Wintereinbruch in Island – Kein Spaß!

2015-03-28 Fahrt nach Husavik 21Ich erinnere an unseren Mietwagen ohne Spikes. Mit dem haben wir vom Myvatn-See aus noch schnell einen kleinen Abstecher nach Husavik gemacht. Eigentlich wären wir gerne noch etwas tiefer in die verrückte Landschaft rund um den Myvatn eingetaucht, aber der eisige Wind hat jeden Aufenthalt außerhalb geschützter vier Wände zur Qual gemacht. Also haben wir uns für gemütliche Autofahrten durchs Winter-Wonderland entschieden und sind nach Norden aufgebrochen.

Husavik ist so eine Art Provinzhauptstadt mit 2.200 Einwohnern, 60 Kilometer vom Myvatn-See aus entfernt. Wer am Myvatn wohnt findet dort das nächste Krankenhaus und einige Shopping-Möglichkeiten. Außerdem ist Husavik eine Hochburg für Walbeobachtung. Das klingt jetzt so, als würden sich Menschenmassen auf den Weg dorthin begeben. Ein Trugschluss! Die Straße ist nicht einmal durchgehend geteert, kilometerlang schiebt man sich über eine Schotterpiste. Verkehr gibt es so gut wie keinen, dafür aber viele schöne Blicke auf unberührte Natur.

In Husavik ist der Hafen recht schön, und von dort aus kann man noch einen kleinen Abstecher auf die Halbinsel Tjörnes machen. Von dort aus hat man – mit etwas Fantasie (grins) – einen wunderbaren Blick auf den etwa 20 Kilometer entfernten Polarkreis. Fast vier Jahre lang war dies der nördlichste Ort, den ich je in meinem Leben betreten habe. In Husavik selbst überrascht der Großparkplatz in der Nähe des Hafens – da kann man sich vorstellen, was dort im Sommer los ist wenn die Walbeobachtungsschiffe von Touristen nur so überrannt werden. Wir waren zum Glück das einzige Auto auf diesem Parkplatz, haben die verwunderten Einheimischen mit der Frage nach Möglichkeiten zum Mittagessen überfordert und schließlich sogar das einzig offene Restaurant am Ort ausfindig gemacht.

Der besorgte Blick auf den Wetterbericht hat uns dabei ständig begleitet. Denn es war starker Schneefall angekündigt. Die 95 Kilometer vom Myvatn aus zurück zum Flughafen in Akureyri bei starkem Schneefall ohne Spikes zurückzulegen war jetzt nicht unbedingt etwas, was wir uns recht spaßig vorgestellt haben. Die skeptischen Blicke der Isländer angesichts der nichtvorhandenen Spikes haben ihr Übriges getan. Als am nächsten Tag der Himmel dann plötzlich grau statt blau war, der Eiswind Außenaufenthalte noch ungemütlicher gemacht hat und unser Auto komplett eingefroren war, haben wir uns deshalb zähneknirschend zu einer vorzeitigen Abreise entschieden. Und logischerweise begann es genau dann zu schneien, als wir losgefahren sind.

Unterwegs begegnen einem dann so lustige Schilder wie solche mit Schneeketten drauf (wir hatten natürlich keine dabei). Richtet man den Blick dann vom Schild aus etwas weiter nach links, Richtung Straße, sieht man wie sich die Straße einen Hügel hinaufschlängelt, mit 16% Steigung. Geschlossene Schneedecke auf der Fahrbahn, und Leitplanken werden in Island zu einem großen Teil überbewertet. Da hilft dann wirklich nur eine gesunde Portion Gottvertrauen, Gas geben und mit Karacho rauf auf den Berg. Zum Glück ging alles gut. Angesichts des nichtvorhandenen Verkehrs muss man dort in einer Notsituation vermutlich schon einige Zeit warten, bis jemand vorbeikommt und einem helfen kann.

Mit dem Flugzeug (der gewünschten Fokker!) ging’s dann zurück nach Reykjavik wo wir unglaublicherweise ein weiteres Mal in den Genuss der Polarlichter kamen. Über der Stadt ist es zwar ziemlich hell, aber dennoch waren die Lichter gut am Himmel über der Bucht zu erkennen. Und dann mussten wir, mit sehr, sehr schwerem Herzen, die Heimreise antreten. Island zu verlassen ist etwas, was man wirklich nicht gerne tut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.