Eyjafjallajökull, ganz zahm – Island Roadtrip, Teil 4

2016-04-23 Eyjafjallajökull 03Als ich 2010 zum ersten Mal in Island war, war der Ausbruch des Eyjafjallajökull gerade vier Monate vorbei. Da viele Landstriche in Island ziemlich schwarz, ziemlich vulkanisch und ziemlich zerstört sind, habe ich mich damals schwer damit getan, den Ort des Vulkanausbruchs überhaupt zu entdecken. Die Ringstraße war längst repariert, die Asche weggeweht, und die Eyjafjallajökull-Marketingmaschinerie noch nicht angelaufen. Insgesamt war dieser Reiseabschnitt entlang des Vulkans also eher enttäuschend. Nicht so aber im Jahr 2016: Der Lonely Planet Reiseführer offenbarte ein “Eyjafjallajökull Visitor Center”, das recht lohnenswert sei; ein Reykjaviker Taxifahrer bestätigte uns diese Aussage. Ich war also mega gespannt.

Wer die isländische Ringstraße entlangfährt, darf sich aber erstmal an unzähligen anderen Sehenswürdigkeiten erfreuen, bevor der Eyjafjallajökull in greifbare Nähe rückt. Ein Schweizer, den wir unterwegs getroffen haben, hat das so ausgedrückt: “Es gab so viel zu sehen, irgendwann war ich einfach voll und nicht mehr aufnahmefähig. Da habe ich dann beim Weiterfahren gedacht: Hoffentlich kommt jetzt nichts mehr!”. Ja, genau so ist es. Aber: Dass “nichts mehr” kommt ist in Island relativ unwahrscheinlich…

Wir haben den Tag mit einer Besichtigung der Basaltsäulen 2010-08-03 Kirkjubaerjarklaustur - Kirkjugolf 02von Kirkjubæjarklaustur begonnen, eine Laune der Natur und nicht vom Menschen gemacht [das Foto rechts ist von 2010]. Anschließend ging’s nach Vik i Myrdal, wo die berühmten schwarzen Felsnadeln aus dem Wasser ragen. Leider ist der Strand bei diesen Felsen mittlerweile zu einer Anlaufstation für Massentourismus inklusive Raststation geworden. Beim Anblick der ganzen Autos und Busse sind wir nicht mal ausgestiegen, sondern haben lieber die Flucht ergriffen. Leider hatten wir auch bei unserem nächsten Stop wenig Glück: Die Vogelfelsen von Dyrholaey. Dort war der Wind so stark, dass wir es erst nach einer kleinen Umpark-Aktion überhaupt geschafft haben, die Autotüren aufzubekommen. Einmal ausgestiegen bestand die Gefahr des Weggeweht-Werdens – keine Chance also zum Meer oder zu den Vogelfelsen zu kommen. Schade!

2016-04-23 Skogafoss 03Dafür war unsere Weiterfahrt nach Skogar (25 Einwohner) ein voller Erfolg. Dort werden neuerdings hungrige Touristen von einer Fish & Chips-Bude mit isländischer Kulinarik versorgt. Das ist aber nicht die Hauptattraktion, sondern der Skogafoss-Wasserfall, 60 Meter hoch und bei schönem Wetter mit einem Regenbogen verziert. Ein Traum! Außerdem gibt es dort ein tolles Heimatmuseum mit echten alten Grassodenhäusern inklusive Original-Einrichtung, die noch bis in die 70er Jahre bewohnt waren. Beim Herumlaufen in diesen Häuschen bekommt man ein gutes Gefühl, wie das Leben früher in dieser Enge (und Kälte) gewesen sein muss – ein Spaß war’s sicher nicht.

Im Heimatmuseum gab’s, wie nahezu überall in Island, kostenloses W-Lan, weshalb ich noch schnell einen Blick auf die 2016-04-23 Skogar Heimatmuseum 04Homepage des Eyjafjallajökull Visitor Center warf, um die Öffnungszeiten zu checken. (Der Visitor Center hat übrigens die coolste Internetadresse ever: www.icelanderupts.is). Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten: “Bis Ende April ist das Center an Wochenenden geschlossen”, verkündete ein Pop-Up-Fenster. Es war Samstag. Diese Information hatte der Lonely Planet gekonnt verschwiegen. Wir beschlossen, das Visitor Center trotzdem mal anzusteuern, und siehe da: Ein Schild verkündete, dass das Center täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet hat. Trotzdem blöd, es war nämlich schon nach 16 Uhr und unsere Weiterreise am Morgen würde weit vor 11 Uhr stattfinden. Naja.

2016-04-23 Ich vorm EyjafjallajökullImmerhin fanden wir den Eyjafjallajökull – gleich gegenüber vom Visitor Center – gut ausgeschildert, ganz brav und  in schneebedeckter Pracht vor. Das war schon ein toller Moment, direkt vor diesem Berg zu stehen, der 2010 so viel Schaden angerichtet hat. Die Schautafel auf dem kleinen Parkplatz zeigte sogar ein beeindruckendes Bild mit der großen Rauchwolke, die sich über der Farm am Fuße des Berges zu Beginn des Vulkanausbruchs ausgebreitet hatte.

Und, um uns dann noch besonders milde zu stimmen, tauchte ein paar Meter weiter auf einmal ein Café auf – und das ist in Island außerhalb der größeren Städte wahrhaftig keine Selbstverständlichkeit! Darin konnten wir, dem plötzlich wieder anwesenden Wind lauschend, diesen mit Sehenswürdigkeiten gespickten Tag so richtig ausklingen lassen. Und wie das mit dem Visitor Center wirklich ausging erfahrt Ihr morgen…

 

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