Die Überraschung, Teil 1: Franzensbad, Marienbad & Loket

Ein Besuch im tschechischen Karlsbad stand schon lange auf meiner To-Do-Liste. Dass dieser Ausflug (obwohl ich bekennender Tschechien-Fan bin!) lange nicht zustandekam schiebe ich darauf, dass das Wort “Kurbad” doch irgendwie Assoziationen mit “Sanatorium” hervorruft. Damit lag ich jedoch völlig daneben. Was mich in Karlsbad, und bei den Abstechern nach Franzensbad, Marienbad und Loket erwartete, hat mich komplett umgehauen. Solche Kleinode, solche Perlen! Wer dort nicht war hat wirklich etwas verpasst.

Schon die Hinfahrt war ein Highlight: Von uns aus gesehen fährt man nach einem kurzen Stück auf der Autobahn nur noch über schöne Landstraßen durch ländliche Natur. In Tschechien geht es dann teilweise kilometerweit durch enge, verwunschen wirkende Waldstraßen, auf denen so gut wie keine anderen Autofahrer unterwegs sind und nur ab und zu ein Haus am Straßenrand auftaucht. Die Kulisse scheint ein bisschen wie aus einer anderen Welt. Bei Regenwetter sicher etwas trist, aber bei dem bomben Sonnenschein, den wir hatten, konnte man sich gar nicht sattsehen.

Leicht abenteuerlich war, dass uns das Navi vorher nicht verraten hatte, dass der Weg dennoch zweimal plötzlich über ein kurzes Stück tschechische Autobahnen führen würde. Für deren Befahrung sollte man ja mit einer Vignette ausgestattet sein. Auf den Kauf selbiger hatten wir verzichtet, weshalb wir uns auf der Autobahn wie Schwerverbrecher vorkamen, die schon mit einem Bein im Knast stehen. Dass die Polizisten in Sachen Vignette wirklich genau hinschauen wissen wir aus anderen Tschechei-Urlauben – aber diesmal hat’s zum Glück niemand bemerkt.

Franzensbad

Erste Station unserer Tour war Franzensbad, das mit 5.500 Einwohnern kleinste der drei Kurbäder. Dass ein derartig kleines Nest über solche Prachtbauten verfügt, kommt wirklich unerwartet. Neben den wahnsinns Gebäuden aus der Jahrhundertwende standen Palmen in Kübeln und die Beete im Park waren teilweise mit Agaven bepflanzt. Nicht nur Dank des Sonnenscheins hatten wir das Gefühl, dass wir irgendwo im Süden sind. Toll war auch die Trinkhalle mit Glauberwasser (das interessanterweise nach einigen Stunden Lagerung im Auto die Farbe ändert…). Karlsbader Oblaten to go in den verschiedensten Sorten gab’s natürlich auch; nur die Verständigung war überraschend schwierig. Um einen Geldautomaten zu finden mussten wir beispielsweise zwielichtige Handbewegungen mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger machen (eine anscheinend weltweit verständliche Geste), dabei wäre es so einfach gewesen: Geldautomat heißt auf tschechisch schlicht und einfach Bankomat.

Marienbad

Marienbad ist mit 13.000 Einwohnern eigentlich auch ein Nest – die Bombastbauten dort können aber gut und gerne mit Sankt Petersburg mithalten. Wir konnten uns an den schönen Gebäuden schier nicht sattsehen, und ich war mit jeder Minute mehr verblüfft, dass das alles bisher an mir vorbeigegangen war. Ich hatte wirklich überhaupt keine Erwartungen an Marienbad, und dann das… Am liebsten wären wir einfach dageblieben und hätten zwei Wochen Entspannungsurlaub gemacht.

Neben den Gebäuden und dem tollen Park ist außerdem noch das High-Tech-Parkhaus am Stadtrand erwähnenswert: Dort wird bei der Einfahrt das Nummernschild gescannt, so dass das Parkticket untrennbar mit dem Nummernschild verbunden ist. Bei der Ausfahrt, nach dem Bezahlen, muss man dann das Parkticket nirgendwo reinschieben – die Schranke geht einfach so auf, weil sie ja weiß, dass für dieses Nummernschild bezahlt wurde. So etwas hatten wir in Deutschland noch nie gesehen.

Loket

Selbst wenn ich mich vor Begeisterung geradezu überschlage: Auch Loket war der absolute Hammer. Schon alleine die Lage, auf einer Art Halbinsel, die an drei Seiten vom Fluss Eger umflossen wird, ist etwas Besonderes. Auf diese Halbinsel quetscht sich das mittelalterliche Städtchen, an dessen Rand wiederum eine Burg aus dem 13. Jarhundert thront. Und zwar eine Burg wie aus dem Bilderbuch. Mit Folterkammern tief unter der Erde, Gefängnissen, und einer Freilufttoilette mitten im Turm. Überall darf man einfach so herumlaufen, wobei insbesondere die Folterkammern nichts für zartbesaitete Gemüter (wie mich) sind. Dort werden mit lebensgroßen Puppen und sehr lauter authentischer Akustik Folterszenen nachgestellt. Irgendwelche Hinweisschilder, dass das nichts für Kinder (oder eben Leute wie mich) ist, sucht man vergebens. Neben der Burg ist auch das kleine Städchen sehenswert. Alles ist sehr mittelalterlich, die Gebäude sind sehr gepflegt, und das Gasthaus kurz vor der neuen Brücke über die Eger schreit förmlich danach, leckerem tschechischen Essen und Bier zu frönen. Aber das eigentliche Ziel unserer Reise war ja Karlsbad. Davon berichte ich Euch im nächsten Teil.

(Für alle, die’s wissen wollen: Zahnarzttermin Nummer 5 war auch nicht so erfolgreich. Nummer 6 folgt nächste Woche).

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