Landgang 4: Dubrovnik, Kroatien

Kroatien (15)(Samstag, 3. September 2016) Ursprünglich dachte ich, man macht eine Kreuzfahrt, weil man in möglichst kurzer Zeit möglichst viele verschiedene Orte besuchen möchte. Wir aber stellen fest, dass die Landgänge fast schon Nebensache sind und man stattdessen so viel Zeit wie möglich auf dem Schiff verbringen möchte. Es zieht uns immer wieder zurück in unsere Kabine, in die TUI-Bar, ins Anckelmannsplatz Buffet-Restaurant. Deshalb war es auch nicht schlimm, dass unser Besuch in Dubrovnik (der Besuch, nicht die Stadt an sich) gestern eine ziemliche Enttäuschung war.

Dubrovnik hat 45.000 Einwohner. Deutlich weniger wohnen in der komplett von einer Festungsmauer umgebenen Altstadt. Auf ebendiese Altstadt wurden gestern vier Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig losgelassen (die Costa Mediterranea war nicht dabei – vielleicht ist sie inzwischen gesunken). Das hat zur größten Ansammlung von Touristen geführt, die ich jemals außerhalb von Machu Picchu gesehen habe. Die Kombination von Menschenmassen, engen Gassen und 33 Grad Außentemperatur war nicht sonderlich gelungen. Dazu kam, dass wir in jedem Laden, den wir betraten, von sämtlichem Verkaufspersonal gekonnt ignoriert wurden. Ich schließe daraus nicht, dass die Kroaten grundsätzlich unfreundlich sind, sondern dass sie schlichtweg von dem Touristenansturm genauso genervt waren, wie wir.

Im Grunde genommen wäre die Altstadt von Dubrovnik recht schön: Sehr mittelalterlich, überall mit tollem Steinfußboden, schöne Kirchen, historische Gebäude. Dazwischen eine Menge einladender Restaurants, und ein paar nette Läden (vor allem Schmuck und Feinkost). Aber mit diesen Menschenmassen – nein Danke! Nach nicht mal einer Stunde in der Stadt haben wir uns zurück zum Shuttlebus gekämpft, der uns wieder zum Schiff brachte. Fazit: Wir haben keinen einzigen Cent in der Stadt gelassen.

Nach meinem täglichen Fitness-Studio-Besuch und dem obligatorischen Cappuccino in der TUI-Bar haben wir nochmal ausgiebig das Schiff erkundet. Dabei haben wir festgestellt, dass die Burger-Bar am Pool-Deck doch tatsächlich 24 Stunden täglich geöffnet hat! Interessant war auch, die Auswahl der Liegeplätze unserer Mit-Passagiere genauer uner die Lupe zu nehmen. Neben dem bzw. im Schlot des Schiffes, ganz oben auf Deck 14 ist nämlich ein ohrenbetäubend lautes Gebläse. Vermutlich die Abluft der gesamten Schiffsklima-Anlage und der Bordküche zusammen. Und direkt um dieses Gebläse ist das Sonnendeck. Also liegen dort die Leute und lassen sich von dem Gebläse beschallen. Zusätzlich riecht es dort oben auch immer ein bisschen nach Benzin. Dafür, dass wir uns da hinlegen würden, müsste man uns Geld bieten. Eine andere interessante Liegefläche befindet sich direkt unter den aufgehängten Rettungsbooten. Ich vermute, es ist ein schneller Tod, wenn so ein Boot mal runterkommt…

Zum Abendessen waren wir wie immer im „Atlantik“. Mittlerweile essen wir das gesamte Fünf-Gänge-Menü und sind beeindruckt davon, dass das tatsächlich im All-Inclusive-Preis mit drin ist. Das relativiert den Reisepreis schon sehr! Inzwischen bin ich der Meinung dass das Preis-Leistungsverhältnis auf der „Mein Schiff“ echt top ist. Alleine das Abendessen würde ein Vermögen kosten, wenn man es extra bezahlen müsste.

Nach dem Abendessen fand eine groß angekündigte Pool-Party statt. Ich stehe mit dem Pool-Deck und den sich dort aufhaltenden Menschen komplett auf Kriegsfuß. Es gab Live-Musik, später einen DJ, viele Cocktails, und ein Schoko-Früchte-Buffet, dass der Inbegriff für die Dekadenz unserer Wohlstandsgesellschaft war. Die Deko des Buffets (siehe Foto) bestand aus Bergen von Früchten – ich 2016090409215800habe inständig gehofft, das das im Anschluss nicht alles weggeschmissen wird. Einfach nur abtörnend, wie diese ganzen wohlgenährten Menschen, die sich gerade ein Fünf-Gänge-Menü einverleibt haben, zu diesem Buffet gestürmt sind und sich die Teller vollgeladen haben. Ein Kellner aus Tunesien hat das so zusammengefasst: „Deshalb habt ihr so viele Ausländer. Und die ganzen Flüchtlinge.“ Wie die vielen hart arbeitenden Philippinos das wohl empfinden? Ich wünschte mir, man würde besser informiert werden: Über die Arbeitsbedingungen der Crew, über den Umweltschutz an Bord (es gibt einen Umweltmanager, der uns am ersten Abend auch vorgestellt wurde, aber was der genau macht, blieb unklar), und darüber, was mit dem ganzen Essen passiert, das nicht gegessen wird. Bitte versteht mich auch an dieser Stelle nicht falsch: Wenn man das Pool-Deck meidet ist das Schiff, die Organisation und die Reise insgesamt echt mega exzellent!

Mittlerweile sind wir wieder auf hoher See, es geht zurück nach Malta. Draußen scheint die Sonne und das Meer rauscht. Ziemlich schaukelig ist es heute, weshalb überall an den Treppenhäusern Säckchen mit Kotztüten angebracht wurden (Bild oben in der Mitte). Wir haben aber noch niemanden gesehen, der so aussah, als würde er sich nicht wohlfühlen. Nur im Fitness-Studio (Deck 12) war mir vorhin durch das Geschaukel etwas schwindelig – der Cross-Trainer stand schräg zur Fahrtrichtung und um uns herum war nur Wasser, kein einziger Fixpunkt fürs Auge. Ich hab aber durchgehalten. Schließlich rufen heute Abend nochmal die fünf Gänge im „Atlantik“….

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