Wenn plötzlich der Beamer ausgeht, oder: Wunderschöne Inseln des Nordens

Grönland, Spitzbergen, Lofoten, Färöer, Island. Ein bisschen kalt zwar, aber dennoch traumhafte Reiseziele. Vor ungefähr einem Jahr saßen Lars und ich in Tromsö in Nordnorwegen am Flughafen und haben sehnsüchtig auf den Monitor mit den Abflügen gestarrt. “Svalbard” stand dort. Sämtliche Flugzeuge auf diesem Bildschirm schienen nach Svalbard zu gehen. Ich hatte zwar keine Ahnung, was und wo “Svalbard” ist, aber ich wusste: Da muss ich bestimmt hin! Google half, noch vor Ort, mal wieder weiter: Svalbard ist Spitzbergen. Irgendwie blöd, dass Lars und ich angesichts dieser ganzen Flüge nach Spitzbergen ausgerechnet in dieses eine Flugzeug Richtung Süden steigen mussten. Aber Spitzbergen läuft ja nicht weg. Und bis wir selbst eine Reise dorthin buchen, können wir mit Google Street View ein bisschen darauf herumspazieren (probiert’s mal aus, lohnt sich echt). Und wir können anderen Leuten zuhören, die bereits dort waren. Zum Beispiel Olaf Krüger und Kerstin Langenberger.

In der Pause war am Verkaufsstand der Referenten die Hölle los

Gestern waren die beiden im Rahmen der Reisevortragsreihe Blickpunkt Erde im Erlanger E-Werk zu Gast. “Inseln des Nordens” hieß ihr Vortrag. Der Saal war nicht ganz voll, aber immerhin fand der Vortrag auch gleich zweimal nacheinander statt. Neu im E-Werk ist ein riesiger, fest an der Saaldecke installierter Beamer. Der vom Veranstalter zu Beginn gleich mal hochgelobt wurde (ihr ahnt jetzt schon, warum ich das erwähne…). Bislang stand der Beamer irgendwo auf einem Tischchen zwischen den Gästen und hat Platz für zusätzliche Stühle weggenommen.

Los ging’s also, zunächst mit den Färöer Inseln (muss ich hin) und Island (ich komme!). Während Olaf einen superangenehmen Erzählstil hat, beeindruckt Kerstin eher durch ihr Leben an sich: Nach dem Abi hat sie einige Zeit auf isländischen Bauernhöfen gearbeitet, hat irgendwann in Nordnorwegen Hundeschlitten trainiert und schließlich in Spitzbergen ein Studium zum Arctic Nature Guide absolviert. Wenn sie gerade Zeit hat, macht sie allerlei verrückte Aktionen, wie zum Beispiel spontan mal zum Ejyafjallajökull zu fliegen, als er gerade ausbricht, und einige Wochen neben ihm zu campieren. Oder ein kleines Bad in der Antarktis nehmen, bei 1 Grad Wassertemperatur. Respekt. Für mich wäre das mal wieder nichts.

Irgendwoher wurde ein Ersatzbeamer organisiert

Nach einer Stunde gab es eine kleine Pause, dann rief Grönland. Zumindest theoretisch. Denn der neue, hochgelobte Beamer hatte sich in einen Tiefschlaf begeben und wollte absolut nicht mehr aufwachen. Winterschlaf sozusagen. Wahrscheinlich hat er die vielen Bilder von Schnee und Eis fehlinterpretiert. Als Zuschauer beobachtet man natürlich genau, was jetzt passiert. Lars und ich gingen davon aus, dass erstens ein Ersatzbeamer irgendwo griffbereit rumsteht und zweitens sofort ein Hausmeister anrückt. Da lagen wir allerdings falsch. Zuerst hat der Veranstalter selbst eine Viertelstunde lang versucht, den Beamer wieder zum Laufen zu bringen. Dann wurde ein Techniker angerufen, der allerdings sonstwoherkam und eine Zeitlang auf sich warten ließ. Zeitgleich wurde irgendwoher ein zweiter Beamer organisiert, der aber anscheinend in einem Auto gelegen hatte und mit beschlagener Scheibe aufwartete. Als nach ungefähr 45 Minuten der neue Beamer endlich einsatzbereit war, erwachte zufällig auch der alte Beamer aus seinem Winterschlaf. Dann, endlich!, stand der Reise nach Grönland nichts mehr im Wege.

Ich bin nicht schadenfroh, und für die Referenten tut mir diese ganze Situation total leid. Aber ich hoffe trotzdem, dass die Veranstalter etwas aus dieser Panne lernen. Als der Vortrag, nach traumhaften Bildern von Eisbären, Gletschern und Nordlichtern, zu Ende war, und wir mit der Gewissheit, dass wir absolut dringend unbedingt nach Spitzbergen und Grönland müssen, den Saal verließen, warteten draußen in der Kälte schon an die 300 Leute. Um 19 Uhr sollte der Vortrag ja ein zweites Mal gezeigt werden, aber durch den Beamerausfall hat sich alles wahnsinnig nach hinten verschoben. Am Ende war diese Panne also echt blöd für alle: Für die Referenten, die ordentlich ins Schwitzen gerieten, für uns, weil wir so lange warten mussten,  und für die nächste Tranche an Gästen, die dann in der Kälte herumstanden.

Der Qualität des Vortrags hat das allerdings absolut keinen Abbruch getan. Wenn Olaf & Kerstin mal wieder in unserer Nähe sind, kann ich nur raten: Geht hin und lasst Euch von den kalten Inseln dieser Erde verzaubern.

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