Kanada/Nova Scotia (11): Laundromat (Truro)

Ein richtiger Kanadier braucht abends Eis, und zwar bevorzugt zwischen 19 und 22 Uhr. Es kam mehrmals vor, dass die Besitzer der Bed & Breakfasts zu später Stunde bei uns vorbeischauten, und uns darüber informierten, dass sie nun ins Bett gehen würden – wenn wir aber noch Eis bräuchten, würden wir selbstverständlich eines bekommen. Wofür man um 22 Uhr Eis brauchen soll (etwa um meine kühlschrankgekühlte Dose Dosenbier darin zu versenken? Oder um sich einen Schirmchencocktail zuzubereiten?) ist mir schleierhaft.

Ebenso wichtig, wie abends seine Eisvorräte auffrischen zu können, ist der Verkauf von Feuerwerkskörpern an Tankstellen. Die Tankstellen haben teilweise so riesig mit Feuerwerkskörpern geworben, dass man schier das Gefühl hatte, dass es völlig nebensächlich ist, ob es dort auch Benzin gibt. Interessanterweise haben wir aber nie jemanden mit Feuerwerkskörpern rumknallen sehen.

Übernachtung im Motel

Wir wollten weder Eis noch Feuerwerkskörper, sondern am liebsten eine Waschmaschine. Da wir immer sehr minimalistisch packen, sind wir darauf angewiesen, unterwegs zu waschen. Ich war davon ausgegangen, dass jedes Bed & Breakfast einen Wäscheservice anbieten würde, aber da war ich leider falsch gelegen. Deshalb hatten unsere Klamotten bei unserer Ankunft in Turo bereits einen bedenklichen Zustand erreicht.

In Truro haben wir uns zum ersten Mal in ein Motel eingemietet. Während ich mir unter einem Motel eine billige Absteige für LKW-Fahrer vorgestellt hatte, entpuppte sich unser Zimmer im Willow Bend Motel als wahre Luxussuite: Ein riesiges, stylishes Zimmer mit kleiner Küche, zwei Betten und massig Sitzgelegenheiten. Lustig sind die Motels auch von außen, denn sie sind immer reihenhausartig aufgebaut. Das Willow Bend Motel war eine der besten Unterkünfte auf unserer Reise – ein Wäscheservice wurde dort allerdings auch nicht angeboten.

Die nette Rezeptionistin empfahl uns den örtlichen Laundromat namens “Brite’n’Kleen” (haha). In wirklich jeder Stadt hatte es bisher diese Waschsalons gegeben, aber für mich sind sie wirklich nur die allerletzte Option. Hier hatte sogar unser Reiseführer mal recht: “In den üblicherweise installierten Maschinen bewegt sich statt der Trommel eine Art Propeller hin und her und quirlt die Wäsche durcheinander. (…) Nach etwa 20 bis 30 Minuten ist der Vorgang beendet und das Ergebnis selten befriedigend.” Ich kannte das schon aus Chile.

Brite’n’Kleen

Etwas schüchtern haben wir uns also mit unserem großen Wäschesack im Schlepptau zu “Brite’n’Kleen” begeben, das nicht weit von unserem Hotel in einem ziemlich heruntergekommenen Industriegebiet lag. Das Interieur hat meine kühnsten Vorstellungen noch übertroffen. Dort kamen Maschinen zum Einsatz, die wahrscheinlich der ersten Generation von Waschmaschinen, die jemals erfunden wurden, angehörten.

Von der herrischen Angestellten wurden wir darüber informiert, dass wir “Loonies” bräuchten, um die Maschinen zu bedienen. Nach einigem Hin-und-Her stellte sich heraus, dass Loonies Ein-Dollar-Münzen sind (wahrscheinlich wegen der darauf abgebildeten Entenart namens “Loon”). Selbstverständlich wurde die ganze Wäsche zusammen in eine Maschine gekippt, egal ob weißes Unterhemd oder empfindlicher Woll-Rollkragenpullover. Hinzu kam Flüssigwaschmittel in Form einer in Plastik eingeschweißten Chemie-Kapsel – den abartigen Geruch wurden wir den ganzen restlichen Urlaub nicht mehr los. Nach 25 Minuten sollten wir wiederkommen, dann könnten wir die Wäsche in den Trockner befördern.

Null Ahnung von Geldwechseln

Stammkunden von Brite’n’Kleen können ihr Waschmittel gleich dortlassen – auf jeder Flasche stand ein Vorname.

Diese 25 Minuten haben wir dazu genutzt um der Bank of Nova Scotia einen Besuch abzustatten und nochmal Geld zu wechseln. Wir waren ganz offensichtlich die ersten Touristen, die die Filiale in Truro je betreten hatten und wurden dementsprechend angestarrt. Blöderweise hatten wir auch noch den Rollstuhl-Schalter erwischt, so dass ich mich dort auf einen Stuhl fallen ließ, als würde mir eine einstündige Bankberatung bevorstehen. Die Bankangestellte hatte offensichtlich keine Ahnung von Geldwechsel & Co., fragte weder nach unserem Ausweis, noch hatte sie den aktuellen Wechselkurs parat. Ganz aus dem Häuschen brachte sie schließlich die Tatsache, dass ich das Dollarbündel, das sie vor mir hinlegte, nachzählte (“das hat die Maschine doch schon gezählt!”). Wir waren froh, als wir wieder draußen waren und auch noch erfreut feststellten, dass der Wechselkurs besser gewesen war, als der einige Tage zuvor in Halifax.

Es lebe die Reisewäscheleine!

Als wir zurück zu Brite’n’Kleen kamen war unsere Wäsche bereits fertig. Nun konnten wir jeweils acht Minuten Trocknen kaufen. Da wir nun im Begriff waren, nicht-trocknergeeignete Kleidungsstücke in den Trockner zu stopfen wählten wir sechzehn Minuten trocknen auf relativ kühler Stufe. Die Wäsche war danach selbstverständlich nicht wirklich trocken. Wir haben sie trotzdem mitgenommen und ein lustiges Wäschetrocknungsmanöver in unserem Motelzimmer durchgeführt.

Und dann (Trommelwirbel) gab es tatsächlich noch ein himmlisches Abendessen. Im Supermarkt hatten wir uns Mikrowellenfertiggerichte gekauft, die wir in der kleinen Küche unseres Zimmers zubereiteten. Ich hab sowas bestimmt seit 20 Jahren nicht mehr gegessen, aber ich sag’s Euch, im Vergleich zum sonstigen Essensangebot in Kanada hat das einfach köstlich geschmeckt.

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