Seehunde im Jökulsárlón – Island Roadtrip, Teil 3

2016-04-22 Jökulsarlon 02Jökulsárlón ist die berühmte Gletscherlagune, auf dessen Eis James Bond im Jahr 2002 mehrere Aston Martins geschrottet hat (“Stirb an einem anderen Tag”). Der normale Island-Besucher fährt dort nicht hin, um Autos zu schrotten (naja, fast – dazu gleich mehr), sondern um die faszinierenden, auf dem Wasser schwimmenden Eisbrocken anzuschauen, die der kalbende Gletscher nach und nach ausspuckt.

Im Sommer kann man mit lustigen Amphibien-Booten im Jökulsárlón herumschippern; jetzt im Winter ist die Lagune dafür zu sehr zugefroren. Dafür hatte der Jökulsárlón ein anderes Highlight zu bieten, das tausend Mal schöner ist als Amphibienboote: 2016-04-22 Jökulsarlon mit SeehundEtwa 20 Seehunde, die fröhlich in der Lagune herumschwammen, den Kopf stets aus dem Wasser. Das war vielleicht genial! Leider waren die Tiere immens scheu und kamen nie in Ufernähe, aber es war trotzdem ein wunderschönes Schauspiel. Da wurde man dann fast ein bisschen wehmütig bei dem Gedanken, dass die Tiere von den Amphibienbooten vermutlich ab demnächst wieder für ein paar Monate vertrieben werden…

Der Jökulsárlon ist, wie gesagt, eine Lagune, die ins offene Meer mündet. In der starken Strömung treiben dort die Eisbrocken aufs Meer hinaus, was faszinierend anzusehen ist. Außerdem gibt es dort einen schwarzen Sandstrand (“Fast wie auf Teneriffa”), an dem man – wenn man nicht wind-scheu ist – herumflanieren kann. Drei asiatische Touristinnen hatten dort wohl 2016-04-22 Jökulsarlon - Die stecken festzu viele James-Bond-Flausen im Kopf und sind kurzerhand vom geschotterten Parkplatz in Richtung Meer gefahren, um mit ihrem Allrad-Fahrzeug mal so richtig schön über den Sandstrand zu brettern. Warum Sandbleche ausgerechnet Sandbleche heißen, haben sie sich in diesem Moment vermutlich nicht gefragt, und ob es nicht vielleicht besser wäre, selbige in solch einer Situation auch dabei zu haben, vermutlich auch nicht. Als wir ankamen waren die drei gerade fleißig dabei, ihr tief eingesunkenes Auto freizuschaufeln (was mit den Händen in dem eisigen Sand sicher kein Spaß war) und gleichzeitig Passanten zum Mitschaufeln zu animieren. Wir hätten dem Ausgang der Story gerne beigewohnt, aber als die Gruppe 20 Minuten später immer noch am Schaufeln war, haben wir dann doch mal das Weite gesucht… 2010-08-04 Svinafellsjökull - Missing

Nächste Station unserer Tour war der Svinafellsjökull, ebenfalls eine Gletscherlagune, bei Weitem nicht so touristisch wie Jökulsárlón, aber meiner Meinung nach trotzdem die Schönere von beiden. Um zur Lagune zu kommen muss man erstmal eine zwei Kilometer lange Schotterstraße in schlechtem Zustand hinter sich bringen, was mit einem normalen PKW zu kontinuierlichen Schweißausbrüchen führt (ich spreche aus Erfahrung). Das hält den Massentourismus schon mal ab. Außerdem kommt man am Svinafellsjökull ohne professionellen Guide nicht weit: Seit dort 2007 zwei Deutsche verschwunden sind, stehen überall Warnschilder und Zäune herum. Für das Schicksal der Deutschen tun sich, 2016-04-22 Svinafellsjökull 02wenn man da so dortsteht und auf das Eis blickt, eine Menge Horrorszenarien auf: Im kalten Wasser erforen, in eine Gletscherspalte gefallen, vom Eis zermalmt… Nicht schön jedenfalls. Umso traumhafter dafür allerdings der Anblick der das Horrorszenario verursachenden Umgebung…

Die Nacht haben wir in einem Hotel verbracht, das mitten im Nichts aus Containern gebaut wurde. (Fragt mich nicht, wie das dort mit der Kanalisation funktioniert…). Ich hatte dort 2010 schon übernachtet. Was ich nicht wusste: Wenige Monate später ist dort ein Vulkan 2016-04-22 Fosshotel Nupar mit Lavaausgebrochen, der Grimsvötn. Der hat das Hotel komplett verschüttet. Nach dem Ausbruch musste das Hotel wieder ausgegraben und der gesamte Innenraum von Asche gesäubert werden. Wie das aussah habe ich Euch aus einem Buch abfotografiert.

Man merkt: Island wäre nicht Island ohne einen gelegentlichen Vulkanausbruch. War da nicht noch der Eyjafjallajökull? Ach ja. Dem haben wir am nächsten Tag einen Besuch abgestattet.

2 Kommentare

  1. Mein lieber Schorli, was einem da alles passieren kann! Ein Komforturlaub ist das ja nicht gerade. Aber eine wundervolle Landschaft. Und wenn man nicht gerade darin auf nimmerwiedersehn verschwindet und man dann daheim auch noch davon erzählen kann, ist das ein unvergessliches Erlebnis. Das macht richtig Lust auf dieses Land. Danke für die tollen Eindrücke für uns Daheimgebliebenen, die sich im warmen und sicheren Zimmer das anschauen können.

  2. Zuhause bleiben ist aber nur die halbe Miete! Die Welt gehört uns, schauen wir sie uns an!

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