“Was Hape kann, kann ich schon lang” und andere Bücher über den Jakobsweg

Wanderbücher sind meistens nett und kurzweilig zu lesen. Man begleitet den Protagonisten dabei, wie er durch schöne Landschaft stapft und mit recht bodenständigen Problemen wie schmerzenden Füßen oder schnarchenden Zimmernachbarn zu kämpfen hat. Ich durchforste deshalb oft die Amazon-Top-100-Reisebücher nach solchen Wandergeschichten, bevorzugt von unbekannten Autoren, die einfach ihre ganz persönlichen Erlebnisse aufgeschrieben haben. Dabei stoße ich immer wieder auf Bücher über den Jakobsweg, die höchst amüsant und authentisch diese Mörderwanderung beschreiben. Wobei wandern und pilgern ja keinesfalls das Gleiche ist, wie ich inzwischen gelernt habe. Wandern ist etwas für den Körper, pilgern ist für den Geist. Wo jetzt genau der Unterschied liegt erfährt man wahrscheinlich erst, wenn man selbst frohen Mutes den Pilgerstab schwingt.

Vor einigen Jahren habe ich Hape Kerkelings “Ich bin dann mal weg” gelesen, seinen Mega-Bestseller über den Jakobsweg. Ich kann mich an nicht mehr viel aus diesem Buch erinnern, außer, dass es mir nicht gefallen hat und mir stellenweise unglaubwürdig erschien. Von irgendeinem peruanischen Guru war da die Rede, was ich kitschig-skurril fand. Brav habe ich mir dann auch noch den Ich-bin-dann-mal-weg-Kinofilm angeschaut, der extrem unlustig und langsam dahinplätschernd war. Da lobe ich mir doch die drei Jakobsweg-Geschichten, die ich nun entdeckt habe. Diese Erlebnisse machen Spaß!

Drei geniale Jakobsweg-Bücher

Da sind

Drei ähnliche, und trotzdem individuelle Geschichten, die sich mit den Licht- und Schattenseiten des bekanntesten Pilgerwegs der Welt auseinandersetzen. Besonders herrlich für den Leser ist dabei die Beschreibung der Pilgerherbergen (die man, wie Raúl Etto zu recht beschreibt, auch gekonnt umgehen kann) sowie das Portrait der zahlreichen Mit-Pilger, mit denen man mal mehr und mal weniger Glück haben kann. Sehr schön ist außerdem, dass alle drei Bücher ohne viel religiöses Geschwafel auskommen. Vielmehr setzen sie sich mit der Reise an sich, den Ängsten, Freuden und Leiden auseinander, sowie natürlich mit dem Aspekt der “Selbsterfahrung”. Es ist sehr interessant zu lesen, wie ein schmerzender Fuß das Aus der Reise bedeuten kann, welche Niederlage es ist, für einige Kilometer den Bus zu nehmen oder wie einen seltsame Mitreisende in den Wahnsinn treiben können. Und was ich auch noch nicht wusste: Es gibt Jacotrans, ein Unternehmen, dass das Gepäck von einer Station zur nächsten transportiert, wenn man es nicht selbst schleppen möchte.

Romantik oder Massentourismus?

Bei mir ist zwar die Versprechung der einen oder anderen Buchbeschreibung nicht eingetreten – nämlich, dass man nach der Lektüre des Buches am liebsten gleich selbst die Wanderschuhe schnüren und den Pilgerstab schwingen möchte -, aber als Leser bin ich sehr sehr gerne dabei. Natürlich ist es reizvoll, den Jakobsweg zu gehen, 800 Kilometer oder mehr, und dabei über sich selbst hinauszuwachsen. Ich befürchte aber, dass die Zeit, in dem der Jakobsweg ein Weg war, auf dem man zu sich selbst finden konnte, schon längst vorbei ist. Mittlerweile ist er leider dem Massentourismus zum Opfer gefallen. Schauen wir uns die Zahlen an, die Raúl Etto in seinem Buch so schön aufzeigt: 1990 gab es 5.000 Pilger auf dem gesamten Jakobsweg, im Jahr 2000 kamen alleine 50.000 in Santiago de Compostela an – dazu muss man wissen, dass 52% unterwegs abbrechen und eben nicht am Ziel ankommen. 2006 kamen 100.000 Pilger in Santiago an, 2014 ca. 240.000. Nach Romantik klingt das nicht so. Ich glaube deshalb, wir probieren es lieber mit einem anderen Fernwanderweg. Vielleicht. 🙂

 


Ferdinand Mirbach
Was Hape kann, kann ich schon lang
Kindle Edition
145 Seiten
29. Dezember 2016
1,99 Euro

Raúl Etto
Jakobsweg für Manager
264 Seiten
9. November 2015
Verlag: tredition
ISBN: 978-3732354924
11,95 Euro
Meik Eichert
Abenteuer Jakobsweg
442 Seiten
24. September 2013
Verlag: Create Space
ISBN: 978-1492721390
11,79 Euro

 

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