Die Verhüllte unverhüllt – Island Roadtrip, Teil 5

2016-04-25 PferdeIsländische Öffnungszeiten wären nicht isländische Öffnungszeiten, wenn sie immer stimmen würden. Guter Dinge haben wir deshalb am nächsten Tag das Eyjafjallajökull Visitor Center angesteuert. Ihr erinnert Euch: Laut Website sollte das Center an Wochenenden geschlossen sein, laut Aushang an der Eingangstür aber täglich um 11 Uhr aufmachen. Es war Sonntag, kurz vor 10 Uhr. Unser Optimismus wurde nicht enttäuscht: Auf dem Parkplatz vor dem kleinen Gebäude stand bereits ein Reisebus, die Tür des Visitor Centers war offen, und zehn Sekunden nach unserem Betreten des Centers wurde auch schon die filmerische Dokumentation über den Vulkanausbruch gezeigt. Und die muss man jetzt näher erklären.

Am Fuße des Eyjafjallajökull liegt ein großer Bauernhof. (Fotos davon findet Ihr in meinem letzten Beitrag). Als der Vulkan beschloss, dass mal wieder so ein kleiner Ausbruch fällig ist, war dieser Bauernhof besonders betroffen. Die Familie musste den Hof verlassen und bangte um ihre Existenz. Im Film wird das Ganze ziemlich spektakulär und schockierend dargestellt; man möchte angesichts der Katastrophe mit ungewissem Ausgang am liebsten ein paar Tränchen vergießen. Die im Film gezeigten Bilder von der Aschewolke, als der Tag zur Nacht wird, und der Evakuierungsaktion, und vor allem die Interviews mit der verzweifelten Familie gehen wirklich nahe. Am Ende geht aber alles gut, der Hof wird von der Lava nicht weggespült sondern nur von der Asche verschüttet, und heute lebt die Familie wieder glücklich wie in alten Zeiten. Ein toller, sehenswerter Film, und ziemlich professionell.

Aber wie kam dieser Film eigentlich zustande? Nunja, der Bauernhof-Inhaber ist anscheinend auch ein findiger Kopf. Beim2016-04-25 Thingvallavatn 02 ersten Grummeln des Vulkans hat er seinen Kumpel angerufen, der Filmemacher ist, und hat ihn gefragt, ober nicht Lust hätte, die ganze Geschichte zu dokumentieren. Es ist unklar, ob damals schon der Vermarktungsgedanke im Vordergrund stand, aber spätestens als aufgrund des Eyjafjallajökull-Ausbruchs weltweit Flüge gestrichen wurden, muss klar gewesen sein, dass das die Story schlechthin ist. Nach dem Ausbruch hat die Familie in kleines leerstehendes Haus gekauft und darin das Visitor Center eröffnet, exakt am 1. Jahrestag des Ausbruchs. Heute wird darin jedem Touristen, der des Weges kommt, der Film gezeigt. Gegen Geld natürlich. Meiner Meinung nach wird man auf diese Weise reich. Glück im Unglück sozusagen. Toll ist übrigens, dass die Tochter der Familie das Visitor Center leitet und alle Fragen beantwortet. Sehr aufschlussreich. Mein Fazit: Das Visitor Center ist ein absolutes Muss auf jeder Islandreise. Und: Das Wohnen am Fuße eines Vulkans kann zu Unannehmlichkeiten führen.

2016-04-25 Landschaft 02Obwohl wir mit den außerplanmäßigen Öffnungszeiten des Visitor Center ja schon megamäßig Glück hatten, verließ uns dieses Glück auch bei der Weiterfahrt nicht. Denn wir bekamen die Hekla zu Gesicht! Die Hekla ist der Zentralvulkan Islands, einer der drei aktivsten Vulkane Islands, und auch als “Tor zur Hölle” bekannt. “Hekla” bedeutet “Die Verhüllte”, weil ihr Gipfel eigentlich immer in Wolken gehüllt ist. Aber nicht letzte Woche! Da zeigte sie sich in ihrer ganzen unverhüllten Pracht. Wir sind extra einen 40 Kilometer langen Umweg gefahren, immer auf die Hekla zu, um sie möglichst lange bestaunen zu können. Ausgebrochen ist sie während dieser Zeit leider nicht, obwohl sie eigentlich ständig ausbricht. Zum letzten Mal im Jahr 2000.

Diesen Tag ließen wir auf einem Bauernhof ausklingen. “Farm Stay” nennt man das auf Neudeutsch. Ein gemütliches Zimmer, ein noch gemütlicherer Gemeinschaftsraum, zwei Hunde und absolute Ruhe. Das würde ich in Zukunft öfter machen!

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