Fernwehfestival Erlangen 2017: Eine Nachlese

Von China über die Anden, von Alaska bis Südafrika, vom Paddelabenteuer bis zur Mountainbike-Reise: Das Fernwehfestival Erlangen hatte auch in diesem Jahr wieder eine bunte Palette an Beiträgen zu bieten. Lars und ich waren natürlich wieder mit unseren Festivalbändchen ausgerüstet, die uns Zutritt zu jedem Vortrag ermöglichten. Vier Tage lang hieß es dann für uns: Mit Bildern und Erzählungen einmal rund um die Welt.

Ich muss zugeben, dass ich in diesem Jahr zum ersten Mal etwas wehmütig an die Anfänge des Fernwehfestivals vor einigen Jahren zurückgedacht habe. Damals war das eine kleine, gemütliche Veranstaltung; mehr oder weniger ein Geheimtipp unter Gleichgesinnten. Den kometenhaften Aufstieg des Festivals, der in den letzten Jahren zu beobachten war, habe ich den Veranstaltern wirklich von Herzen gegönnt. Aber in diesem Jahr ist das Fernwehfestival zu einer Massenveranstaltung geworden, bei der der Komfort des Zuschauers stellenweise schon auf der Strecke blieb. Oder vielleicht muss man fairerweise sagen: Die Massenveranstaltung wäre akzeptabel, wenn die Halle nicht so klein wäre oder wenn zumindest einige Optimierungsmaßnahmen à la Platzkarten geschaffen würden.

In den großen Saal der Heinrich-Lades-Halle passen 1.250 Personen. Wenn nun zwei aufeinanderfolgende Vorträge ausverkauft sind, wollen 1.250 Personen aus dem Saal raus, während weitere 1.250 Personen außen schon warten, um in den Saal hineinzukommen. Das ist natürlich überspitzt formuliert, aber so fühlt es sich an. Schon weit vor Vortragsbeginn bilden sich vor dem Saal lange Schlangen (eben weil es keine Platzkarten gibt, und man vorne dran sein muss, um einen guten Platz zu ergattern). Außerdem ist zu beobachten, dass die Vorträge immer länger werden, so dass es schier unmöglich ist, bevor der nächste Vortrag beginnt, aufs Klo zu gehen, sich was zu trinken zu holen, und dann noch einen guten Platz zu bekommen. Daran, zwischen zwei Vorträgen noch was zu essen, ist schier nicht zu denken. Bei Heiko Beyers Vortrag “Die Anden” wurde gar auf die Pause verzichtet, um den Menschenansturm (Saal raus – Saal rein) etwas zu entzerren. Ein Vortrag ohne Pause – insbesondere dann, wenn man sich mehrere Vorträge hintereinander anschaut – ist aber echt anstrengend. Vor allem, wenn die Klimaanlage im Saal die Kühlung einfach nicht hinkriegt. All diese Rahmenbedingungen verursachen Stress beim Zuschauer, und das ist schade.

Neben dem großen Saal in der Heinrich-Lades-Halle gibt es noch einen kleineren, die sogenannte Abenteuerarena. Wir wechseln normalerweise je nach Vortrag zwischen den beiden Sälen hin und her. Doch diesmal, eben wegen der Saal-Rein-Saal-Raus-Problematik, haben wir darauf verzichtet und uns ausschließlich Vorträge im großen Saal angeschaut. Denn da konnten wir unsere Jacken einfach auf den Stühlen liegen lassen und hatten dann keinen Stress. Optimal ist das natürlich nicht.

Schon der Auftakt des Festivals am Donnerstag, der traditionell mit den “Spezialitäten am Lagerfeuer” beginnt, und den ich immer klasse finde, fiel ziemlich mau aus. Im ersten Moment dachte ich schon, es gibt gar keine Spezialitäten. Erst als ich etwa 5 cm vor dem Lagerfeuer-Imbiss stand, der großflächig Burger & Co. anbot, habe ich die winzige Zusatz-Speisekarte entdeckt. Die hat mir immerhin verkündet, dass es meine heißgeliebten Pelmeni gibt (russische Teigtaschen, der geschmackliche Oberhammer). 

Gut war wie immer die Messe – ich habe sogar eine tolle Daunenjacke zum Schnäppchenpreis ergattert -, und auch die Fotoausstellung mit Fotos von Heiko Beyer und Dirk Bleyer war sehenswert. 

Ach ja, und dann waren da ja noch die Vorträge… Auch da war ich ein bisschen wehmütig. Muss man wirklich so viele Hochglanzvorträge bringen? Warum wird Dirk Bleyer mit “Thailand” in der Abenteuerarena gezeigt? Warum wird im großen Saal mit “Die Donau” ein Vortrag gebracht, der monoton und langweilig vom Blatt abgelesen wird? Und warum wird den Zuschauern am letzten Abend mit “Up North” eine selbstverliebte Marmot-Dauerwerbesendung geboten? Es gibt doch so viele gute Vorträge und Referenten da draußen…!

Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu negativ, denn ich will den Veranstaltern des Fernwehfestivals natürlich nicht vor den Kopf stoßen – und wer diesen Blog kennt, weiß, dass ich der größte Fan des Fernwehfestivals bin. Außerdem ist mir klar, dass nicht jedes Fernwehfestival gleich sein kann. Dennoch hatte ich – und leider nicht nur ich – dieses Jahr das Gefühl, dass die besondere Atmosphäre des Festivals, die Faszination der Vorträge und die Gemeinschaft der Gleichgesinnten zu sehr dem Kommerz zum Opfer gefallen ist. Ich hoffe sehr, dass das beim nächsten Festival wieder besser ist, schließlich ist das Fernwehfestival ja eigentlich unser Jahreshöhepunkt!

Bevor ich im nächsten Blogbeitrag näher auf die Vorträge eingehe, küre ich hier meine Top 3 des diesjährigen Festivals. Das ist vor allem deshalb gewagt, weil ich die von mir gekürten Top 1 und Top 2 gar nicht gesehen habe…

Top 1: “Bis ans Ende der Welt” von Sabine Hoppe und Thomas Rahn von abseitsreisen.
Die Vorträge der beiden zählen mit zu den besten überhaupt, deshalb habe ich keine Zweifel, dass sie auch am Fernwehfestival den ersten Platz verdienen.

Top 2: “Transsibirische Eisenbahn” von Holger Fritzsche.
Ich kenne nur seinen Russland-Vortrag, und der war genial. Beim Fernwehfestival habe ich mich im letzten Moment dazu entschieden, den Parallelvortrag von Christoph Rehage anzuschauen. Ich hoffe, den Transsib-Vortrag kann ich mal wann anders sehen, denn das ist ein mega cooles Thema!

Top 3: “Die Anden” von Heiko Beyer.
Hierzu mehr im übernächsten Blogbeitrag.

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