Fernweh Festival 2016: Reinhold Messner in Erlangen

dsc06727Wir haben dieses Jahr etwas ziemlich Außergewöhnliches getan – und haben den Auftakt vom Fernweh Festival in Erlangen sausen lassen. Erstmalig fing das Festival nämlich schon am Mittwoch an, statt wie sonst immer am Donnerstag. Selbst wir hartgesottenen Reisevortragsfans würden einen Koller bekommen, wenn wir uns (wie ursprünglich geplant) zehn Vorträge innerhalb von fünf Tagen anschauen, so unsere Befürchtung. Also haben wir, wenn auch etwas schweren Herzens, die Vorträge über einen Marathon auf dem Everest und eine Paddeltour durch den Grand Canyon sausen lassen, sind bei Altbewährtem geblieben, und haben unser Einlassbändchen erst am Donnerstag abgeholt. Stargast des Abends: Reinhold Messner.

Dazu muss man wissen, dass Reinhold Messner schon einmal beim Fernwehfestival zu Gast war, nämlich am 19. November 2011. Lars und ich waren bei dieser Veranstaltung natürlich dabei. Ich kann mich hervorragend daran erinnern, dass wir viel zu früh an der Halle ankamen, der Einlass noch gar nicht begonnen hatte, und wir dann außen in der Kälte angefangen haben, hartgekochte Eier und Brot zu essen, das ich als Proviant dabei hatte. Aber dann hört’s auch schon auf mit den Erinnerungen. Blanke Leere in meinem Kopf. Oder anders ausgedrückt: Reinhold Messner hatte damals keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Jetzt, fünf Jahre später, ist Reinhold Messner 72 Jahre alt und immer noch topfit. Darüber hinaus ist er ein verdammt guter Redner, der komplett frei und ohne Texthänger seine Geschichten dsc06724erzählt. Und von denen hat er ja so einige auf Lager. Sein aktueller Vortrag mit dem Titel “Überleben” ist so eine Art Mischung aus einem Rückblick seiner größten Abenteuer, einer Darlegung seiner sich dadurch erarbeiteten Lebensweisheiten und einer Vorstellung seiner zahlreichen Museen.

Für mich hatte der Vortrag Höhen und Tiefen. Ein großes Tief war beispielsweise die schlechte Qualität der gezeigten Bilder – für 29 Euro Eintrittspreis schon erstaunlich. Ein Hoch waren spannende Stories wie beispielsweise sein Beisein bei einem “Himmelsbegräbnis” in Tibet, bei dem Geier bewusst den Verstorbenen aufessen dürfen, seine Antarktis Expedition mit Arved Fuchs und natürlich die umstrittene Story vom Tod seines Bruders. (Letztere hört sich aus Messners Mund völlig plausibel an – forscht man im Internet aber ein bisschen nach, fragt man sich doch, wie es wohl wirklich war…).

Mein persönliches Fazit: Es ist toll, so eine Legende mal live zu sehen, aber ich fürchte, in fünf Jahren kann ich mich wieder an nichts mehr erinnern. Außer vielleicht an den Satz von ihm, dass solch verrückte Bergsteiger wie er keine Todessehnsucht haben, wie man leicht denken könnte, sondern eine Lebenssehnsucht. “Wir gehen dorthin, wo wir umkommen müssten, um nicht umzukommen. Ein vernünftiger Mensch geht dorthin, wo er nicht umkommen kann. Das Nicht-Umkommen ist also die Kunst.” Da kann man nur zustimmend nicken.

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