In Hammerfest (Norwegen)

Gestern sind wir nach Hammerfest gefahren. Das ist eine Stadt in Nord-Norwegen von der wir nur den Namen wussten und dass sie angeblich die nördlichste Stadt der Welt ist. 160 Kilometer Umweg war es uns wert einmal im Leben in Hammerfest genächtigt zu haben (und um herauszufinden dass man da nicht hin muss…). Eine tolle Strecke, am Meer entlang, vorbei an kleinen bunten Häuschen, an Rentieren und blühenden Wiesen. Durch konstante 11 Grad Außentempetatur, trotz blauem Himmel und strahlender Sonne. Durch stets eisigen Wind und gar nicht so weit weg der Blick auf Hügel mit Schneeresten.

Hammerfest kündigt sich nicht durch irgendwelche Vororte oder vereinzelte Häuschen an. Nein. Nach der letzten Kleinstadt passiert erstmal nichts. Man fährt durch eine trostlose, karge, kalte Landschaft. Und dann, hinter einer Biegung, taucht sie plötzlich auf: Die Stadt. Viele bunte Häuschen, die an die Hänge der Bucht geklatscht sind. Chaotisch, unübersichtlich und ehrlichgesagt nicht besonders schön. Und – falls wir es noch nicht erwähnt haben: sehr, sehr kalt (8 Grad bei unserer Ankunft). Die Lawinenschutzzäune an den Hängen hinter den Häusern lassen die Schneemassen im Winter erahnen. Es gibt keinen schönen Hafen, keinen schönen zentralen Platz. Hinter der Bucht befindet sich ein großer See, um den sich weitere bunte Häuschen scharen. Dort ist es etwas schöner. Das Coolste an der Stadt ist eigentlich der Eisbär im Wappen (und auf den Bierdosen).

Ich revidiere also meine Aussage vom Vortag: lieber bei den Verrückten am kalten, dunklen Nordkap leben als hier im kalten, trostlosen Hammerfest. (Obs hier jemals ein hammer Fest gibt? Wir bezweifeln es ja).

Als wir ankamen haben wir uns erstmal ins nächste – und vermutlich einzige – Café am Ort geflüchtet und nach Übernachtungsmöglichkeiten gesucht. Der ebenfalls einzige (winzige) Campingplatz am Ort liegt direkt am Ufer des oben erwähnten Sees und ist genauso chaotisch wie die Stadt. Die Wohnwagen parken kreuz und quer, drei Hartgesottene haben tatsächlich ihre Zelte aufgeschlagen – und es vermutlich später bereut, denn es hat die ganze Nacht in Strömen geregnet. Ein Typ hat für seinen Jeep einen Hänger dabei, darauf steht ein sargähnlicher Schlafkasten, in dem er anscheinend die Nächte verbringt. Erinnert mich irgendwie an Rotel-Tours. Wir haben uns wieder für so eine kleine Schlafhütte entschieden und gleich in der Hütte unseren Trangia angeworfen. Mittlerweile sind wir so weit dass wir darauf Rührei mit Tomaten und Käse zaubern können.

Während sämtliche Zeltplatzbewohner kleidungstechnisch aussehen als kämen sie gerade vom Nordpol, spielen draußen drei finnische Kinder in Sommerkleidchen. Klar, wir haben ja Juli.

Vier Tage Zeit haben wir nun für die Rückfahrt nach Kuusamo. Wenn das Wetter mitspielt und die Mücken uns nicht aufessen würden wir heute Nacht gerne nochmal zelten. Mal sehen, was sich ergibt.

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Wir waren etwas abgeschnitten vom Internet. Diese Zeilen schicke ich Euch aus einem Café in Lakselv, ein hässliches Kaff irgendwo im Nichts. Lustig: Wir sitzen innen (!!!) weil draußen so die Sonne brennt dass es unerträglich ist. Zentraler Punkt in Lakselv ist anscheinend der große Supermarkt (“co-op”). Wir gehen mittlerweile lieber in die kleinen Tankstellensupermärkte. Sie sind winzig, bieten aber alles (für Nord-Norwegen) Überlebenswichtige: Angel-Equipment, Trockenfisch, Gummisteifel und zusammenklappbare Sägen für die Handtasche. Sogar das Obst (Ananas!!!) sieht immer akzeptabel aus. Keine Ahnung wie die das machen.

Zurückgelegte Strecke ab Kuusamo:
1.222 Kilometer

Bestätigtes Stereotyp des Tages:
Löwenzahn wächst überall.

Highlight des Tages:
Das Rentier auf der Straße, das einfach nicht mehr weggehen wollte.

Geständnis des Tages:
Ich habe an einer Tankstelle in der Pampa nach Free Wifi gefragt. Da reden die Betreiber garantiert noch in 20 Jahren drüber.

Und sonst so?
Die Dauer-Helligkeit macht uns ganz meschugge. Dauer-Dunkelheit ist glaub ich angenehmer. Wir fühlen uns konstant wie im Jet-Lag.

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