Im Winter schöner als im Sommer – Island Roadtrip, Teil 2

2016-04-21 Faskrudsfjördur - Höfn 04Im August 2010 – also kurz nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull – war ich zum ersten Mal in Island. Damals habe ich mit dem Mietwagen die ganze Insel umrundet und fand trotz seiner Schönheit den Ostteil der Insel ein bisschen deprimierend. Egal wo man hinblickte, es war immer irgendwo Schnee zu sehen (wie gesagt, es war August!), und es hatte stellenweise nur acht Grad. Während ich alle Jacken, die ich dabei hatte, übereinander anzog und trotzdem noch fror, sind die Isländer damals in kurzen Hosen und Birkenstocksandalen herumgelaufen. Die wenigen Dörfer in dieser Gegend, die allesamt in irgendwelchen Buchten am Fuße von Bergen liegen, hatten etwas traurig-Abgeschiedenes an sich, das mich nachhaltig beeindruckt und eher abgeschreckt hat. Jetzt, im Winter/Frühling, dorthin zurückzukehren war deshalb ein ziemlich überraschendes Erlebnis.

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Mit den schneebedeckten Bergen und der eisigen Landschaft hat sich die ganze Tristesse von damals nämlich in eine totale Idylle verwandelt. Die Landschaft, die wir antrafen, war ein absolut malerisches Bild, an dem man sich nicht sattsehen konnte. Nach jedem Meter, den wir zurückgelegt haben, hatten wir den Eindruck, dass das Bild nun noch schöner ist als zuvor. Ständig hatten wir das Gefühl, die Kamera zücken zu müssen, um alles festzuhalten. Dabei wissen wir ja leider, dass Island-Bilder bei Weitem nicht so schön sind wie Island-in-Echt…

Petras Steinesammlung

2016-04-21 Steinasafn PetruUnser erstes Hotel lag in Faskrudsfjördur, einer 4.700-Einwohner-Gemeinde, deren Einwohner zu einem großen Teil im nahegelegenen Aluminiumwerk arbeiten. Von dort aus führt die isländische Ringstraße immer schön am Meeresufer zickzack die Buchten entlang, was dem begeisterten Fahrer ungeahnte Panoramen bietet. Und kurz nach der Abfahrt vom Hotel waren wir bereits mit dem Glück gesegnet, dass uns den ganzen Urlaub nicht mehr verlassen würde. In einem Dorf ein paar Kilometer weiter hat nämlich die Petra gelebt. Und die Petra hat Steine gesammelt. So viele, dass sie irgendwann ein ganzes Haus und einen ganzen Garten brauchte, um ihre Steine lagern zu können. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass das eine der größten privaten Steinesammlung der Welt ist. Blöd nur: Im Reiseführer stand, dass Petras Steinesammlung erst ab Mai für Touristen zu besichtigen ist. Wir sind natürlich trotzdem mal hingefahren. Und während wir so über den Gartenzaun spitzen kommt ein Mann dahergefahren, der fragt, ob er uns aufsperren soll..! So ein Zufall! Wider Erwarten sind wir also doch in den Genuss dieses Highlights gekommen – echt bombastisch, diese Steine überall herumliegen zu sehen.

Rentiere!2016-04-21 Faskrudsfjördur - Höfn 06

Bald darauf ließen sich die ersten Rentiere blicken. Seltsamerweise sind sie deutlich scheuer als ihre finnischen Verwandten, die ja anscheinend am liebsten auf der Straße herumlaufen und Autofahrer blockieren. Die isländischen Rentiere dagegen hielten sich von der Straße eher fern, und: sie hatten kein Geweih. Goldig waren sie trotzdem! Neben Schafen, Kühen und unzähligen Islandponys gab es außerdem Tausende von wilden Gänsen. Überall sind sie auf den Feldern gesessen und haben geschnattert – ein tolles Bild! In so gut wie jeder noch so kleinen Pfütze sind außerdem Schwäne herumgeschwommen, und an nahezu jedem Felsen in Meernähe waren die Möwen gerade dabei, ihre Eier auszubrüten. So viele Tiere hatte ich zuvor noch nie in Island gesehen.

Abgeschiedenes Leben

Und auch die Isländer haben natürlich ihrem Ruf wieder alle Ehre gemacht: Während wir bei ungefähr 5 Grad einen kleinen Spaziergang durch Djupivogur (470 Einwohner) gemacht haben, hat ein Vater gerade mit seinen Kindern im Garten seines Hauses kurzärmlig Ball gespielt. Außerdem haben wir einen Kindergeburtstag beobachtet, bei dem jedes Kind natürlich ein Geschenk dabei hatte. Wir haben uns gefragt, wo man diese Geschenke wohl kauft, wenn man so dermaßen abgeschieden wohnt? Djupivogur liegt wirklich meilenweit von irgendetwas entfernt, das den Namen “Stadt” verdient. Ob die wohl alles bei Amazon bestellen? Wie oft kommt die Post dort an? Übrigens war das Sortiment in den Supermärkten dieser abgelegenen Ortschaften stets extrem überschaubar. Man meint eigentlich, dort müsste es alles geben, aber ich bezweifle, dass man mit den dort angebotenen Nahrungsmitteln was Gescheites kochen kann. Nur das Obst (Mandarinen, Ananas & Co) sah interessanterweise ziemlich akzeptabel aus…

[Dieser Tag endete übrigens mit einem schönen Steinschlag in der Frontscheibe von unserem Kia. Schotterstraßen sei Dank. Aber den Spaß war’s wert.]

 

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