Fernweh Festival Erlangen, Tag 4: Mit Rückenwind über die Alpen

RückenwindAnita Burgholzer und Andreas Hübl sind Mitte 30 und haben das gemacht, wovon viele nur träumen: Vor fünf Jahren haben sie sich auf ihre Fahrräder geschwungen und sind losgefahren. 28 Monate lang, quer durch die Welt. 36.500 Kilometer, durch 35 Länder. “Rückenwind” heißt ihr Vortrag und das gleichnamige Buch; beides macht Lust darauf, diese wahnsinns Reise nachzumachen.

Irgendwie sind Radreisevorträge immer die, bei denen man am Ende Tränen in den Augen hat. Wenn die vielen Monate des Reisens vorbei sind, die vielen Eindrücke ein Ende nehmen und die Heimat immer näher rückt, dann geht das auch dem Vortragszuschauer nahe. Bei Daniel Snaider und seiner Großen Reise war das so, bei den Radnomaden Dorothee Krezmar und Kurt Beutler, und nun auch bei Anita Burgholzer und Andreas Hübl. Man möchte einfach nicht, dass es aufhört: Die Reise, die Erlebnisse und Erzählungen, der Vortrag. “Rückenwind” war nach Andreas Pröve und Michael Martin ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Fernweh Festivals. Super erzählt von den beiden Österreichern Anita und Andreas, untermalt von überdurchschnittlich schönen Fotos. Die Reisevortragsszene bräuchte viel mehr von dieser Art von Referenten! [Homepage: www.nandita.at]

Hans Thurner: Zu Fuß über die Alpen

Weiter ging es mit Hans Thurner, ebenfalls ein Österreicher. Er ist Berg- und Skiführer und kam eines Tages auf die Idee, gemeinsam mit seiner Frau zu Fuß die Alpen zu durchqueren, und zwar Hans Thurnervon Wien nach Nizza. “2.000 Kilometer Freiheit” heißt der Vortrag, der diese Reise beschreibt. Und von der ersten Minute Lust darauf macht, gleich selbst die Wanderschuhe zu schnüren. 101 Tage waren die beiden unterwegs, haben sich durch schlechtes Wetter und tausende von Höhenmetern gequält, durch malerische Täler, idyllische Bergdörfer und traumhafte Panoramen. Dass auf so einer Wanderung sämtliche Zwänge links liegen bleiben, vermutlich noch mehr als auf anderen Reise, leuchtet ein. Größer kann Freiheit wirklich nicht sein. Ich wette so manch einer hat, genau wie wir, im Anschluss an den Vortrag gesagt, “Hey komm, nächsten Sommer, da machen wir sowas auch!”. [Homepage: www.hans-thurner.at / Auch interessant: Die Grande Traversata delle Alpi]

David Lohmüller: Panamericana

PanamericanaNach diesen beiden schönen Vorträgen ging es leider erstmal bergab. “Panamericana” hieß unser nächster Vortrag, mit David Lohmüller als Referenten. David Lohmüller ist eigentlich Fotograf. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, die Panamericana von Nord nach Süd zu bereisen, und zwar ohne zu fliegen. Im Grunde genommen beschreibt David Lohmüller allerdings seine ganz persönliche Urlaubsreise, die er mit einer – mittlerweile – Ex-Freundin startete. “Clou” der Reise sollte sein, dass er vorab über Facebook Leute gesucht hatte, die entlang der Panamericana wohnen, und bei denen er sich unterwegs einquartieren konnte. Eigentlich eine witzige Idee, die aber irgendwie nicht so richtig rüberkam. Neben der ziemlich banalen Erzählung (Lars und ich könnten mit unserer 100-Tage-Südamerika-Tour hier lockerst mithalten) waren auch die Fotos etwas enttäuschend – von einem Profifotografen hätte ich mir schönere Bildimpressionen erwartet. Fairerweise muss ich sagen, dass mir der Erzählstil von David Lohmüller gut gefallen hat, was aber auch nicht sonderlich viel geholfen hat. Es setzte mal wieder der Fluch des grünen Bändchens ein, und nach der Halbzeit beschlossen Lars und ich, den Vortrag zu wechseln.

