Irgendlinks Postkarte und die Reise ans Kap

Der Papst – das habe ich im Radio gehört – hat letztens behauptet, Social Media mache einsam. Ich habe mich gefragt, woher der Papst das wissen will, und ob er vielleicht eine kleine Social Media Beratung bräuchte. Denn wenn er wirklich auf Facebook, Twitter & Co. unterwegs wäre (und es richtig anstellen würde), dann wüsste er, dass Social Media nicht einsam macht, sondern bereichert. Auf dem Spaziergang durch Blogbeiträge, Facebook-Posts und Twitter-Tweets begegnet man immer mal wieder interessanten Menschen, an denen man hängenbleibt. Meine neueste Entdeckung in diesem Bereich ist irgendlink, alias Jürgen Rinck. Ein Künstler auf Reisen, ein genialer Wort-Jongleur, und einer der weiß, wie man Realität und Virtualität durcheinandermischt.

Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern, wann und warum ich eigentlich auf irgendlink aufmerksam geworden bin. Irgendwo in Twitter ist er mir über den Weg gelaufen. Den Nicknamen fand ich genial, noch genialer seine Tweets, und am genialsten erschien mir die Idee von irgendlinks Reise: 1995 ist er mit dem Fahrrad von Mainz bis (fast) ans Nordkap geradelt und hat alle zehn Kilometer ein Foto der gefahrenen Strecke gemacht. Diese Reise möchte er nun, 20 Jahre später, wiederholen – und natürlich auch wieder die Strecke fotografieren. Ein bisschen zurück in die Vergangenheit, ein bisschen Wehmut angesichts der vielen vergangenen Zeit, ein bisschen Abenteuer. Ich war auf Anhieb neidisch.

Am 16. Juni ist irgendlink losgeradelt. Seine Reise bloggt und twittert er live (#AnsKap), untermalt von tollen Bildimpressionen und seinen oft herrlich absurden Gedankengängen. Es ist eine Art Reise2.0, die – für die Außenwelt – abhängig ist von der Existenz des World Wide Webs, von dem Funktionieren des Smartphones und dem Internetempfang. Zeitweise bekommt man als Mitleser deshalb direkt Panik, dass irgendlinks Handyakku leer werden könnte und man plötzlich abgeschnitten ist, von dieser Reise und dem Erlebten.

Gestern ist irgendlink im schwedischen Malmö angekommen, noch bis Anfang September wird er unterwegs sein. Für alle, für die die Blogbeiträge und Twitternachrichten nicht genug sind, hat er noch eine weitere geniale Idee auf Lager: Die iDogma-Postkarte. Das sind mit dem Smartphone gestaltete Postkarten, die über eine Postkartenapp versendet werden. Jede Postkarte ist ein Unikat und als Kunstobjekt zu sehen. Ich habe mir eine solche Karte bestellt, auch wenn das zugegebenermaßen nicht ganz billig war. Sie kam vor ein paar Tagen aus Trebnitz in Sachsen-Anhalt und zeigt neun Fotos von abblätternder Farbe am Zaun des lokalen Sportplatzes. Ein sehr schönes und auch tiefgründiges Motiv, das für mich auch viel über das Vergehen der Zeit aussagt. Ich halte die Karte schon jetzt in Ehren und schaue sie immer wieder an.

Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, bei #AnsKap dabeizusein (und festzustellen, warum Social Media nicht einsam macht), sollte schleunigst irgendlinks Blog oder Twitterprofil einen Besuch abstatten. Ich überlege unterdessen, wann ich mir die nächste iDogma-Postkarte bestelle.

https://twitter.com/irgendlink

http://irgendlink.de

 

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