Fernweh Festival Erlangen: Vom Fluch des grünen Bändchens, vom Flow und der Wildnis

2015-11-21 Fernweh Festival - Großer SaalErstmals in der Geschichte unserer Fernweh-Festival-Besuche hatten der Lars und ich diesmal ein sogenanntes “Festival-Ticket” gekauft, mit dem man beliebig jeden Vortrag besuchen kann. Vorher hatten wir immer Einzeltickets. Beim erstmaligen Einlass tauscht man sein Festival-Ticket in ein grünes Bändchen fürs Handgelenk, das man das ganze Festival über nicht mehr abnimmt. Unheimlich praktisch! Aaaber…

Beim Fernweh-Festival laufen immer zwei Vorträge parallel. Besitzt man ein Einzelticket für genau den Vortrag, in dem man gerade sitzt, hat man keinen Anlass, auch nur einen Gedanken an den Parallelvortrag zu verschwenden. 2015-11-21 Fernweh Festival - Lars und ichBesitzt man aber eine Art Freifahrtschein beginnt man – so habe ich das festgestellt – den Vortrag, in dem man gerade sitzt, zu hinterfragen. Ob der Vortrag, der gerade parallel läuft, nicht vielleicht besser ist? Ob man nicht vielleicht den Saal wechseln sollte? Ob man wohl gerade etwas verpasst? Schon beim Norwegen-Vortrag hatte ich die ganze Zeit gerätselt, ob “Kolumbien” nicht vielleicht besser gewesen wäre.

So richtig als Entscheidungsblockade entpuppte sich das grüne Bändchen dann aber abends. Wir hatten uns bereits Wochen zuvor für “Ausstieg in die Wildnis” entschieden und kurz vor der Veranstaltung wie gewohnt mit unseren Jacken im Vortragssaal Plätze besetzt. Dann ging die Diskussion los. Ob Harald Philipps Mountainbike-Vortrag “Flow” nicht doch vielleicht der Bessere ist? Vor lauter Panik haben wir sogar Leute aus dem Fernweh-Festival-Team interviewt, was ihre Meinung dazu ist. Nahezu im letzten Moment haben wir unsere Jacken schließlich von Saal 2 in Saal 1 verfrachtet, um doch dem Mountainbikevortrag beizuwohnen. Natürlich nicht ohne zwei Minuten später schon zu denken, dass “Ausstieg in die Wildnis” ja vielleicht doch ganz cool gewesen wäre… Ich sags ja. Der Fluch des grünen Bändchens.

Flow – Ein Mountainbike-Vortrag von Harald Philipp

Harald Philipp ist geschätzt Ende 20 und nennt sich “Mountainbike-Bergsteiger”. Das heißt, er fährt mit seinem Mountainbike Klettersteige hinunter, die der durchschnittlich ängstliche Mensch Harald Philipp - Flownicht mal zu Fuß betritt. Im Vortragstrailer sah das recht spektakulär aus, und Vorträge, bei denen ich Schweißhände bekomme, sind bei mir immer sehr willkommen. Allerdings erfüllte der Vortrag für uns nicht so ganz das, was der Trailer versprach. Anstatt, wie von uns erhofft, eine spannende Mountainbiketour nach der anderen zu zeigen, redete der recht sympathische Referent ganz schön viel um das eigentliche Thema herum. Bei solchen “Profi-Vorträgen” ist auch oft das Problem, dass der Referent annimmt, er müsse dem Publikum seinen gesamten Freundes- und Bekanntenkreis vorstellen. Das kann leicht langweilig werden. Schnell hatte ich außerdem den Eindruck, dass die im Trailer gezeigten halsbrecherischen Abfahrten die spektakulärsten der ganzen Show waren, und für den eigentlichen Film dann nicht mehr so viel übrig blieb. Als zentrales Element des Vortrags gab Harald Philipp an, herausfinden zu wollen, warum jemand eigentlich sowas macht: Sich in nahezu selbstmörderischer Absicht Berge hinunterzustürzen. Zur Halbzeit hatte ich immer noch keine Ahnung, warum jetzt jemand sowas eigentlich macht, wer Harald Philipp eigentlich ist und was das ganze Mountainbike-Gedöns eigentlich soll. Zeit also, den Fluch des grünen Bändchens in Segen umzuwandeln und den Saal zu wechseln – auf zum “Ausstieg in die Wildnis”. [Website von Harald Philipp: www.summitride.com]

Doris und Hubert Neubauers Vortrag “Ausstieg in die Wildnis”

Ausstieg in die WildnisDen Vortrag “Ausstieg in die Wildnis” zeigten Doris und Hubert Neubauer vor gar nicht allzulanger Zeit mal in Nürnberg. Da hatte ich mich schon geärgert, ihn verpasst zu haben. Deshalb war ich froh, jetzt wenigstens die zweite Hälfte sehen zu können. 17 Monate lang verbrachten die beiden in der Wildnis Alaskas in einer Blockhütte. Das klingt abenteuerlich. Als wir nach der Pause zum Vortrag dazustießen erzählte Hubert Neubauer gerade von einer mehrtägigen Wanderung, die er und seine Frau damals in Alaska unternahmen. Anscheinend wollten sie von ihrer Blockhütte aus an einem See entlang zu einer Hütte laufen und dort ein paar Tage bleiben. Leider geraten die beiden in einen Schneesturm, erreichen die Hütte nicht und müssen unterwegs ihr Zelt aufschlagen. Die Temperaturen liegen (sehr) weit unter Null; die Angst, Erfrierungen zu erleiden, ist groß. Als Hubert und Doris also im Zelt liegen (Achtung, jetzt kommts), fällt Hubert plötzlich ein, dass irgendwo, ganz in der Nähe, ein Holztisch vergraben ist. Er geht also hin, gräbt den Tisch aus, verfeuert ihn, und alles ist (fast) wieder gut. Ich gestehe, diese Anekdote hat bei mir noch Stunden später solches Stirnrunzeln hervorgerufen, dass ich diesem Vortrag leider auch nicht das Prädikat “Genial” verleihen kann.

Man könnte fast meinen, es wäre besser gewesen, kein grünes Bändchen zu haben. Dann hätte ich vielleicht doch noch erfahren, wer Harald Philipp eigentlich ist, und warum er sich mit dem Mountainbike Klettersteige hinunterstürzt…

Damit ging der dritte Fernweh-Festival-Tag also zu Ende. Über den letzten Festival-Tag und einem tollen Vortrag über eine Radreise um die Welt lest ihr morgen.

3 Kommentare

  1. Also, ich glaube ja, dass man sich die Berge hinunterstürzt weil sie da sind. Und der Tisch war unter Schnee vergraben, vom Schneesturm und es war das einzige trockene Holz was es weit und breit gab. Deswegen die Grabung danach.

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