Kanada/Nova Scotia (14): Cape Breton National Park

Cape Breton ist eine zu Nova Scotia gehörige Insel, auf der der riesige, gleichnamige Nationalpark liegt. Cape Breton ist teilweise französischsprachig, was – jetzt bin ich sehr, sehr böse – für den Touristen bedeutet, dass er Einbußen in der Freundlichkeit der Einheimischen hinnehmen muss. Die Landschaft außerhalb des Nationalparks hat uns an die schottischen Highlands erinnert und im Nationalpark hat sich dann sogar endlich mal der Indian Summer gezeigt.

110 Kilometer Anfahrt zum Supermarkt

Hocherfreut haben wir bei unserer Ankunft festgestellt, dass unser Hostelzimmer über eine Mikrowelle verfügt und der lokale Supermarkt nur 200 Meter entfernt liegt. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so auf Mikrowellenfertiggerichte abfahren würde! Ohne diese Art der Verpflegung in Kombination mit regelmäßigen Besuchen bei Tim Hortons wären wir sicher verhungert. Blöd nur: Am nächsten Tag war Thanksgiving, was wir zwar wussten, aber dessen Bedeutung wir doch unterschätzt hatten. Der Supermarkt hatte zu! Google verriet uns, dass der nächste offene Supermarkt 110 Kilometer entfernt liegt. Tja, was tut man nicht alles für ein Mikrowellenfertiggericht…!

Achtung, Coyoten!

Wir verbrachten fünf Nächte in zwei verschiedenen Unterkünften auf Cape Breton. Davon waren wir drei Tage im Nationalpark unterwegs, der eine Vielzahl von längeren und kürzeren Wanderwegen beinhaltete, die wir nach und nach abgearbeitet haben. Beeindruckend waren die Coyotenwarnschilder, die überall herumstanden. Nachdem sich die Coyoten des Nationalparks offensichtlich auf die Jagd von Menschen spezialisiert haben und schon öfter Wanderer von Coyoten angegriffen worden waren, wurde empfohlen, nur in Gruppen zu wandern und einen Stock dabei zu haben. Vor nicht allzu langer Zeit wurde dort sogar ein 19-Jähriges Mädchen von Coyoten getötet. Wir haben (leider/zum Glück) keines dieser unangenehmen Tiere gesehen, und auch keine Elche und leider auch kein sonstiges Wildlife. Die einzigen Tiere, die überraschend zutraulich (und auch sehr schön) waren, waren Rebhühner, die teilweise ein ganzes Stück mit uns den Weg entlanggelaufen sind.

Insgesamt war der Cape Breton Nationalpark ganz ok. Es gab mal wieder eine Menge Boardwalks und kerzengerade one-way-Wege an deren Ende nicht unbedingt etwas Besonderes wartete. Als wirkliche Besonderheit ist noch zu erwähnen, dass es fleischfressende Pflanzen gab, die großflächig im Boden wucherten. Auch hier war aber unser Fazit, dass es weitaus schönere Landstriche auf dieser Erde gibt.

Und mal wieder der Umweltschutz…

Neben den Warnungen vor Coyoten war leider auch die Wegwerfmentalität auf Cape Breton beeindruckend. In unserer Unterkunft gab es beim Frühstück (und auch in unserem Zimmer) Plastikbecher. Porzellangeschirr schien eher unbekannt zu sein. Beim Mittagessen in einem Fischrestaurant wurden wir schon außen an der Tür mit dem Hinweis “Only Paper” konfrontiert. Wir (Dummen) dachten, dass sie keine Kreditkarten, sondern nur Papiergeld nehmen. Aber der Hinweis bezog sich auf das verwendete Geschirr! In dem nicht gerade kleinen und gestopft vollen Restaurant gab es ausschließlich Papier- und Plastikgeschirr, das nach der Mahlzeit einfach weggeworfen wurde.

Komplizierter Rotweinschmuggel

Unter Lars’ Jacke befindet sich die Schmuggelware

Ein lustiges Erlebnis hatten wir noch beim Abendessen. In unserer zweiten Unterkunft auf Cape Breton gab es zwei zum Hotel gehörige Restaurants. Da wir erneut dem Hungertod nahe waren, beschlossen wir, dem billigeren einen Besuch abzustatten und uns dort eine Flasche Wein zu gönnen. Kaum hatten wir die Flasche Wein bestellt, haben wir uns daran erinnert, dass man in Kanada ja, ähnlich wie in den USA, immer sofort nach dem Essen die Rechnung präsentiert bekommt, und wir es nie schaffen würden, die Flasche Wein in der kurzen Zeit auszutrinken. Also war klar, wir müssen die Flasche Wein mit aufs Hotelzimmer nehmen. Nur ist es ja verboten, Alkohol außerhalb geschlossener Räume zu sich zu nehmen und wir ahnten, dass so ein simpler Transport einer Weinflasche über eine Distanz von 100 Metern kompliziert werden könnte. Noch krampfhaft überlegend, was eigentlich “Korken” auf englisch heißt, haben wir die Bedienung darüber informiert, dass wir die Weinflasche nachher gerne mitnehmen würden. Sie sagte uns umgehend, dass sie dazu jemanden vom Hotel als Begleitservice organisieren würde, der dann mit uns zu unserem Zimmer ginge, um zu kontrollieren, dass wir den Wein auch wirklich dorthinbringen und a) nicht unterwegs konsumieren und b) schon gar nicht mit anderen Leuten. Oh man! Es gäbe aber, so fügte sie hinzu, auch den inoffiziellen Weg. Wir könnten die Weinflasche z.B. auch unter unserer Jacke hinausschmuggeln. Sie würde dann so tun als hätte sie nichts gesehen. Als wir schließlich zahlten, fragte sie tatsächlich, wie wir’s jetzt machen wollen: “The official or the inofficial way?”

 

Ein Kommentar

  1. Hallo Suzy und Lars
    Nova Scotia mag ja ein Naturparadies sein, aber ein Weitwanderprojekt für mich dort zu planen wurde bereits im Keim erstickt. Mit Schrecken las ich die Zeilen über euren Alkoholschmuggel.
    Was würde mir wohl passieren, wenn ich dort mit meinem Kinderwagen und der darin befindlichen Grundausstatung an Bierdosen erwischt würde. Schrecklich!!!
    Liebe Grüße Walter Wärthl

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