Landgang 3: Kotor, Montenegro

Montenegro (7)Der gestrige Tag begann mit einem Jubiläum, einem Höhepunkt und einem Schock. Das Jubiläum war, dass ich mit Montenegro das 35. Land in meinem Leben betrat. Der Höhepunkt war der erste Blick vom Balkon unserer Kabine auf die Bucht von Kotor. Steile Berghänge, davor kleine Häuser, Palmen, Boote. An Schönheit kaum zu überbieten! Der Schock war die SMS, die ich kurz nach dem Aktivieren des Daten-Roamings bekam: „Sie haben nun 59,90 Euro an Internetgebühren verbraucht.“ Da war der letzte Blogbeitrag noch gar nicht hochgeladen – fragt mich nicht, was das dann noch gekostet hat. Übel, echt übel.

Aber das Highlight überwiegt. Montenegro, oder zumindest dieser kleiner Teil, den wir davon gesehen haben, ist noch genialer, als ich es mir vorgestellt hätte. Diesmal ging es mit Tenderbooten zum Hafen, da die „Mein Schiff“ mitten in der Bucht anstatt direkt am Hafen vor Anker lag. Der Liegeplatz am Hafen wurde von der Costa Mediterranea blockiert, die anscheinend immer noch nicht gesunken ist. Am Hafenausgang erwarteten uns erfreulicherweise schon die perfekt englisch sprechenden Angestellten der lokalen Hop-on-hop-off-Busgesellschaft. Genau das Richtige für uns! 90 Minuten lang sind wir mit dem Bus die Bucht entlang gefahren, auf einer schmalen, gewundenen Küstenstraße – ein Anblick traumhafter als der nächste. Links das Meer, rechts die Berge, dazwischen kleine Dörfchen, schöne Häuser und wunderschöne Pflanzen.

Nach halber Strecke hielt der Bus für 30 Minuten an. Der Busfahrer nutzte die Zeit für eine Zigarrettenpause im (!) Bus, während ein Teil unserer Mitfahrer sofort eine super assige Kneipe ansteuerte. Am Anfang der Busfahrt hatten wir alle ein Gutscheinheft mit Rabattkarten bekommen – 20% gab’s auf Bier in besagtem Etablissement. Nach den 30 Minuten Pause wurden die Leute sogar vom Busfahrer persönlich wieder aus der Kneipe geholt. Dass sie Schlüsselbänder um den Hals trugen, brauche ich nicht zu erwähnen.

Nach der Busfahrt (auf der ich seltsamerweise mehrmals Ameisen von mir runterschnippen musste) haben wir die Altstadt von Kotor unsicher gemacht. 5.000 Leute wohnen hier in mittelalterlichem Ambiente. Um die Altstadt führt eine 4,5 Kilometer lange Stadtmauer, und innen gibt es winzige, enge, steinige, steile Gassen. Wer dort lebt muss ganz schön schleppen – Autos kommen hier nicht durch. Deswegen schieben alle kleine Karren vor sich her, was auf dem rutschigen Kopfsteinpflaster echt kein Spaß ist. Ein bisschen hat mich die Stadt an Tallin in Miniaturform erinnert. Insgesamt hat mir Kotor wahnsinnig gut gefallen – Montenegro ist auf jeden Fall auf meiner Liste für zukünftige Reisepläne. Übrigens zahlt man dort mit Euro.

Gegen 14 Uhr sind wir zurück an Bord, schließlich wollten wir noch Zeit für das All-Inclusive-Mittagessen haben… Als wir ankamen, stellten wir fest, dass wir keine Handtücher auf der Kabine hatten. Aber die Organisation ist hier sowas von umwerfend, egal, welches Problem man hat, es kommt sofort Hilfe. Gestern z.B. ließ sich unsere Duschtüre auf einmal nicht mehr bewegen. Innerhalb von 15 Minuten kam ein Handwerker zur Reparatur. Auch die Handtücher wurden in Nullkommanix nachgeliefert. Ich glaube, es gibt hier nichts, was nicht klappt. Schon bemerkenswert, dass es überhaupt möglich ist, so einen Massenbetrieb so dermaßen gut zu organisieren!

In der TUI-Bar haben wir uns mittlerweile mit einem Kellner angefreundet. Er heißt Ibrahim und kommt aus der Türkei. Er hat 20 Jahre lang in der Türkei als Manager eines Ausflugsanbieters gearbeitet, aber da die Touristen kaum mehr kommen, hat er diesen Job verloren. Obwohl er Frau + Kind daheim hat, hat er nun den Job auf dem Schiff angenommen. Sechs Monate hat er hier Dienst, mit keinem einzigen freien Tag! Danach hat er zwei Monate am Stück frei, und wenn er dann möchte, kann er seinen Vertrag verlängern. Schon echt hart, zumal Ibrahim total nett ist und weder türkisch aussieht noch etwas von der türkischen Mentalität abbekommen zu haben scheint.

Nach dem obligatorischen Cappucino in der TUI Bar und meinem Besuch im diesmal überraschend vollen Fitness-Studio zog plötzlich über den Bergen von Kotor ein Gewitter auf, das sich gewaschen hatte. Laut den hektischen Bord-Durchsagen hatte der Wind eine Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern! Wir saßen im hintersten Winkel auf unserem Balkon während der Regen nur so herpeitschte. Im Nu war unser Balkon überflutet. Es hätte nicht mehr viel gefehlt, und das Wasser wäre uns in die Kabine gelaufen (es gibt keinen Abfluss). Der Wind hat außerdem das Schiff dauernd gedreht, da wir ja mitten in der Bucht lagen, nur mit dem Anker befestigt. Der Kapitän hatte wohl Schwierigkeiten, das Schiff stabil zu halten, weswegen beschlossen wurde, vorzeitig abzulegen. Alle Passagiere waren zum Glück schon vor der Zeit an Bord. In den Durchsagen wurde dann noch sehr oft betont, wie gefährlich diese Situation für das Schiff war und dass der Kapitän das so gut gemeistert hat. Ich frage mich, was gewesen wäre, wenn noch nicht alle Passagiere an Bord gewesen und wir nicht vorzeitig abfahren hätten können? (Übrigens ist es in so einer Situation sehr lustig, mit bierernster Miene zu seinen Mitreisenden zu sagen: „Mittlerweile hat das Schiff schon gewaltig Schlagseite bekommen, finden Sie nicht?“)

Mittlerweile sind wir in Dubrovnik, Kroatien. Unser letzter Landgang. Morgen haben wir dann nochmal einen Seetag vor uns, bevor es am Sonntag zurück nach hause geht. Da ich morgen kein Inernet haben werde, kann ich den nächsten Beitrag vermutlich erst von zuhause aus veröffentlichen.

P.S.: Schaut Euch nochmal das allererste Foto hier in diesem Beitrag an. Meint doch glatt ein Mitreisender beim Frühstück: “Genau wie Norwegen, nur nicht so schön”. Hmpf.

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