Kein Strom auf Rapa Nui… (Osterinsel)

Es ist seltsam, aber egal wie schön der Ort ist, irgendwann bekommen wir immer das Gefühl, dass es Zeit ist, abzureisen. Wir vermuten, dass dieses Gefühl vor allem mit den Unterkünften zu tun hat, in denen wir uns aufhalten. Manche Dinge sind für ein paar Tage völlig ok, aber plötzlich erscheinen sie einem unerträglich. Heute früh haben wir diesbezüglich mal wieder eine Situation erlebt, über die ich noch in 20 Jahren staunen werde: Wir sitzen beim Frühstück, da kommt die Hostelbesitzerin und fragt, ob wir vielleicht heute, nach dem Frühstück, schon bezahlen könnten. Während wir also noch weiter Brötchen in uns hineinschaufeln kommen auf einmal zwei Handwerker vom lokalen Elektrizitätswerk, öffnen die Plombe des hauseigenen Stromzählers, legen die Sicherung um, verplomben den Kasten wieder und verschwinden. Wir konnten das hervorragend, und mit großem Staunen beobachten, weil in ganz Südamerika die Stromzähler im Freien angebracht sind. Mit einem Schlag waren Licht, Radio und Internet weg, und die Waschmaschine, in der seit 5 Minuten unsere gesamten Klamotten auf Sauberkeit hofften, kam zum Stillstand.

Unsere Hostelbesitzerin hat sich nicht zu einer Erklärung hinreißen lassen, hat aber gierig nach den Geldscheinen gegriffen, die wir ihr hingehalten haben. Eine Hundertstelsekunde später ist sie aufgesprungen und hat fluchtartig das Hostel verlassen. Wir vermuten, sie hatte schlicht und einfach die Stromrechnung nicht bezahlt. Trotzdem scheint es eine größere Sache zu sein, die Sicherung wieder umlegen zu lassen – als wir ein paar Stunden später zurück ins Hostel kamen fanden wir in der Küche eine neue, kompliziert aussehende Verkabelung vor, die die Stromversorgung des Nachbarhauses anzapfte. Wenigstens haben wir also wieder Internet – unser Überleben bis zur Abreise ist gesichert.

Heute haben wir, wie angekündigt, dem lokalen Museum einen Besuch abgestattet, in der Hoffnung, mehr über die Entstehung der Moai zu erfahren. Leider gab es nur eine kleine Vitrine mit ein paar angeblichen Werkzeugen, was mich nicht wirklich überzeugt hat. Wesentlich spannender war, dass dort das einzige Moai-Auge, das jemals gefunden wurde, ausgestellt war. 1978 hat man dieses einzelne Auge (angefertigt aus Koralle und Obsidian) gefunden und deshalb vermutet, dass ursprünglich alle Moai mit Augen ausgestattet waren. Außerdem sind in dem Museum ein paar Theorien abgebildet, wie die Moai vom Steinbruch zu ihrem Bestimmungsort transportiert wurden (siehe Foto). Ich muss sagen, dass ich es absolut unglaublich finde, dass dieses ganze Wissen überhaupt irgendwie in Vergessenheit geraten konnte. Angeblich fand der Krieg, in denen die Clans gegenseitig ihre Figuren umgeschubst haben, erst im 18. Jahrhundert statt – wie konnte von damals bis jetzt so herausragendes Wissen über die Herstellung, den Transport und den Sinn dieser Figuren komplett verschwinden?? Ich glaube, die Osterinsel wird immer ein Rätsel bleiben.

Mit vielen Fragezeichen im Kopf werden wir morgen also diesen schönen Ort hier verlassen. Uns stehen zwei anstrengende Tage bevor – zum einen wegen viel Herumfliegerei, zum anderen, weil uns ein krasser Klimawandel erwartet. Von der Südseeinsel geht’s für uns nämlich direkt ins ewige Eis, nach Punta Arenas, in die südlichste Stadt Chiles. Um dort hinzukommen müssen wir erstmal zurück nach Santiago, eine (kurze) Nacht im Flughafenhotel verbringen, und dann zwei weitere Flüge überstehen. In Punta Arenas werden wir zunächst den chilenischen Nationalfeiertag begehen (eine riesen Sache im ganzen Land) und uns später auf ein Schiff begeben, das uns um Kap Horn herum nach Argentinien bringt. Wir melden uns also voraussichtlich am Nationalfeiertag (Donnerstag) wieder, bei null Grad, und freudig mit einer chilenischen Flagge herumwedelnd.

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