Kleiner Osterinsel-Nachtrag

Die schöne Osterinsel liegt hinter uns; die Winterklamotten liegen neben uns. Vor einer halben Stunde sind wir im Holiday Inn am Santiagoer Flughafen angekommen. Hier erwartet uns eine kurze Nacht, bevor es morgen um 08:30 Uhr weitergeht in den Süden Chiles.

Nachdem bei einigen unseren Lesern der Eindruck aufkam, dass wir am Ende von der Osterinsel doch etwas ernüchtert waren, möchte ich hierzu noch schnell ein paar Worte verlieren: Die Osterinsel ist der Hammer und definitiv einer der wunderbarsten Orte, an denen ich in meinem Leben war. Wer auch immer die Chance hat, dort hinzureisen, sollte sie ergreifen. Gerade weil die Insel so perfekt war, hat es mich dort zum ersten Mal auf unserer Reise gestört, dass wir in wenig perfekten Budget-Unterkünften schlafen. Bisher haben mich kein Stromausfall und keine kalte Dusche aus der Ruhe gebracht, aber mitten im Paradies war das auf einmal anders. Damit leben zu müssen, dass der überquellende Klopapiereimer nur alle zwei Tage geleert wird, die Hosteldame nur dann Frühstück macht wenn sie Lust dazu hat und uns ihren Lover als selbsternannten Guide verkauft, war für ein paar Tage ok, aber dann hat es gereicht. Das lag aber an der Unterkunft und nicht an der Osterinsel. Es gab Luxus-Lodges direkt an den Klippen – dort haben wir ab und zu sehnsüchtig hingeschielt.

Die zweite Sache, die mich nachdenklich gestimmt hat, war der Umgang mit der Historie der Insel. Darunter beispielsweise auch die jüngste Vergangenheit (während der Diktatur) als Sprache und Kultur der Rapa Nui verboten waren. Letzteres wird einfach totgeschwiegen. Das, was von der Kultur der Rapa Nui übrig geblieben ist, scheint aus Tanz-und-Musik-Shows zu bestehen, die allabendlich den Touristen vorgeführt werden. (Aus diesem Grund haben wir keine solche Show angeschaut). Ansonsten scheinen die Bewohner dazu zu neigen, alles, was jemals mit ihrer Insel gemacht wurde, zu kritisieren, anstatt Initiative zu ergreifen und etwas gegen den Verfall ihrer Kultur zu tun. Mich hat das traurig gemacht. Wahrscheinlich ist es nichts anderes, wenn täglich 4.000 Menschen über Machu Picchu trampeln, aber zu einzigartigen Figuren mit menschlichen Zügen, die mit dem Gesicht nach unten in der Pampa liegen und langsam kaputt gehen, entwickelt man wahrscheinlich doch einen etwas anderen Bezug. Aber auch dafür kann die Insel an sich ja nichts!

Wir haben jeden Abend in hervorragenden Restaurants mit Meerblick gegessen; wir konnten gar nicht genug bekommen von der guten Luft, der schönen Landschaft und den atemberaubenden Wellen im Meer. Und selbst der 100. Moai war noch der Inbegriff von Faszination. Man hat immer das Gefühl, mit ihnen sprechen zu müssen, und sie zu fragen, was sie in den letzten hunderten von Jahren alles erlebt und gesehen haben. Unglaublich beeindruckend.

Zum Abschied wurde uns heute eine Muschelkette um den Hals gehängt, eine schöne Erinnerung! Und als wir ins Flugzeug gestiegen sind wussten wir irgendwie, dass unser Besuch an diesem Ort am Ende der Welt etwas Einmaliges, nicht Wiederholbares, in unserem Leben war.

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