Endlich mal ein anderes Reisebuch: “Stoppt die Welt, ich will aussteigen” von Martin Krengel

Wer, so wie ich, ein Reisebuch nach dem anderen verschlingt, stellt irgendwann gewisse Ermüdungserscheinungen fest. Wenn man zum dreißigsten Mal liest, wie jemand beim Radfahren in Afrika mit Steinen beworfen wird, wenn man zum hundertsten Mal erzählt bekommt, wie nervig Grenzformalitäten in Südamerika sein können, und wenn man zum siebzigsten Mal erfährt, dass in Asien halb ausgebrütete Eier gegessen werden, wird es tatsächlich selbst dem größten Abenteuer-Geschichten-Liebhaber irgendwann langweilig. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich Martin Krengels Reisebuch “Stoppt die Welt, ich will aussteigen” als Rezensionsexemplar zugeschickt bekam. Prädikat: Erfrischend anders!

Schon vor dem Lesen der ersten Zeile habe ich mich an der Optik des Buches erfreut. Wirklich mega genial layoutet, mit verschiedenen Schriftarten, vielen farbigen, lustigen und außergewöhnlichen Bildern (Stichwort: Mit Spiderman in Uyuni…) sowie kleinen Zeichnungen. Auch die für das Buch gewählte Papierart fällt sofort auf: Schön glatt und einfach anders. Die Arbeit und das Herzblut, das in diesem Buch steckt, kann man förmlich mit den Händen greifen. Aber natürlich muss das Buch auch durch den Inhalt überzeugen! Also hab ich mich an’s Lesen gemacht.

Martin Krengel ist Anfang 30, hat frisch seine Promotion in der Tasche, und findet keinen Gefallen an der Idee, nun unmittelbar in einen Job zu starten, der ihn für die nächsten 30 Jahre an den Schreibtisch fesselt. Also beschließt er, sich eine Auszeit zu gönnen, und um die Welt zu reisen. Sehr schön beschreibt er seine damalige Situation, den Wunsch, etwas zu erleben, seine Ängste, und den Arschtritt, den er sich schließlich gibt, um seinen Wunsch nach einer großen Reise in die Tat umzusetzen. Und dann geht’s auch schon los: Das Auto ist verkauft, die Wohnung vermietet und Martin Krengel steigt in ein Flugzeug Richtung… Mongolei. Das ist gleich eines der Pluspunkte des Buches: Martin Krengel wählt nicht unbedingt die “Mainstream Reiseziele” aus, sondern er mag’s gerne exotisch. Zweiter Pluspunkt: Er hält sich weder damit auf, schon hundert Mal durchgekaute Sehenswürdigkeiten zu beschreiben, noch hat er das Bedürfnis – wie leider so viele andere Reise-Schreiberlinge – alles stets in den höchsten Tönen zu loben. Nein, Martin Krengel berichtet durchaus, wenn ihm etwas nicht gefällt, wenn ihn Zweifel übermannen oder er sich von einem Reiseziel einfach mehr erwartet hat. Er erzählt seine Reise, ohne darauf zu achten, was die Welt da draußen hören möchte. (Logisch, dass auf Amazon sofort gewisse Rezensenten klagen, dass er ja so negativ wäre… Leute, wenn ihr nur schöne Sachen hören wollt, dann kauft Euch einen Reiseführer!).

Mit großem Interesse habe ich zum Beispiel gelesen, dass in Tonga der Hund verreckt ist (ich dachte immer, da muss man hin!) und Fallschirmspringen nicht unbedingt sooooo toll ist, wie alle immer tun. Auch gehört Martin Krengel nicht zu den Leuten, die nach einer Sekunde bereits Buenos Aires als tollste Stadt der Welt bezeichnen – sehr sympathisch. Für meinen Geschmack etwas zu kurz ausgefallen ist das Kapitel über die Osterinsel, dafür fand ich die Ausführungen über Fiji, Tonga und Tahiti besonders interessant. Große Klasse ist auch, dass der Autor am Ende noch kurz beschreibt, wie es nach der Reise mit ihm weiterging, wie er sich verändert hat und was er für seine Zukunft von der Reise mitnimmt.

Insgesamt ein kurzweiliges, amüsantes und einfach “anderes” Reisebuch, das für Leute mit Mainstream-Erwartungen eher nichts ist – für mich dafür aber umso mehr!

Martin Krengel: Stoppt die Welt, ich will aussteigen!
352 Seiten
Eazybookz (10. Oktober 2015)
ISBN: 978-3941193222
www.martinkrengel.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.