Kanada/Nova Scotia (1): Ohne Gepäck in Halifax

Kennt ihr diese Sehnsuchtsorte? Von denen man sein ganzes Leben denkt, da muss man hin? Das norwegische Hammerfest war für uns immer so ein Ort. Hammerfest, das klang fremd, exotisch und weit weg. Als wir dann endlich in Hammerfest waren, haben wir festgestellt: Da muss man nicht hin! Ähnlich ging es uns jetzt mit Halifax. Fremd, exotisch und weit weg – aber hin muss man da nicht. Und in die 55.285 Quadratkilometer drumherum, die sich Nova Scotia nennen und ein kanadischer Bundesstaat sind, leider auch nicht so unbedingt.

Nova Scotia (Neuschottland) liegt ganz im Osten Kanadas, quasi nordöstlich von Boston und tatsächlich südlicher als Deutschland. Hauptstadt ist Halifax. Selten hat einer unserer Urlaube so viel Interesse hervorgerufen, wie dieser Urlaub in Nova Scotia, der so ganz anders war als erwartet. Und immer wieder taucht die Frage auf: Warum ausgerechnet Nova Scotia?

Warum Nova Scotia?

Tja. Warum Nova Scotia? Weil wir nicht die Mainstream-Touri-Route à la Toronto – Ottawa – Montréal – Québec machen, sondern lieber touristisches Neuland betreten wollten. Weil wir hofften, dass in Nova Scotia das Wetter bis Mitte Oktober mitspielt und uns die Ankündigung des berühmten Indian Summer gelockt hat. Weil es die Bank of Nova Scotia gibt, eines der 100 größten Unternehmen der Welt, und weil viele Leute hier in Deutschland “Nova Scotia” falsch aussprechen, was wir lustig finden. Weil Halifax einer dieser Sehnsuchtsorte war, von denen wir dachten, da müssten wir hin.

Unser Kanada-Trip war mit Sicherheit die unerwartetste Erfahrung, die wir je unter der Überschrift “Urlaub” hatten. In den folgenden Beiträgen, die sicher eine ganze Weile für ihre Erstellung brauchen (ich sag nur: 1.800 Fotos…), werden wir Euch von diesem Urlaub erzählen. Eines haben wir allerdings schon gemerkt: Nicht jeder verkraftet es, wenn man nicht in den höchsten Tönen von einem Urlaub berichtet. Es gibt Gesprächspartner, die dann ungehalten werden, und einem vorwerfen, dass man undankbar sei. Wer also nur Schönes lesen will, kann die nächsten Beiträge überspringen. Wer es ok findet, unsere Erlebnisse so mitzuerleben, wie wir sie empfunden haben, ist herzlich willkommen, in den nächsten Wochen dabeizubleiben.

Anreise mit Hindernissen

Die größte Hürde war für uns, überhaupt abzureisen. Wer meine (leider noch immer nicht überstandenen) Zahnprobleme mitverfolgt hat, weiß Bescheid. Erst einen Tag bevor es losgehen sollte, haben wir entschieden, dass wir tatsächlich fliegen. Also schnell die Koffer gepackt und am nächsten Morgen ab zum Flughafen Nürnberg. Pünktliche Landung in Frankfurt, 50 Minuten Zeit bis zum Weiterflug nach Montréal. Angesichts der Dimensionen des Frankfurter Flughafens so gut wie nicht zu schaffen. Wir sind den weiten Weg zum Gate komplett gerannt, haben uns durch die Passkontrolle gequält und trotzdem: Als wir keuchend und schwitzend beim Gate ankamen war unser Flugzeug quasi schon am Abheben und wir für den Weiterflug bereits ausgecheckt. Nach kurzer Diskussion durften wir dann auf den allerletzten Drücker doch noch mit. Unser Gepäck allerdings blieb auf der Strecke. Wohl dem, der (wie ich, hihi), immer alles Lebensnotwendige ins Handgepäck packt. Ich könnte Wochen überleben, wenn der Koffer weg ist. 🙂

Air Canada: Best Airline in North America

Geflogen sind wir übrigens mit Air Canada. Air Canada hat sich ein ganz besonderes Gimmick für seine Fluggäste ausgedacht: Dieser Knopf, mit dem man die Stewardess rufen kann, und der bei jedem Drücken “Bing” macht, wurde so in die Oberfläche der Armlehnen eingearbeitet, dass man diesen Knopf garantiert jedes Mal, wenn man seinen Arm dort ablegt, drückt. Es hat während des 7-Stunden-Flugs ungefähr alle 10 Sekunden “Bing” gemacht. Da gleichzeitig auch noch jedes Mal ein blaues Lämpchen aufleuchtet, fliegt man doch angesichts dieser Special Effects gerne mal wieder mit Air Canada. Schön ist auch, dass – vermutlich im Rahmen einer Sauberkeitserziehung der Passagiere – der Klodeckel der Bordtoilette partout nicht oben bleiben wollte, was die Benutzung selbiger zum akrobatischen Akt werden ließ. Auch die Tatsache, dass man auf dem Weiterflug nach Halifax, wenn man einen Gangplatz wollte, 30 Dollar zahlen sollte, hat uns ein strahlendes Lächeln ins Gesicht gezaubert. Und nicht zu vergessen die kulinarische Höchstleistung auf dem Rückflug: Ein in Plastikfolie eingeschweißtes Stück Kuchen mit der Optik einer Toastscheibe zum Frühstück, ohne weitere Beilagen, nach sieben Stunden Flugzeit. Air Canada hat die Auszeichnung “Best Airline in North America” auf jeden Fall verdient!

So kamen wir also am späten Nachmittag in Halifax an, ohne Gepäck, aber dafür froh, dem Flugzeug entronnen zu sein. Immerhin war das Auto ein Lichtblick und tatsächlich eine der positivsten Erfahrungen in diesem Urlaub: Wir bekamen einen KIA Sorento, ein riesen Auto, super komfortabel, mit viel Platz und angenehmem Fahrgefühl. Der Urlaub konnte beginnen! Mit diesem KIA haben wir dann die ersten 30 Kilometer kanadische Straße zurückgelegt: Rein nach Downtown Halifax!

Ein Kommentar

  1. Bin schon sehr gespannt was ihr alles erlebt habt 🙂

    Finde ich super wenn man auch erzählen kann das es den ein oder anderen Reinfall im Urlaub gab und sich hinterher nicht alles schön redet!

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