Zehn Minuten Thomas Huber

Parallel zu “Panamericana” lief der Vortrag “Sehnsucht Torre” von Thomas Huber. Nach Michael Martin der zweite Top-Act dieses Fernwehfestivals. Thomas Huber ist einer der Thomas Huberbeiden “Huberbuam”, die sich als Bergsteiger und Extremkletterer einen Namen gemacht haben. Seit dem unerträglichen Vortrag von Kletter-Star Stefan Glowacz im letzten Jahr boykottieren wir Klettervorträge eigentlich – aber Thomas Huber mal live zu sehen, da sagen wir natürlich auch nicht nein.

Das erste was auffiel: Thomas Huber gehört zu den begnadeden Rednern. Extrem geniale Bühnenperformance sozusagen. Authentisch, begeisternd, mitreißend. Auch die dazugehörigen Bilder auf der Leinwand waren top – sofort bekamen wir den Eindruck das ist ein Vortrag, der sich lohnt. Leider haben wir nur ungefähr zehn Minuten davon mitbekommen. Durch eine Verkettung seltsamer Umstände sozusagen. Plötzlich hat, mitten im Vortrag, jemand die Bühne betreten und ist auf Thomas Huber zugegangen. Im ersten Moment sah es so aus, als würde dieser jemand zum Programm dazugehören. Erst als Thomas Huber den Fremden hektisch und leicht panisch fragte, was er denn wollte, wurde klar, dass das kein Bestandteil des Vortrags war. Thomas Huber ging ein paar Schritte zur Seite, der Fremde folgte ihm. Die Zuschauer starrten zur Bühne, vermutlich versuchte jeder, die Situation irgendwie einzuordnen.

Durch unser Zuspätkommen saßen Lars und ich in der allerletzten Reihe, ganz am Rand. Die Bühne war ziemlich weit weg, weshalb ich nicht gut erkennen konnte, wer der Typ da auf der Bühne eigentlich war. Ganz 2015-11-21 Fernweh Festival - Larsplötzlich ist der Fremde dann losgeprescht und wie von der Tarantel gestochen durch den gesamten Saal gerannt, direkt an mir vorbei, zum Ausgang und raus. Mein erster Gedanke war: “Der sieht aus wie ein Araber”. Mein zweiter: “Der bringt sich jetzt vor irgendwas in Sicherheit”. Während mein Hirn immer noch versucht hat, die Situation einzuordnen hat mein Herzschlag ausgesetzt und ich bekam den totalen Schweißausbruch. Es hat dann noch ein paar Sekunden gedauert bis der Lars und ich unsere Sachen gepackt und zusammen mit ein paar anderen nach draußen gerannt sind.

Zum Glück war unsere Panik unbegründet. Wir haben gehört, dass der Typ nachher von der Polizei aufgegriffen wurde und aus Afghanistan kam. Was er auf der Bühne wollte, war unklar. Wir hatten trotzdem keine Lust mehr auf den Vortrag.

Mein Fazit des diesjährigen Fernweh Festivals: Wie immer Bombenstimmung, super Essen, und hammermäßige vier Tage. Nur die Vortragsauswahl hätte ein bisschen besser sein können. Wir haben dort schon ganz andere Highlights gesehen. Ein solches geben wir uns in den nächsten Tagen: Nämlich den Tibet-Vortrag von Walter Költsch.

Ein Kommentar

  1. In der heutigen Zeit, bei Krieg in Syrien, 100.000den Flüchtlingen in Deutschland, bei denen man nicht weiß wer sie sind, welche Motive sie habe und gleichzeitig massiven Terroranschlägen mit über 100 Toten in Paris und Terrorverdächtigen, die sich wohl als Flüchtlinge nach Europa geschleust haben ist deine Sorge zu verstehen.

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