Kanada/Nova Scotia (4): On the road – Von Halifax nach Lunenburg

Froh, Halifax hinter uns zu lassen, haben wir uns am dritten Tag unseres Urlaubs auf die kanadischen Straßen gestürzt. Unser erstes Ziel (und tatsächlich eines der schönsten Örtchen auf unserer Reise) war Peggy’s Cove. Ein 650-Einwohner-Dorf mit einem Leuchtturm als Wahrzeichen, der eines der am meisten fotografierten Gebäude auf der Ostseite Kanadas ist. 50 Kilometer durch bewaldetes Gebiet mussten wir zurücklegen, um dort anzukommen.

Schön ist er schon, der dichte Wald.

Der Wald: Ein Tunnel

Im Prinzip ist es ja genau das, was wir im Urlaub wollen: Autofahren, Landschaft sehen, Abstecher machen, flexibel sein. In der Natur unsere Brotzeit auspacken, am See sitzen und alle drei Meter das Gefühl haben, den schönen Blick im Bild festhalten zu müssen. Mit diesen Wünschen waren wir in Nova Scotia aber leider total falsch.

  • Erstens ist Nova Scotia größtenteils flach. Einen Blick zu haben, hat also Seltenheitswert.
  • Zweitens kann man unglaublicherweise einfach nirgends anhalten. Es gibt keine Parkbuchten und kaum einen Seitenstreifen. Rechts und links von der Straße ist meistens nur Wald und dazwischen Hauseinfahrten (Nova Scotia ist überraschend dicht besiedelt). Wer spontan anhalten möchte, kann das allenfalls mitten auf der Straße machen. Das war der einzige unserer bisherigen Urlaube, bei dem wir a) nur in Tankstellen und Fast-Food-Läden aufs Klo gegangen sind und b) auch nur dort unsere Brotzeit zu uns genommen haben. Mit Wildnis-Feeling war da gar nichts. Das war eine der größten Enttäuschungen.
  • Und drittens ist der Wald unglaublich dicht. Ich habe noch nie in meinem Leben so dichten Wald gesehen. Man bräuchte eine Machete, um da einzudringen. Schon schön, aber man kann in den Wald leider nicht hinein. Waldwege und Wanderwege gibt es nicht, so dass man beim Autofahren konstant durch eine Art Tunnel fährt. Nach vorne die Straße, rechts und links Wald oder Grundstücke. Extrem monoton. Ich bin noch nie beim Autofahren so schnell so müde geworden. Es gab einfach nichts zu sehen, nichts, was die Aufmerksamkeit erregt hätte, nichts, was einen Abstecher gelohnt hätte.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr mehr zum Thema “Autofahren in Kanada”, denn die Verkehrsregeln sind eine sehr lustige Erfahrung.

Peggy’s Cove

Witzigerweise hatten wir mit Peggy’s Cove ausnahmsweise mal Glück. Denn ausnahmslos alle, die uns von Peggy’s Cove erzählt haben, haben berichtet, dass dort busseweise Touristen hingekarrt werden und das Dörfchen dadurch völlig überlaufen ist. Als wir dort waren, hatte sich nur eine Handvoll Touristen dorthin verirrt. Das Besondere an Peggy’s Cove ist, dass es aussieht, als wurde es von Norwegen nach Kanada versetzt. Bunte Holzhäuschen und schroffe Felsen, ein super liebevolles, inhabergeführtes Café – ein wirklich schnuckeliges Ambiente. Ich kann mir trotzdem den Hinweis nicht verkneifen, dass wir jetzt nicht unbedingt nach Kanada gefahren sind, um Norwegen zu sehen.

Sehr lustig ist, dass es in vielen Dörfchen Nova Scotias einen zentralen Briefkasten für alle Dorfbewohner gibt. Meist steht der unüberdacht irgendwo in einer Ecke auf einem Parkplatz oder direkt an der Straße. Vermutlich ist das zu den Stoßzeiten der zentrale Treffpunkt der Einwohner. Der rote Schlitz ist übrigens der für die Ausgangspost. Echt praktisch, die nimmt der Postbote dann auch gleich mit!

Auf der Weiterfahrt haben wir dann noch unseren ersten Besuch in einem Liquor Store hinter uns gebracht. Alkohol aller Art (zu teuren Preisen) gibt es ausschließlich in diesen Läden, die in Nova Scotia NSLC heißen. Da man Alkoholika nicht offen auf der Straße herumtragen darf, wird dort jeglicher Einkauf immer in Papiertüten verpackt (wahrscheinlich der einzige Laden im Land, in dem man Papier- und keine Plastiktüten bekommt). Selbstverständlich ahnt angesichts dieser Verpackung dann draußen niemand, was man da gerade gekauft haben könnte. 

Lunenburg

Wir waren dann ziemlich geschafft, als wir nachmittags in – ich zitiere wieder unseren Reiseführer – “Lunenburg, einer bezaubernden Stadt voller Farbe, Kultur und Geschichte” ankamen. Dort hatten wir uns zum ersten Mal in unserem Leben in ein Bed & Breakfast eingemietet (dazu demnächst mehr). Als wir endlich in unserem Zimmer auf dem Bett saßen, half wirklich nur eines: Das sich in der Papiertüte befindliche Dosenbier. Man hatte direkt den Eindruck, man müsste sich dieses Land, und ganz speziell Lunenburg (UNESCO Weltkulturerbe!) schön trinken. Das Städtchen bestand aus einer Menge bunter, extrem kitischiger Holzhäuschen, die aussahen, als wären sie für einen Filmdreh als windige Fassaden-Kulisse aufgebaut worden. Ich konnte dem leider überhaupt nichts abgewinnen.

Immerhin haben wir dann doch noch zwei positive Punkte gefunden: Zum einen der lokale Supermarkt, denn der hatte eine Brotsorte, die als “Deutsches Schinkenbrot” bezeichnet wurde. Zwar hatte die nichts mit dem uns bekannten Brot zu tun, hat aber zumindest um Welten besser geschmeckt als das ansonsten so gängige Toastbrot. Zum anderen war echt skurril, dass an Fußgängerüberwegen auf beiden Seiten kleine Behälter für rote Signalfahnen standen. Man konnte sich also vor dem Überqueren der Straße solch eine Fahne nehmen, sie schwenken und auf der anderen Seite dann dort wieder in den Behälter stecken. Der Lars hat das konsequent gemacht, aber irgendwie lagen alle Autofahrer, die das gesehen haben, vor lachen schier am Boden (ich auch).

Abends sind wir noch ein bisschen auf der Veranda unseres Bed & Breakfasts gessessen (es hatte bis tief in die Nacht 25 Grad!) bis wir schließlich todmüde ins Bett gefallen sind.

Ein Kommentar

  1. Ich muss jetzt selber mal kommentieren: Die Kabel über den Straßen, die ja wirklich auf jedem Foto zu sehen sind, sind schon beeindruckend…

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