Grenzen (Noch 6 Tage)

Weise Menschen haben mir vorher geraten, bei den Serpentinen mitzuzählen - das würde mich davor bewahren, dass mir schlecht wird. Sie hatten recht, obwohl es viele Serpentinen waren. Sehr viele.

Fahrt von Chile nach Argentinien

Schon seit Wochen üben zwei Orte, die ich während der kommenden 120 Reisetage passieren werde, eine geradezu absurde Faszination auf mich aus. Die beiden Orte heißen Erlian und Hito Cajones, und außer diesen seltsam klingenden Namen weiß ich eigentlich so gar nichts von ihnen. Dennoch sind sie Meilensteine für mich – sie sind Landesgrenzen, und ich werde sie auf dem Landweg passieren. Wann erlebt man in der heutigen Zeit noch Grenzübergänge, die sich nicht irgendwo an einem internationalen Flughafen abspielen und aus mehr oder weniger angenehmen Passkontrollen bestehen?

Ich krame in meiner Erinnerung und suche nach solchen Grenzübertritten. Mir fällt tatsächlich nur ein einziges Land ein, das ich auf dem Landweg betreten und verlassen habe: Argentinien (von Santiago de Chile mit dem Bus nach Mendoza). Und im Gegensatz zu den wahrscheinlich hundert “herkömmlichen” Grenzübertritten, die ich in den vergangenen Jahren über mich ergehen ließ, ist mir die Reise nach Argentinien in ganz besonders lebhafter Erinnerung.

Auf dem Hinweg musste unser Bus (und damit auch wir) an der Grenze mitten in den Anden, mitten in der Nacht, und bei Minusgraden (gefühlt) stundenlang warten, bis sich irgendein Grenzer erbarmt hat, die Stempel in unseren Pass zu klopfen. Zu diesem Zeitpunkt war ich dem Erfrierungstod nahe. Auf der Rückfahrt hatte einer der an der Grenze eingesetzten Spürhunde ausgerechnet bei meinem Gepäckstück angeschlagen; ich musste es öffnen und komplett ausräumen. Ein (noch geschlossenes!) Glas Oliven hatte das Tier erschnüffelt. Da es verboten ist, Obst und Gemüste nach Chile einzuführen, musste ich das Glas zurücklassen und vor den Augen der versammelten Bus-Insassen den verstreuten Inhalt meines Gepäcks mühsam wieder in den Koffer zurückquetschen. Eine nachhaltige Erinnerung!

Bevorstehende Meilensteine also:
Erlian… das ist der Grenzort für die Einreise von China in die Mongolei.
Hito Cajones… hier werden wir von Bolivien aus unsere Füße auf chilenischen Boden setzen.
Ich hoffe sehr, dass es möglich sein wird, jeweils ein Foto zu machen.

Ein Kommentar

  1. Stimmt – in Zeiten der EU vergessen wir zu gerne, dass der Grenzübertritt ein wichtiges Reiseerlebnis ist, das einen vor dem strengen Beamten recht devot werden lässt.
    Es liegt in der Tat in seinen Händen, ob Du das Land betreten darfst und wie viel zu aus dem Koffer auspacken (und später vor allem wieder einpacken) musst.

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