wieder (nach Dauerregen gestern und einer Nacht bei 13,5 Grad in der Jurte) die Sonne, aber es pfeift ein eisiger Wind. Gerade habe ich 2x eine Hornisse aus meiner Jurte befördert, während meine Nachbarin in ihrer zwei Erdhörnchen entdeckt hat.

Und die Mongolei ist sooo anders als ich dachte… Die Nomaden besitzen mittlerweile Solarzellen, Satellitenschüsseln und Kühlschränke, sie befördern ihr Hab und Gut nicht mit dem Pferd sondern per LKW von A nach B und die Frage, ob Frauen ihre Kinder in der Jurte zur Welt bringen hatte blankes Entsetzen zur Antwort. Es ist gesetzlich vorgeschrieben 2 Wochen vor dem Geburtstermin in ein Krankenhaus zu gehen.

Die Mongolei begrüßte uns am Hauptbahnhof von Ulan-Bator in Form von unserem Tour-Guide Byamba, einer ca. 50-jährigen energiegeladenen und unheimlich gut draufen Mongolin, die einst in der DDR Bauingenieurwesen studiert hat und sehr gut deutsch spricht. So ganz anders als die chinesische Reiseleiterin, die nur ihr Pflichtprogramm abspulte. Wir wurden in eine Art American Diner zum Mittagessen gebracht, mit sauberen Toiletten, Englisch sprechenden Bedienungen und super Stimmung. Und gleich die erste Überraschung: Rauchen ist hier in der Öffentlichkeit verboten, auch im Freien.

Aaaaaah, jetzt läuft auch durch meine Jurte ein Erdhörnchen! Wehe, das krabbelt in meinen Rucksack…. Und meine Beine brennen… Hier ist zwar ein überraschender Teil der Vegetation so wie bei uns – Löwenzahn, Gänseblümchen usw. – aber die Brennnesseln sehen leider anders aus. Ich latsch also beim Pinkeln in der Pampa voll ins Brennnesselfeld… Und die Dinger brennen wie die Sau. Übrigens riecht es hier überall ziemlich chemisch. Mich erinnert es an Dixie Klos. Das ist Wermut, ein Gewürz. Das wächst hier überall. Ich finde den Geruch furchtbar.

Von Anfang an war ersichtlich, dass die Mongolei alles dafür tut um den Tourismus zu fördern. Super Essen, freundliche Menschen, überall ist es sauber. Die Kinder lernen Englisch in der Schule, kein Russisch und 9 Schuljahre sind Pflicht; auch für die Nomaden. Und, wir sind und alle einig: die Mongolei ist kein armes Land. Vielleicht nach westlichem Denken, wo man arm ist wenn man kein Haus und keine Millionen Gegenstände besitzt. Aber die Leute hier scheinen ziemlich zufrieden zu sein. Wir haben noch keinen Bettler gesehen, das Lieblingsauto der Mongolen ist Mercedes und Ulan-Bator ist eine ziemlich normale, laute und verstopfte Großstadt, in der man im Supermarkt alles kaufen kann, was man so braucht. Kein Vergleich z.B. zu La Paz in Bolivien, das WIRKLICH arm wirkt. (Die Erdhörnchen machen mich wahnsinnig. Ich stelle meinen Rucksack lieber mal aufs Bett.) Interessant: Arbeitslose bekommen kein Geld vom Staat, da man davon ausgeht, dass sie einfach nicht arbeiten wollen. Wenn sie keine Arbeit finden sollen sie halt woanders hingehen, wo es Arbeit gibt. Es gilt die 40-Stunden-Woche, und der Jahresurlaub steigert sich je nach Anzahl der abgeleisteten Arbeitsjahre, man fängt mit 2 Wochen an. Und die Menschen sind so hübsch! Das hatte ich nicht erwartet. Ich glaube, ein bisschen Dschingis Khan (das H wird nicht ausgesprochen) ist in allen von ihnen erhalten geblieben.

So, nachdem ich mich jetzt zum (widerlichen) Klo begebe könnte ich ja schon mal versuchen, diesen Text hier loszuschicken. Im Haupthaus gibt es schlecht funktionierendes Internet. Vielleicht habe ich ja Glück. Ich hoffe, ich finde nachher noch Zeit weiterzuschreiben. Es gibt soooo viel zu erzählen!

2 Kommentare

  1. Die Mongolei hätte ich auch ganz anders erwartet – sehr interessant. Eine schöne Zeit in deiner Erdhörnchen-Jurte 😉

  2. Wirklich interessant, nicht wahr somebody. Ich habe heute aber auch einen Artikel gelesen, dass jeder Mongole aufgrund der Rohstoffvorkommen rechnerisch Millionär ist. Welche Währung bei der Berechnung herangezogen wurde bzw. ob Abbaukosten usw. schon abgezogen sind erschließt sich aus dem Artikel leider nicht.
    Die selbe Berechnung gibt es auch für Norwegen. Dort ist jeder Einwohner Millionär, denn der staatliche Ölrücklagenfond ist in Norwegischen Kronen geführt…

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