Heimkommen.

2015080211271200_resizedJa, es ist ein bisschen still geworden. Der Horror vor dem Heimkommen hat mich nichts Sinnvolles schreiben lassen. Auch hat sich eine gewisse Reise-Erschöpfung breit gemacht. Vier Länder in drei Wochen, zwei Schiffahrten, vier Flüge, 2.200 Kilometer mit dem Auto. Hotels, Zeltplätze, Hütten. Moskitos, Rentiere, Menschen. Gedanken über das Leben, das eigene und das der anderen. So viele Eindrücke – unseren letzten Abend in Tallinn habe ich komplett im Bett verbracht. Draußen hat eine Band gespielt, es war urgemütlich.

Wie angekündigt haben wir Tallinn noch mit dem Hop-on-hop-off Bus erkundet. 15 Euro das Ticket – das angeblich angeglichene Preisniveau an Helsinki (man erinnere sich an die 25 Euro für das dortige Busticket) hat sich nicht bewahrheitet. Überraschenderweise gab es drei Buslinien. Eine davon zeigt interessierten Besuchern das Umland von Tallinn-Downtown jenseits der Hauptsehenswürdigkeiten. Nur ungefähr zu fünft saßen wir in diesem Doppeldecker-Bus. Klar, der gemeine Tourist interessiert sich lieber für das, was er eigentlich auch zu Fuß erkunden könnte. Vom Bus aus präsentiert sich Tallin auch außerhalb der schönen Fassaden als ansprechendes Städtchen. Wer mag sollte mal den Wikipedia-Eintrag über Estland lesen – da möchte man sofort auswandern. Der öffentliche Personnennahverkehr in Tallinn ist für die Einheimischen kostenlos, jeder hat ein Recht auf kostenlosen Internetzugang und die Einheitssteuer wird jedes Jahr um einen Prozentpunkt gesenkt.

Nach der Bustour haben wir uns stundenlang in einem der zahlreichen tollen Restaurants niedergelassen. Wirklich, es gibt so viele schöne Restaurants, dass die Auswahl schwerfällt. Mir hat auch gut gefallen, dass überall mit estnischer Küche geworben wird – schließlich will man das als Tourist ausprobieren. Dazwischen findet man armenische, moldawische und russische Restaurants; wer auf kulinarische Entdeckungsreisen gehen möchte ist in Tallinn genau richtig. Für kleines Geld haben wir hervorragend gegessen, auf der winzigen Terrasse in einer kleinen Gasse. Wir konnten die Menschen beobachten, die Sonne hat geschienen und der Kellner wollte unbedingt seine Deutschkenntnisse mit uns üben. Wohlfühlfaktor ohne Ende.

Gestern früh dann neuerliches Koffer – äh Rucksack- – Packen. Neuerliches Ausmisten. Anschließend auf zum Flughafen – dem schönsten, der uns je begegnet ist. Keine Plastikstühle, keine schlechten Fast-Food-Klitschen, keine grauen, hässlichen Sitze. Bunt, hell, stylisch, mit vielen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Wartenden Passagiere. Spätestens da muss man sich in Estland verlieben. Unspektakulärer Flug nach Frankfurt und damit Ende der Free-Wifi-Ära. Unspektakulärer Weiterflug nach Nürnberg. Heimkommen.

Eigentlich dachte ich, ich sollte vielleicht gar nicht mehr reisen, dann würde ich mir das Heimkommen ersparen.
Aber vielleicht sollte ich anders denken. Vielleicht wäre mehr Reisen die richtige Lösung. Vielleicht würde ich mich dann irgendwann auch ans Heimkommen gewöhnen.

[Die Bildergalerien der letzten Tage sind nun alle auf “Komfort-Ansicht” umgestellt.]

P.S. In den nächsten Tagen gibt’s hier natürlich noch einige Bildergalerien mit den “schönen” Fotos der “richtigen” Kamera.

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